Wochenendrückblick

Die Woche war ätzend. Ich hatte eine dieser Phasen, die man getrost als die Kehrseite der Hexenmedallie betrachten kann. Die Grundstimmung, die ich auch um mich herum wahrnahm, war sehr angespannt. Das zog sich auch ins Wochenende rüber und ich nahm es auch in der Natur wahr. Da gibt es einen sehr alten Platz an einer Quelle auf einem Berg, den uns die letzte Eiszeit hinterlassen hat. Archäologen fanden dort die Reste eines Keltenlagers. Rund um die Quelle stehen Eiben, die einige Tausend Jahre alt werden können. Den Mountainbikern, die dort langbrettern, ist das egal – sie schroten durch den Wald und die Steinchen, die sie dabei hochwirbeln, kriegt nicht selten der ahnungslose Wanderer neben ihnen ab! Ich hasse sie.

An jenem Abend saß ich dort auf der Bank und wollte ein bißchen „anbandeln“ mit den Kräften des Ortes, aber die Rückmeldung war nicht sehr erbauend. Ich fühlte Mißtrauen, Abwehr und etwas, dass meinen Gefühlen für die Biker sehr nahe kam. „Aber ihr seht in mein Herz! Was sehr ihr da? Alles sehr ihr!“ Das reichte nicht. Ok, ich war schon ziemlich betrübt, aber so schnell geb ich nicht auf. Wenn ihr mich heute nicht hier haben wollt, dann komme ich morgen wieder und ich bring euch was mit. Mit hängenden Schultern ging die Hexe ihrer Wege…

Heute war ich wieder dort und ich ging ganz langsam auf die Eiben zu. Ich berührte jede von ihnen mit der Hand und begrüßte sie mit ein paar leisen Worten in einer alten Sprache, die uns nur bruchstückhaft erhalten geblieben ist. Ich kramte in meinem Rucksack und nahm die Geschenke, die ich mitgebracht hatte, heraus. Auch wenn sie alt sind, die Wesen des Ortes, neugierirg sind sie trotzdem. Ich ging die Stufen zur Quelle hinab und ließ alle Schilde fallen. Ich zeichnete Runen auf den feuchten Waldboden und legte die Sachen nieder. Ein Wanderer ging vorbei und sah mich an, als sei ich irgendwo entlaufen, ging dann aber seiner Wege, und als ich leise lachte, ging er noch etwas schneller 😉

Wieder oben angekommen, lehnte ich mich an das hölzerne Geländer und sah hinab. Ein Regenwurm steckte den Kopf aus der Erde, eine Spinne mit ziemlich langen Beinen krabbelte über das Laub. Es schien, als sei der Ort zu neuem Leben erwacht. Der Wind frischte auf, ich schloß meine Augen und fragte, ob das Opfer angenommen wurde…Antwort war ja, unmißverständlich. Ich öffnete die Augen wieder und sah vor mir an einem tief hängenden Eibenast eine einzige rote Beere. Ich hangelte danach und pflückte sie, hielt sie in Händen und hatte das Gefühl, man wolle, dass ich sie esse…Eiben sind giftig, also ehrlich – wollt ihr mich umbringen oder mir nur einen Trip in die Anderswelt schenken?! Moment – die Frucht ist nicht giftig, nur der Samen darin.

Ich pulte den Samen heraus und dabei platze die Beere und hinterließ ihren durchsichtigen Klebfilm auf meinen Fingern. Nein, wirklich, das…ach nee…Geschenke kann man auch ablehen, oder…? Na gut, ich probiere, aber ich ess nicht das ganze Ding…ich leckte den Glibberkleber von meinen Fingern und mein Freund suchte schon mal nach der Nummer der Notfallvergiftungsstelle, aber so weit kam es nicht. Mir wurde ein bißchen schlecht, aber das kam mehr vom Ekel. Wir hatten einen Deal. Ich mußte auf dem Nachhauseweg ständig an Giftpflanzen denken…die haben es mir sowieso angetan, aber sie zu finden, wenn man explizit nach ihnen sucht, ist leichter gesagt, als getan.

An unserer Garage angekommen, fiehl mein Blick auf das Pflänzchen, dass sich vor einiger Zeit allen Widrigkeiten zum Trotz durch die Steine hindurch seinen Weg Richtung Licht gesucht hatte. Ich hatte es immer für Springkraut gehalten…bis heute. Es wächst genau an unserer Garage, nirgends sonst. Auf einmal sah ich schwarze und grüne Beeren, die in Dolden wuchsen und weisse Blüten, aus denen gelbe Stängelchen ragten. Ich dachte, wie Belladonna, die Tollkirsche. Aber die Beeren waren mattschwarz, nicht glänzend und die Blüten weiss, nicht lila…zu Hause angekommen suchte ich meine Bücher und das Internet ab und was ich fand, versetzte mich in helle Begeisterung! Neben meiner Garage wuchs SCHWARZER NACHTSCHATTEN! Die ganze Zeit, aber ich habe ihn nicht als solchen erkannt.

Erst heute, nach dem Genuß der Eibenbeere, als hätte mir eine sehr alte Macht die Augen geöffnet für den Pfad der Giftpflanzen. Und was ich damit alles machen kann. Ich bin gleich wieder hin und habe sie ausgegraben – dazu mußten wir Steine rausnehmen und wieder einsetzen. Jetzt sitzt sie in einem Topf auf meinem Balkon und kann sich erholen und ich sitze neben ihr und bewundere ihre Kraft und die Geheimnisse, die sie in sich birgt. Ich bin ganz aus dem Häuschen!

Ich hoffe, ihr hattet alle ein wundervolles Wochenende und seid gewappnet für die nächste Woche, denn die Energie, die im Moment am Werk ist, wird uns weiter herausfordern. Ich bin mir ziemlich sicher, dass ein Blick in die Sterne die ein oder andere Erklärung dafür liefern wird.

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2 Gedanken zu “Wochenendrückblick

  1. Wie schön, dass die Woche doch noch etwas gutes brachte :). Darf man fragen, was du mit dem Pflänzchen vorhast?

    • Hallo,
      ich bin mir noch nicht sicher 😉 Habe einige Ideen, aber die sind alle recht risikoreich. Vorerst soll sie wachsen und gedeihen, aber ich glaube, sie ist nur einjährig und wird dann im Herbst geerntet.
      Liebe Grüße,
      Claudia

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