Apfelfest & Orakel

Heute gegen Mittag machten sich die üblichen Verdächtigen auf zum Apfelfest im Nachbarstadtteil. Da das Wetter recht unbeständig war, fuhren wir mit dem Auto. Vor Ort begann die Suche nach einem Parkplatz. Als wir endlich einen gefunden hatten, mußten wir recht weit laufen, konnten allerdings die Strecke abkürzen, indem wir über den Friedhof liefen. Zu meiner großen Freude fand ich zwischen 2 Gräbern eines, das brach lag und darauf wuchs eine Engelstrompete. Also hielten wir kurz an und es gab ein wenig Info zu der Pflanze und ihrer Mythologie.

Auf dem Apfelfest angekommen, zerstreuten wir uns in alle 4 Winde, denn jede/r wollte woanders hin. Mich zog es zum Esoterikstand. Ich stöberte hier und da, als ich hinter mir eine Stimme hörte. „Ach nee, der Icke“. Gemeint war mein Freund…waschechter Berliner. Die Stimme gehörte der Inhaberin des Standes und ich war gleich bedient…sie und ich – das ist eine lange Geschichte…eine, die kein gutes Ende genommen hat. Ich mußte mich ja irgendwann auch bemerkbar machen und drehte mich um, nachdem mein Freund scheinbar nicht wirklich an einer Unterhaltung interessiert war und sie nur böse ansah.

Ihre Begeisterung, als sie mich erkannte, war mindestens so groß wie meine und dann war es eigentlich nur noch peinlich und wir wollen nicht ins Detail gehen. Es ging also weiter, durch dichtes Gedränge, bis wir uns sagten, das hält ja keiner aus. Kennt ihr diese Tage, wo man sich fragt, wie viel Dummheit an einem Ort versammelt die Welt erträgt? Das war so ein Tag. Zumindest bekam ich die kleinen Zierkürbisse auf dem Titelbild sehr günstig, na wenigstens etwas. Wir trafen uns alle wieder am vereinbarten Treffpunkt und auf die Frage, ob jemand noch wo hin will ertönte ein einstimmiges „Nein, bloß weg hier!“

Der Rückweg führte wieder über den Friedhof und direkt neben uns flog plötzlich ein grauer Reier vorbei und landete in den Wipfeln einer Tanne. Ich wollte gerade etwas sagen, da sauste eine pechschwarze Krähe zwischen den Gräbern hindurch – sie hatte jemandem eine Pommes geklaut, die sie quer im Schnabel hatte. Die Art und Weise, wie die beiden sich ankündigten, ließ mich aufhorchen. Wir machten eine kurze Pause auf einer Bank – genau an einer Stelle, von der aus man wieder die Engelstrompete sehen konnte. 2 junge Typen in schlabbrigen Jogginghosen turnten zwischen den Grabstellen herum, als seien sie auf einem Kinderspielplatz.

Wir behielten sie im Auge, denn sie schielten zu der älteren Dame hinüber, die allein an einem der Gräber stand. Wir sind nicht paranoid, aber ich könnte schwören, die beiden hatten nichts gutes im Sinn. Als die alte Dame weiterging, sahen wir ihr solange nach, bis sie den Friedhof an einem der Ausgänge verlassen hatte. Die beiden Typen gingen dann auch in eine andere Richtung. Wir liefen die letzten Meter zum Wagen und ich verglich innerlich dieses Zeichen mit der Ziehung einer Rune am vergangenen Abend.

Ich habe im Moment viele Fragen und orakele daher häufiger als sonst. Ich habe mir mal ein Set Orakelkarten – das Orakel der Baumgeister – zugelegt, wo ich doch eigentlich ein Tarotfan bin. Die Karten sprachen mich einfach an und ich zog heute die Tanne – sie symbolisiert die Unabhängigkeit. In Bezug auf meine gestellte Fragen heißt das für mich – kein Hände in den Schoß legen, kein Willkommensgruß unter Gleichgesinnten. Es bedeutet, den Eigensinn zu fördern und daraus etwas eigenes zu erschaffen. Jeder weiß, wie anstrengend es sein kann, gegen den Strom zu schwimmen und jeder kennt die vielen Fallen am Wegesrand.

Ich bin müde und ich muß erstmal wieder neue Kraft sammeln. Die HerbsttagundNachtgleiche steht vor der Tür – alles in Balance – das brauche ich. Es war das erste Fest im heidnischen Jahreskreis, das ich je gefeiert habe und ich erinnere mich jedes Jahr aufs Neue an den Zauber, den ich von Anfang an auf diesem Weg verspürt habe.

„Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne“ Hermann Hesse

Daran sollten wir denken, wenn wir etwas Neues wagen, auch wenn wir dafür gegen den Strom schwimmen müssen.

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