Heilige Orte und Kraftorte

Wir hatten kürzlich die Schwiegereltern zu Gast und u.a. kamen wir auf das Thema „was ist heilig und warum müssen die Menschen überhaupt immer alles mystifizieren?!“ Aussage Schwiegervater, der sich bis zum Wochenende noch für einen eingefleischten Atheisten hielt und mit einigen neuen Erkenntnissen die Rückreise nach Berlin angetreten ist. Er fragte, ob es nicht einfach gereicht hätte, dass die frische Quelle den Drust löscht und durch die Mineralien auch Gesundheit schenkt. Berechtigte Frage, oder?

Ich habe versucht, es zu erklären. Manchmal denken wir verkehrt herum. Die Menschen sind sicher nicht hingegangen und haben eine Quelle oder einen Hain heilig gesprochen, weil sie gerade Bock drauf hatten. Sie taten es, weil ihnen an diesen Orten besondere Dinge wiederfahren sind. Sie hatten vielleicht Visionen, Eingebungen, Erscheinungen oder Klarträume, etwas, dass sie sich nicht erklären konnten. Dann kam der nächste und fühlte auch etwas besonders, man unterhielt sich darüber, tauschte sich über das Erlebte aus und irgendwann entschied man, dass das keine reinen Zufälle mehr sein konnten. Die Vorstellung eines besonderen, heiligen Ortes war geboren.

Wir kamen hier auf das Thema, weil er auf die Kirche wetterte, gleichzeitig aber fasziniert war vom Kloster, das wir einmal mit ihm besucht hatten. Er hat keine Vorkenntnisse, die über das Christentum hinausreichen und wußte auch nicht, dass christliche Feiertage oft heidnische Wurzeln haben, dass christliche Kirchen oft auf heidnischen Kultplätzen gebaut wurden. Was ja auch neben dem praktischen Zweck, den Ort umzumodeln, auch den Grund hatte, dass man sehr wohl die besondere Ausstrahlung dieser Orte spürte.

Er meinte dann, er wüßte nicht, was er an dem Kloster gespürt hat, dass er es wahrscheinlich einfach nur für eine besondere Leistung von Bauherren hielt. Meine Erinnerung ist da um einiges besser und ich frischte die seine etwas auf und wiederholte, wie ehrfürchtig er damals die Gegend angeschaut hatte. Es arbeitete in seinem Kopf und ich denke, er verstand, als ich sagte, unsere Vorfahren hatten ein viel intensiveres Gefühl für diese Orte als wir heute. Wir sind zugemüllt mit allem möglichen und uns muß man erstmal wieder die Kanäle freipusten, damit wir in die Lage versetzt werden, wieder etwas zu empfinden.

Das ist auch ein Anliegen, was ich habe in Bezug auf meinen Kurs. Ich hab mir zum Ziel gesetzt, die Teilnehmer dahin zu kriegen, dass sie wieder in der Lage sind, die Energie solcher Orte zu fühlen. Dann stellt sich die Frage nach dem „warum müssen wir überhaupt glauben und alles mystifizieren?“ nicht länger. Wenn wir wieder fühlen können, dass etwas besonderes, magisches oder auch göttliches in der Welt existiert, dann müssen wir uns nicht blind an etwas klammern, das wir gern glauben wollen, aber kaum glauben können. Wir spüren und erleben es. Darauf baut ein gesundes Verständnis für die Natur und auch für den Glauben auf. Erfahrung.

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