Yulemond

Gestern war Vollond und schon während des Tages war die Energie zu spüren. Ich nutzte sie, um die restlichen Weihnachtsgeschenke zu kaufen, sowie die „Zutaten“ für all jene Geschenke, die ich selbst herstelle. Auf dem Wochenmarkt habe ich erstmal meinen Kräutervorrat wieder aufgestockt und mir einen Mistelzweig besorgt. Der alte wird an Yule verbrannt und mit ihm alle Sorgen des vergangenen Jahres. Dann wird der frische Mistelzweig geweiht und aufgehangen.

Lavendel-Salbei-Tee

Zu Hause angekommen, gab es erstmal einen leckeren Salbei-Lavendel-Tee und später habe ich angefangen, Lavendelkekse zu backen. Dann ging es weiter mit dem entrinden der Birkenäste. Wow – das war richtig anstrengend! Mit meinen Messern wollte es einfach nicht funktionieren, also mußte ich mir ein Messer bei meinem Vater leihen. Es gab erstmal eine Einweisung im Umgang mit dem Messer, damit ich armes Mädchen mir nicht die Gliedmaßen abtrenne, aber gut, das Ding ist wirklich sauscharf!

Auch wenn das Messer tausend mal besser war als die Vorgänger, dauerte es immer noch ziemlich lange, die festsitzende Rinde runterzuschälen. Jetzt ist allerdings der erste Ast fertig. Der gehört mir! Ich werde ihn glatt schmiergeln und dann mit dem Brennpeter bearbeiten. Abschließend behandele ich ihn mit feinem Bienenwachs. Es war interessant zu beobachten, wie man nach und nach seine eigene Technik entwickelt und zuvor erstmal herausfinden mußte, wie man überhaupt ansetzen muss, um ein möglichst gutes Ergebnis zu erziehlen.

Birke ist ein wunderbares Holz und ich verbinde die Birke aufgrund ihres weißen Stammes gern mit dem Mond. Birke heilt die Seele und hilft, sich mit dem Wesen der Wildnis zu verbinden. Birken sind eine sehr alte Baumart, sie wuchsen bereits in der Eiszeit. Für mich war die Arbeit mit dem Holz wie eine Reise in meine eigene Vergangenheit. Bilder aus der Kindheit stiegen auf und beim schnitzen fühlte ich mich manchmal wie in einer aktiven Meditation.

Ich wurde als Kind nicht von potenziellen Gefahren ferngehalten, sondern man brachte mir bei, mit ihnen umzugehen. Daran sollte ich mich heute mehr erinnern, wenn ich mir alles 3mal überlege und herumeiere. Gefahren sind da, ob wir wollen oder nicht und wir müssen ihnen irgendwann begegnen, um wachsen zu können. Ich konnte 2013 ein Lied davon singen.

Am Abend, als der Vollmond aufgegangen war,überquerte ich den Zaun, denn ich brauchte Rat. Ich achtete darauf, mich hier und auch dort zu schützen, indem ich mit Runen einen sicheren Raum erschuf. Meinen Körper lasse ich während der Reise nicht ungeschützt zurück, sondern ich trage einen Talisman, der verhindert, dass jemand anders an meiner Stelle zurück kommt. Ich frage mich manchmal, ob es sein kann, dass jemand, der nicht aus dem Koma aufwachen kann, drüben festsitzt.

Ich gelange nicht auf direktem Weg an mein Ziel, es gibt zuvor eine Art Zwischenwelt, ein seltsamer Ort voller Schatten. Ich rufe mein Familiar, sobald ich dort bin, denn so manches mal war der Rückweg plötzlich versperrt. Ein Familiar oder Helfergeist kann dann einen anderen Weg finden. Ich werde keine Details niederschreiben, wichtig ist nur, dass ich eine Lektion gelernt habe – vergiß nie die Opfergabe. Alles, was wir hier in unserer Welt als Opfergabe ansehen, kann es auch in der Anderswelt sein.

Die Rückkehr fühlt sich an wie eine kleine Geburt. Ich habe dann das Gefühl, ich hätte zu lange nicht geatmet. Es ist, als taucht man nach einer langen Zeit unter Wasser auf und holt so tief Luft, dass sich die Lunge begierig mit Sauerstoff füllt! Ich warte bis zum nächsten Schwarzmond, dann habe ich meine Opfergabe dabei…

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