Frostmond Ritual im Park

Um 21:30 Uhr ging es los. Wir machten uns auf den Weg in den nahegelegenen Stadtpark, um ein kleines Vollmond Ritual auszuführen. Der Mond war so hell wie ein Scheinwerfer und das, wo wir zuvor befürchtet hatten, der Himmel würde vielleicht nicht mehr aufklaren. Beifuß, Kessel, Räucherkohle, Feuerzeug und eine Decke trugen wir im Rucksack bei uns. Der Beifuss ist für mich ein typisches Räucherkraut, welches mit dem Mond assiziiert wird, Mit ihm wurden beispielsweise Kristallkugeln abgerieben, bevor man sie benutzte. Die Stelle, die wir uns zuerst ausgesucht hatten, war zu hell. Eine Laterne ganz in der Nähe störte und so gingen wir weiter bis zu einem Brunnen, der genau in der Mitte einer Wegkreuzung steht. Ein perfekter Ort. Brunnen galten von je her als Eingänge in die Anderswelt, ebenso wie Wegkreuzungen.

Wir kratzten ein wenig Erde zusammen und befüllten damit den Boden des Kessels, entzündeten die Räucherkohle und legten sie darauf. Die mitgebrachte Decke wurde auf der steinernen Umrandung des Brunnes ausgelegt und das Schraubglas mit dem Beifuß bereitgestellt. Unsere Augen gewöhnten sich immer besser an die Dunkelheit. Der Brunnen wirkte im Dunkeln wie eine anthropomorphe Gestalt aus grauer Vorzeit und in seinem Wasser spiegelte sich der Mond. Als die Kohle gut durchgeglüht war, legte ich etwas Beifuß auf und schritt mit dem Kessel in der Hand entgegen des Uhrzeigersinns einen weiträumigen Kreis ab. Der Duft der verräucherten Kräuter strömte hinaus in die Nacht und wirkte wie Nebel, der über den Boden waberte.

Ich erklärte leise meine Absicht gegenüber den Geistern des Ortes und stellte den Kessel dann auf dem Rand des Brunnens ab, Jeder führte sein Ritual allein aus. In meinem Fall ging es um die Bitte, eine besondere Gabe zu stärken, auf die ich zuvor in einer Runenziehung aufmerksam gemacht worden war. Klar war bis dahin nur, dass es sich um eine Gabe der Götter handelte, die entgegen meiner Annahme, nichts mit meiner Familie zu tun hatte. Ich stellte mich an den Rand des Kreises, dem Mond zugewandt und entspannte mich von Kopf bis Fuss. Ich ließ meinen Blick umherschweifen und verschmolz mit der Stille der Nacht. Dann sah ich hoch zum Vollmond und begann zu singen. Die Sprache veränderte sich während des Gesangs, bis ich sie selbst nicht mehr verstand, doch ich mußte nicht über die fremden Worte nachdenken. Sie flossen einfach so aus mir heraus. Mein Blick war wie festgesetzt, es gab nach einigen Minuten nur noch den Mond. Dann veränderte sich alles um mich herum. Die Nacht schien zum Tag zu werden, die Konturen der kahlen Äste über mir wurden schärfer, ich erkannte viele Einzelheiten, welche die Finsternis zuvor verborgen gehalten hatte.

Richtig beschreiben kann man das nicht.Solche Rituale sind sehr persönlich und über einige Dinge schweigt man. Sicher kennen einige das Ritual „Den Mond vom Himmel holen“. Ich hatte eher das Gefühl, der Mond holt mich zu sich herauf. Es wurde heller und heller, bis ich im hintersten Winkel meiner Gedanken eine leise warnende Stimme vernahm, die sich fragte, ob ich vielleicht von Scheinwerfern angestrahlt werde, weil jemand ein satanisches Ritual vermutend die Polizei gerufen hatte. Ich vertraute darauf, dass die Polizei mehr tun würde, als mich anzustrahlen und fuhr fort 😉 Die Welt veränderte sich weiter, obwohl sie gleich blieb. Es schien, als käme die Welt auf mich zu, dann wieder entfernte sie sich und in mir war so viel Energie, als sei ich überladen. Das Licht wurde noch heller und ich wußte, wenn ich jetzt nicht aufhöre, falle ich so tief in einen medialen Zustand, dass ich Probleme mit der Rückkehr bekommen werde. Da dies nicht mein geschützter Bereich zu Hause war, sondern ein öffentlicher Park, brach ich die Verbindung ab. Ich schloß de Augen und senkte den Kopf und als ich sie wieder öffnete lag vor mir die tiefe, schwarze Nacht.

Ich wollte mich umdrehen und zu den anderen zurück laufen, aber mir war ziemlich schwindelig. Kurz darauf fing ich an zu zittern und mir liefen Tränen über das Gesicht. Ich war froh, dass es am Brunnen so dunkel war. Nur mein Freund erkannte, was los war und nahm mich in den Arm. Er fragte nur, ob alles in Ordnung ist und ich blödelte ein wenig herum, von wegen, ich fühl mich wie eine Glühbirne, die gleich explodiert. Erden, erden, erden. Wir blieben noch eine Weile und verräucherten die letzten Kräuter als Opfergabe für den Mond. Ich schritt den Kreis abschließend im Uhrzeigersinn ab und bedankte mich bei unseren örtlichen „Gastgebern“, bevor wir uns auf den Heimweg machten. Später in der Nacht stellten wir einige Heilsteine und eine Schüssel mit Wasser ins Freie, um sie im Mondlicht aufzuladen. Ich aß eine Kleinigkeit und das Gefühl der Überladung legte sich langsam. Ich habe sehr gut geschlafen in dieser Nacht, wohlwissend, dass der Mond über uns wacht.

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