Von Schlangen & Schneeglöckchen

Die ersten Schneeglöckchen und Krokusse stecken die Köpfe aus der regennassen Erde. Eigentlich wäre um diese Zeit noch Bodenfrost und die kleinen Pflänzchen müßten sich den Weg ins Leben regelrecht erkämpfen. Es ist Imbolc, das Vorfrühlingsfest mitten im Winter. Da wir dieses Jahr keinen wirklichen Winter hatten, dämmern wir noch so dahin und wünschen uns einfach wieder besseres Wetter. Fehlen tut jedoch dieses wahre lechzen nach Frühling und Sonne, nach freien Straßen und Tauwetter.
Trotzdem zeigt uns die Natur, dass es jetzt nicht mehr so ganz lang dauern wird, bis der Frühling kommt.

In den letzten Jahren habe ich Imbolc immer als ein Lichterfest gefeiert und Schwimmkerzen in einer mit Wasser befüllten Glasschale angezündet. Dieses Jahr werde ich es aber einmal ganz anders feiern und kurz beschreiben, wie es dazu gekommen ist. In den letzten Tagen seh ich überall Schlangen ;)Sie schauen mir von Zeitungscovern entgegen, begegnen mir in Form von geschliffenem Rosenquarz oder als Schmuckanhänger wie die Midgardschlange. Ich achte immer auf solche Häufigkeiten und stolperte so über die gehörnte Schlange, die der Waldgott Cerunnos in der Hand hält, und auf andere Sagen über die kluge Schlange (man denke nur an den Äskulapstab der Ärzte), die erst im Christentum zum boshaften Verführer geworden ist.

Schlangen verkriechen sich zum Winter hin in ihre unterirdischen Höhlen im Wurzelwerk von Bäumen und kommen erst im Frühling wieder hervor. Daraufhin recherchierte ich ein bißchen zu den einheimischen Schlangen und erinnerte mich an eine Begegnung mit einer Kreuzotter im Wald in der Kindheit. Meine Cousine und ich haben früher im Wald gern Hütten gebaut, also einfach dicke Äste an einen Stamm gelehnt. Doch einer dieser Äste war kein Ast. Wir sind noch nie so schnell zu unseren Eltern gerannt, wie an diesem Tag! Ich war immer begeistert, wenn ich eine Schlange in freier Wildbahn sah, auch wenn es „nur“ eine Blindschleiche war, die zu den Echsen gezählt wird.

Nun kann man in seinem Imbold Ritual die Naturgeister erwecken, indem man die Schlangen erweckt. Die Schlange gilt als mächtiger Landgeist und da sie ebenfalls zum Frühling hin erwacht, liegt es nahe, sie in das Ritual mit einzubeziehen, vor allem, wenn sie einen zuvor so zu verfolgen schien ;)
Für mich ist Imbolc auch ein Fest, wo die Toten wieder in ihr Reich zurück kehren, welches sie an Samhain verlassen haben, um eine Art Urlaub im Diesseits zu verbringen. Jeder Urlaub hat mal ein Ende und ich verabschiede meine Vorfahren nun wieder bis zum nächsten Samhain. Diese beiden Aspekte spielen also in diesem Jahr eine Rolle und auch eine Karte aus dem Wildwood Tarot, die Ahnin, welche mit dieser Jahreszeit und dem Neumond assoziiert wird.

Da ich vorhabe, Schlangen zu wecken, werde ich das Ritual im Wald durchführen und dabei ordentlich mit den Füßen aufstampfen. Ich nehme rohe Eier mit und geweihtes Wasser als Opfergabe und Birkenrinde zum räuchern. Irgendwann holt mich doch noch die Polizei, wenn ein ahnungsloser Wanderer eine wilde Frau im Dickicht tanzen sieht…
Ich wünsche euch ein schönes Imbolc Fest!

 

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s