Moderne Ahnenverehrung

Die Ahnen sind mehr als verstorbene Blutsverwandte, mehr als die unmittelbaren Vorfahren. Unter Ahnen versteht man alle jemals vor uns verstorben Menschen. Aber auch Tiere und Pflanzen können Ahnen sein, ebenso wie die alten Götter. Die Ahnen beeinflussen uns und unsere Welt, indem sie den Kindern bei deren Geburt auf die Welt helfen. Sie beeinflussen das Wetter und die Ernte. Von ihrer Seite der Welt aus, nämlich aus der „Anderswelt“, sind sie maßgeblich an unserem Leben beteiligt.

Wir hingegen, die Lebenden, die Nachkommen, haben unseren Teil der Abmachung lange vergessen. Unsere Aufgabe bestand darin, unsere Ahnen durch Opfergaben zu nähren und zu ehren. Speise,- Trank,- und Rauchopfer wurden den Verstorbenen zu Ehren gegeben und diese konnten sich durch die gute Absicht dahinter und die Energie des dargebrachten Opfers stärken. Man verstand dies als ein Geben & Nehmen und trug seine Liebsten stets im Herzen. Diese Verbindung war tröstend und stärkend für beide Parteien, denn sie schloß die Überzeugung an ein Dasein nach dem Tode mit ein.

Man vermutet, dass Reste dieses alten Glaubens bis heute im Märchen Frau Holle überlebt haben. Das Mädchen, welches fleißig spinnt, bis die Spindel blutig wird, stirbt bei dem Versuch, diese im Brunnen zu reinigen. Die Spindel fällt hinab und das Mädchen will sie zurück holen und stürzt dabei in den Brunnen, wo sie entweder ertrinkt oder anderweitig umkommt. Die Spindel steht hier symbolisch für den Lebensfaden, der zerreißt. Sie erwacht in der Anderswelt und geht den Totenweg entlang, wo verschiedene Aufgaben auf sie warten. Ein Baum mit reifen Äpfeln spricht zu ihr, sie solle ihn rütteln und schütteln, was nichts anderes bedeutet, als den Segen für eine gute Ernte auf Erden zu geben.

Sie geht weiter und ein Laib Brot spricht zu ihr, sie möge ihn aus dem Backofen holen, bevor er verbrennt. Der Brotlaib im Ofen stellt einen Geburtsvorgang dar, bei dem das Mädchen abermals behilflich ist. Schließlich erreicht sie das Reich der Frau Holle, jener alten Göttin, die über die Unterwelt herrschte. Frau Holle mit den großen Zähnen und dem wirren Haar wird als eine leicht unheimliche, jedoch freundliche Alte beschrieben, die das Mädchen bei sich aufnimmt und ihr das schütteln der Betten und einige andere Aufgaben anvertraut. Wenn sie die Betten kräftig schüttelt, schneit es auf der Erde, und wir sind Zeugen eines Wetterzaubers.

Schließlich ist für die Seele des Mädchens die Zeit gekommen, wieder in die Welt der Lebenden zurück zu kehren und sie wird für ihre gute Arbeit mit Gold überschüttet, welches an ihr haftet. Gemeint ist wohl das gute „Karma“ oder der Segen der Schicksalsgöttinnen, Nornen, Disen usw. Wir alle kennen dieses Märchen und wissen, was passiert, wenn die Pech-Marie ihren Aufgaben nicht nachkommt und was ihr Lohn sein wird. An dieser Stelle müssen wir nur ein wenig aufpassen, dass wir nicht jeden Menschen, der im Leben viel Pech hat, als einen faulen Ex-Ahnen abstempeln 😉

Einige Autoren wie Robin Artisson gehen in ihren Büchern der Theorie nach, dass der Feenglaube und die Vorstellung der Anderswelt aus der Ahnenverehrung abgeleitet wurde. Die Feen waren einst selbst lebende Menschen, die nach ihrem Tode in die Unterwelt gingen oder auch in die Anderswelt. Weiß wie die Knochen sind sie, uralt und weise. Wie bei den Menschen gibt es jene, die uns wohlgesonnen sind und jene, die uns schaden wollen. Ein Ahnenritual, welches in diese Richtung ziehlt, hatte ich hier schon einmal beschrieben. All diese Theorien bleiben nichts weiter als Theorien, wenn man sie nicht bewußt in sein Leben integriert und „erlebt“.

Ich persönlich höre meine Ahnen im Wind flüstern, oder in einem klaren, gurgelnden Bach. Ich nehme sie wahr als die verborgenen Kräfte, die dabei helfen, dass aus einem winzigen Samenkorn eine üppige Pflanzen wird. Ich sehe sie als Lichter am Nachthimmel, deren Sonne der Mond ist und ich höre und sehe sie in meinen Träumen und Trancereisen. Am einfachsten ist der Zugang an Schwellenorten. Auf Friedhöfen, an Wegkreuzungen, in der Morgen-oder Abenddämmerung, in der Ekstase und zwischen Schlaf und Wachsein. Sie teilen ihre Ansichten auch schon einmal durch eine Kartenlegung oder eine Runenziehung mit. Sie und wir sind 2 Seiten derselben Medaille.

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2 Gedanken zu “Moderne Ahnenverehrung

  1. Das hast du ganz super beschrieben, ich danke dir sehr. Ich wusste noch nicht so viel über die Ahnentradition und du hast mir sehr weiter geholfen. Auch wenn ich ehr bei Gott und Göttin bleibe 😉 und dem Feenvolk.

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