Geh nach draußen

Am kommenden Wochenende bin ich wieder unterwegs mit den angehenden Kräuterpädagogen und zwischenzeitlich wächst mein Herbarium mehr und mehr. Ich habe mich entschlossen, die ersten Fehlversuche, die nicht so gut gelungenen Herbariumsblätter zu behalten, um das Entstehen zu dokumentieren. Ich könnte es auch nicht guten Gewissens unterschreiben, die gepressten Pflanzen einfach zu entsorgen, nur weil sie nicht schick genug sind. Wenn ich selbst mal eine Gruppe kleiner Rabauken anleite, ein eigenes Herbarium anzulegen, dann kann ich ihnen mit meinem zumindest zeigen, dass noch kein Meister vom Himmel gefallen ist.

Während meine Mitstreiter im Kurs eifrig alles pflücken, was ihnen unter die Augen kommt, halte ich mich immer im Hintergrund und sage, wenn man mich fragt, warum ich nicht auch was nehme, dass ich befürchte, die Pflanze vertrocknet, bis ich zu Hause bin…der wahre Grund ist aber, dass ich die Pflanzen nicht ohne eine entsprechende Gegenleistung pflücken will und sei es ein kleines Gebet. Ich habe mich selbst dabei erwischt, wie ich im Kurs diese Konsum-Denkweise angenommen habe – die Pflanze sammle ich ja „nur“ zum trocknen für´s Herbarium und nicht für Heilzwecke, etc. So richtig klar ist mir das erst geworden, als ich vor einigen Tagen ganz allein losmarschiert bin und ganz und gar leer und empfänglich für die Natur war. Nicht am quasseln, nicht mit den Gedanken woanders, sondern im Hier & Jetzt.

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©kesselundkerze

Ich habe mir auch abgewöhnt, die Pflanzen in wertvoll und gewöhnlich einzuteilen. Habt ihr euch schon einmal eine blühende Taubnessel ganz genau angesehen? Es gibt sie in rosa, weiss und gelb und sie sind atemberaubend schön! Die winzigen Blüten sind aus der Vogelperspektive betrachtet eher unscheinbar, aber wenn ihr eine pflückt und sie euch von unten anseht, erkennt ihr, wie filigran sie sind. Ich kann nur immer wieder sagen, geht raus in die Natur. Doreen Valiente schrieb einst vom Menschen, der die meisterhaftesten Bücher geschrieben hat, doch nur das Göttliche hat das Buch der Natur geschrieben. Auch die Städte bieten Möglichkeiten, Pflanzen kennenzulernen. Ich habe in Städten z.B. schwarze Nachtschatten gefunden, die sich in einem Kübel an einer Baustelle angesiedelt hatten. Selbst an meiner Garage wuchs einer 😉

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©kesselundkerze

Irgendwann kommt man an den Punkt, wo einen all die Bücher nicht mehr weiterbringen. Mir ging es zuletzt so mit der Signaturenlehre des Paracelsus. Ich habe mich durch 2 dicke Wälzer gearbeitet und weiß im Grunde nicht mehr als zuvor. Einfach, weil die Praxis immer eine ganz andere Nummer ist. Aus diesem Grund ist jetzt auch erstmal ein Bücherstop angestrebt. Das theoretische Wissen nutzt im Grunde erst dann etwas, wenn es sich in der Praxis bewährt. Nur keine falsche Scheu, sondern den Kontakt zur Natur mit allen Sinnen suchen. Riechen, schmecken, fühlen und nicht nur sehen und hören.

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©kesselundkerze

Ich hatte angesichts dieser Thematik kürzlich eine Diskussion mit jemandem, der die Meinung vertrat, die Menschen seien früher „dümmer“ als wir gewesen. Sie hätten ja nicht die Informationen zur Verfügung gehabt, wie wir heute. Ich fühlte instinktiv, dass das nicht richtig ist, konnte aber nur kontern, dass sie sich dafür mit ihrem unmittelbaren Lebensraum bestens auskannten. Der Gegenkonter war, das hätte doch nichts mit Intelligenz zu tun. Mmhhh…ich dachte noch weiter darüber nach bis mir klar wurde, dass man die Welt nicht nur erkennt, wenn man tonnenweise Informationen konsumiert. Nichts gegen ein breit gefächertes Allgemeinwissen, doch läßt sich die Welt auch durch Analogien erfassen, wenn man sich mit weniger Dingen in der Tiefe befasst. Es ist schön, wenn ich auf dem laufenden bin, was das Weltgeschehen betrifft, aber was passiert eigentlich direkt vor meiner Nase?

In diesem Sinne wünsche ich euch einen zauberhaften Frühling mit spürbarer Magie allerorts…

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