Ostern an den Externsteinen

In der vergangenen Woche spielten mehrere glückliche Zufälle zusammen und so war es uns möglich, ein verlängertes Wochenende im wundervollen Teuteburger Wald zu verbringen. Es war überfällig, ein paar Tage wegzufahren und den Alltag hinter sich zu lassen, denn erst, wenn man mal etwas völlig anderes sieht und einem ganz anderen Tagesablauf folgt, wird der Kopf frei für neue Gedanken. Unsere Pension war urig gemütlich, der Frühstücksraum glich eher einem Wohnzimmer mit dicken Teppichen, den vielen gerahmten Bildern an den Wänden, und dem Ofen in der Ecke. Unser Zimmer war klein und fein und die beiden Ladies, welche die Pension führten, verwöhnten ihre Gäste nach Strich und Faden 😉 Ich nahm am ersten Abend dort, nachdem wir die nähere Umgebung ausgekundschaftet hatten, meine Runen zur Hand und ging ein wenig auf Tuchfühlung mit dem Geist des Hauses. Er war eine Sie. Kein Wunder, denn dieser Familienbetrieb wurde über Generationen hinweg von Frauen geführt, zuletzt von 2 Schwestern. Vom Balkon aus konnten wir direkt auf einen großen See blicken, an dessen Ufer die Bäume in voller Blüte standen.

Externsteine2

Am nächsten Morgen ging es nach einem reichhaltigen Frühstück zu den Externsteinen. Ich wollte seit Jahren dorthin, hatte viel gehört und gelesen und meine Erwartungen waren dementsprechend hoch. Der Anblick der riesigen Felsen, wenn man das kurze Stück Waldweg vom Parkplatz aus zu den Externsteinen geht, ist schon sehr beeindruckend. Wir blieben erstmal stehen und ließen den Anblick auf uns wirken. Das Kassenhäuschen öffnete gerade und wir hatten noch nicht ganz bezahlt, da öffnete sich der Himmel und ein heftiger Schauer ging auf die Externsteine nieder. Wir hechteten in die nächste Felsspalte um uns unterzustellen und warteten den Guss ab. Ich nutzte die Gelegenheit und berührte die Felsen mit der Hand, versuchte, alle Gedanken und Erwartungen beiseite zu schieben und innerlich leer und empfänglich zu werden. Was ich spürte, war aber nicht der Zauber einer jahrtausende alten Kultstätte, sondern die Hektik einer Touristenattraktion. Was auch immer die Externsteine einst gewesen sein mögen, die Scharen von Menschen, die dort hinströmen haben diesem Ort jede Kraft genommen. Ich mußte teilweise wirklich gegen diese dunkle, vom Regen noch zusätzlich verstärkte Stimmung ankämpfen. ExternsteineBrücke

Ich dachte an Baldur, den germanischen Gott des Lichts, mit dem mich von je her etwas sehr tiefes verbindet und bat ihn, die Wolken beiseite zu schieben und uns etwas Sonne zu schenken. Als der Regen endlich aufhörte, stiegen wir auf den ersten Felsen hoch. Große Treppen, kurze Beine – meine Güte, war ich fix und alle, als wir endlich oben angekommen sind. Gleichzeitig mußte ich immer mal nach meinem Freund sehen, der tapfer seine Höhenangst besiegte und sich an den Felsen entlang gen Gipfel schob. Die Aussicht lohnte sich. Dort oben waren wir leider nicht eine Minute allein. Immer wieder kamen Leute hoch, meist irgendwelche Möchtegerntypen, und jeder hatte einen tollen, supercoolen witzigen Spruch auf den Lippen. Wie viel Schwachsinn mußten sich die Externsteine wohl in all den Jahren schon angehört haben? Ich betete, dass sie doch einfach die Klappe halten würden und diesem Ort den Respekt zollen mögen, der ihm gebührt. Was mich sehr gefreut hat, war die Art & Weise, wie die Kleinsten reagierten. Ihr Empfinden schien viel tiefgreifender zu sein, als dass ihrer Eltern. Selbst die größten Wildfänge unter den kleinen Jungs, die ein wahres Wettklettern veranstaltet hatten, wurden ganz still und schienen regelrecht in sich gekehrt, als ihr Blick über die Weiten des Landes streifte. Es besteht noch Hoffnung und Dummheit ist Gottseidank nicht vererbbar.

Wir stiegen auch auf den zweiten Stein und so langsam machten sich die Muskeln in den Waden bemerkbar. Vor allem beim Abstieg zitterten mir wirklich die Beine und ich mußte jede Stufe einzeln nehmen, auch weil es nass und entsprechend rutschig war. Ich hatte oben auf dem steinernen Altar meine Runen, mein Pendel und einige Heilsteine ausgelegt, aber wirklich Ruhe, um sie aufzuladen, hatte ich nicht. Nun, wenigstens waren sie die ganze Zeit über bei mir, wenn auch nur im Rucksack. Wir kehrten den Externsteinen den Rücken und liefen einmal um den See, bevor wir im Restaurant Felsenwirt einkehrten und auf unser 9-jähriges anstießen 😉 Wow, wir stellten fest, dass wir beide einen Orden verdienten, für all die Höhen und Tiefen, die wir während dieser 9 Jahre gemeinsam durchlebt hatten, grins…der Ausdruck „Fress-Koma“ beschreibt ziemlich genau den Ausgang dieses Besuchs und zurück im Hotel rief das Bett immer lauter nach einem ausgedehnten Mittagsschlaf. Wir hatten Urlaub, also was soll´s…

Zunderschwamm

Da es noch früh am Nachmittag war und wir möglichst viel sehen und erleben wollten, fuhren wir, dem Rat unserer Gastgeberinnen folgend, ins nahe gelegene Silberbachtal, um zu wandern. Man hatte uns gesagt, dieses Tal sei sehr mystisch, hinter jedem Stein und Baum könnte jeden Moment eine kleine Elfe oder ein Zwerg hervorhuschen. Und genau so war es auch. Das Silberbachtal ist eines der schönsten Naturreiche, welches ich bisher betreten habe. Der schmale, flache Silberbach windet sich seinem natürlichen Lauf folgend durch das Tal und der Wanderweg führt über hölzerne Brücken, dicke Steine und verzweigte Wurzeln. An den Baumstämmen wachsen Zunderschwämme, das sind Pilze, die man zum räuchern nutzen kann, anstelle von Kohle. Wir sammelten Harz von den Bäumen und bestimmten die Kräuter am Wegesrand, vom Wiesenschaumkraut bis zur Pestwurz. Wir sahen 2 Rehe, die nur wenige Meter von uns entfernt im Dickicht auftauchten. Es gefiehl uns dort so gut, dass wir am nächsten Tag den geplanten Besuch im Vogelpark ausfallen ließen und stattdessen wieder ins Tal fuhren, um auch den Rest dieser herrlichen Landschaft zu erkunden. Nun, irgendwann wurde uns klar, dass wir nicht mehr auf dem eigentlichen Rundweg liefen und irgendwie auf den Pfad mit dem Prädikat „anspruchsvoll“ gelandet waren.Silberbachtal2 Dieser Weg war auch nicht mehr wirklich ein Weg, sondern gestaltete sich zu einer Bergsteigertour. Es ging teilweise über den Bach, aber ohne Brücke – nur über die Steine, dann wieder führte der Pfad über nichts als Wurzelwerk steil den Hang rauf, um anschließend nicht weniger steil über dickes Geröll wieder ins Tal zu führen. Aber ganz ehrlich – so stell ich mir wandern vor! Ich mag nicht diese typischen Wege, die aus 2 Traktorspuren und einem Grünstreifen in der Mitte bestehen. Ich mag das Gefühl, als sei ich „mitten im Wald“, mitten drin in der wilden und wunderschönen Natur. Silberbachtal1

Als wir irgendwann wieder am Parkplatz ankamen, waren wir uns einig, dass es für heute reichte…wir fuhren zurück ins Hotel, machten uns frisch und kehrten am Abend im Restaurant ein. Nach dem Essen waren wir eigentlich k.o. aber da es der letzte Abend war, schlugen wir nochmal die Route ein, wo man Bäume aus aller Welt gepflanzt hatte. Die Route zog sich….egal 😉 Es war dämmrig geworden und der Nebel stieg auf den weiten Wiesen auf Nebel ist ein Schleier zwischen den Welten. Ich pflückte einige Wildblumen und legte sie am Fuße eines Wacholderstrauches ab. Wir machten Rast auf einer Bank, wo ich ernsthaft mit dem Gedanken spielte, das Wassertretbecken zu nutzen, aber da ich gerade erst eine heftige Grippe hinter mir hatte, ließ ich es doch bleiben. Wir verfiehlen in eine leichte Melancholie, redeten über Träume und Hoffnungen, Hindernisse und Mut und Angst. Ich dachte zurück an den Bach im Silberbachtal, an die Sorge, auf den Steinen abzurutschen, hinein zu fallen, mir was zu brechen oder zumindest triefend nass zu werden. Ich dachte daran, wie ich außen rumgehen wollte, und wie ich dann überlegt hatte, wie ich mich über mich selbst ärgern würde, weil ich mir dieses kleine Abenteuer versagt hätte. Mein Freund hatte gesagt „geh´einfach rüber – nicht nachdenken, einfach rübergehen!“ Ich bin rübergegangen und es ist nichts passiert. Ich denke immer zu viel nach, oftmals ist das gut, aber nur solange man nicht vom Planer zur Verplanten wird. Geh´einfach, denk nicht drüber nach – das ist das Motto für 2014. Ich wünsche Euch Frohe Ostern.

Advertisements

4 Gedanken zu “Ostern an den Externsteinen

  1. Interessant: Nachdem 2012 von Ängsten und Krankheit gezeichnet war, ich in 2013 einen echten Tiefpunkt hatte – an dem ein Teil von mir erneut starb und ich dennoch wiedergeboren daraus hervor ging – ist mein Motto für 2014 genau das Gleiche wie Deines… 😉

  2. Hallo du,
    ich habe deinen Artikel mit viel Interesse gelesen, da ich ganz in der Nähe der Externsteine wohne. Es tut mir leid, dass du diesen Eindruck von den Steinen gewonnen hast, allerdings ist es an Feiertagen immer sehr voll da. Es gibt dafür aber etliche Tage, an denen kannst du wirklich so gut wie für dich alleine dort sein. Ich glaube, die Steine haben dennoch eine große Wirkung und eine starke Energie, aber das geht natürlich im Touristentrubel verloren das seh ich ein. Eine sehr schöne Stimmung gibt es dort immer zur Sommersonnenwende, wo Feuer und Musik gemacht wird, zu der man toll tanzen kann.
    Danke für den Tipp mit dem Silbertal – du hast mich richtig neugierig gemacht! Bisher bin ich immer von Altenbeken zu den Steinen gewandert, aber jetzt probiere ich auch mal das Silbertal aus!
    Mag deinen Blog sehr gerne!
    Sofia

    • Hallo Sofia, da hast du aber ein wunderschönes Fleckchen Erde, wo du lebst. Ich denke im Nachhinein auch, dass es mehrere Faktoren gab, die alle diesen schlechten Eindruck begünstigt haben. Vielleicht ergibt sich noch eine Gelegenheit, die Steine mal ohne Touri-Ansturm ganz in Ruhe zu erleben und dann hoffentlich in netter Runde zu einem der alten Feste.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s