Bittersüßer Mai

Der Wonnemonat ist in vollem Gange. Kein Monat im Jahreslauf kommt mir so lang vor wie der Mai. Wir tanzen in den Mai und unsere Seelen treten in der Walpurgisnacht den Flug zum Hexensabbat an. Wir wandeln zwischen den Welten und sehen durch den Schleier hindurch. Während draußen die Naturwesen in kleinen Steinkreisen tanzen, löst sich innen die Seele vom Körper macht sich auf den Weg zum fröhlichen Hexentanzplatz. Ein wildes Treiben erwartet uns dort und oftmals ist es so wild, dass wir zuerst erschrecken…doch der animalische Teil unserer Seele weiß nur zu gut, wie wichtig es ist, loszulassen. Walpurgisnacht und Beltane sind Feste voller Ekstase und dem heute so gefürchteten Kontrollverlust. Nur gut, dass alle den Weg zurück gefunden haben, bevor die Morgensonne am Horizont aufging 😉 Belladonne und BilsenkrautDer Waldmeister wuchs in diesem Jahr nicht da, wo ich ihn vermutet und geschlagene 3 Stunden gesucht habe, sondern unten in der Grünanlage. Ich pflückte einige Stängel und ließ sie über Nacht welken, so dass sich das typische Aroma entfalten konnte. Anschließend werden die Stängel in Weißwein getaucht, wo sie 2 Stunden ziehen. Der Waldmeister wird dann entfernt und der Wein mit eiskaltem Sekt aufgegossen. Fertig ist die Maibowle. Als alkoholfreie Alternative kann man das Ganze auch mit Apfelsaft und Mineralwasser anrichten. Waldmeisterbowle

Überall wachsen die Wildkräuter und sie wandern ins Essen, in Getränke oder werden zu Räucherwerk verarbeitet. Manche dienen auch als Medizin, wie die Holunderblüten oder der Beifuss. Letzterer ergibt in Alkohol eingelegt einen köstlichen Magenbitter. Wer möchte, kann Zucker hinzugeben und erhält einen Beifuss Likör. Die Kräuter müssen nicht mehr aus der Flasche entfernt werden, wenn der Alkohol sie erst einmal konserviert hat. Wichtig ist nur, dass sie vollständig bedeckt für ca. 6 Wochen ziehen. Beifuss LikörAus Brennesseln habe ich einen Spinatersatz gemacht. Dazu werden die obersten Triebe geerntet (wenn man sich verbrennt, hilft Wegerich – egal ob Spitz-oder Breitwegerich – einfach das zerquetschte Blatt auf die Stelle reiben) und die Blätter von den Stengeln gezupft. Da sie beim erhitzen stark zusammenfallen, kann man ruhig ordentlich viel sammeln. Vorsicht, bitte laßt die Insekten da, wo sie hingehören und paßt ein wenig auf, was ihr in eurem Sammelkorb mit nach Hause nehmt 😉 Die Blätter werden gewaschen und in einer Pfanne mit Öl, Zwiebeln und zerhackten Knoblauchzehen angebraten. Zum Schluß kommt Fetakäse hinzu, der noch leicht zerschmilzt und fertig ist das Ganze! Sehr lecker. Wenn ihr stolze Gartenbesitzer seid, könnt ihr vielleicht eine Ecke in eurem grünen Paradies entbehren, wo ihr Brennesseln wachsen laßt. Sie werden nämlich unheimlich gern von Schmetterlingen besucht und ihr könnt außerdem einen umweltfreundlichen Flüssigdünger daraus herstellen. Einfach einige Brennesseln in einen Eimer mit Wasser legen, täglich umrühren und nach 2 Wochen ist das ganze zu einer (übelriechenden) Jauche geworden. Diese mischt man 1:5 mit Wasser.

Der Zunderschwamm aus dem Teuteburger Wald ist derweil durchgetrocknet und am vergangenen Vollmond räucherten wir Wermut auf seinem gleichmäßig verglimmenden Fruchtkörper. Auch die Kräuterseminare gehen weiter. Ich habe die ersten Kräuterwanderungen im Rahmen unserer Gruppe durchgeführt und es macht großen Spaß. Man muss nur immer im Hinterkopf behalten, dass man die Teilnehmer nicht überfordern darf. Was für mich selbst ganz selbstverständlich ist, kann für jemand anderen eine völlig neue Info darstellen. Die Wanderungen unter dem Oberbegriff „Mythologie und Pflanzen“ kommen sehr gut an, da hatte ich ja erst so meine Bedenken. Manchmal werden wir auch mit der Nase auf Dinge gestoßen…z.B. ließ mir Frau Holle einen Ast auf den Kopf fallen, als ich am Holunder stehend zögerte, ob ich ihre Geschichte erzählen soll oder ob das zu viel des Guten wäre 😉 Autsch! Kräuterecke

Wir besuchten am Wochenende Schloß Moyland zwischen Goch und Kleve mit seinem großen und wunderschönen Kräutergarten. Ich hatte mich um eine Woche vertan, was das Kräuterfest anbelangt, aber so hatten wir freien Eintritt bei herrlichem Wetter und den Garten ganz für uns allein. Schloß MoylandNatürlich konnte ich nicht gehen, ohne wenigstens 2 Kräuter mitzunehmen 😉 Kapuzinerkresse und Mohn. Der Mohn öffnete bereits am folgenden Tag seine erste gelbe Blüte. Die Hüllblätter platzten auf und schoben sich nach vorn weg und es schien, als trage die Blüte einen Hut, bevor dieser ganz abfiehl. Einige Blättchen und Blüten der Kapuzinerkresse wandern heute Abend ins Hühnerfrikassé, denn sie sind essbar. Steinerner Wächter Moyland

Doch wie der Titel schon andeutet, ist der Mai nicht nur süß, sondern auch bitter. Im November vergangenen Jahres wurde ich von einem Auto angefangen, als ich bei grün die Ampel überquerte. Die Verletzungen, die ich mir dabei zugezogen habe, sorgten dafür, dass ich mich eine Woche lang nicht einmal allein anziehen konnte. Es war alles sehr unschön, Krankenwagen, Polizei, besorgte Gesichter, die sich über mich beugten. Nur der Unfallverursacher zeigte keinerlei Einsicht. Ein älterer Herr mit Hut…in dieser Woche begann die Gerichtsverhandlung. Doch es ist nicht etwa so, dass es um mein Recht ginge. Ich bin die Angeklagte, für den Schaden an seinem Auto. Und wie es aussieht, kommt er damit durch, denn laut neuester Regelung heißt „grün“ für einen Radfahrer noch lange nicht, dass er Vorfahrt hat. „Grün“ gilt nur für die Fußgänger…so paßte es geradezu hervorragend, dass ich am Abend vor der ersten Zeugenladung am Ufer eines klaren Bächleins wildwachsenden, bittersüßen Nachtschatten entdeckte. Bittersüßer Nachtschatten Ich pflückte einige Zweiglein und setzte mich still hin, während die Sonne hinter dem Horizont verschwand. Meine Erinnerung wanderte 10 Jahre zurück. Damals hatte eine Kollegin aus Cottbus zu mir gesagt „das ist alles Schule für´s Leben“. Sie meinte die kleinen und großen Katastrophen im Leben. Sie hatte so Recht 😉 Ich kann nichts mitnehmen, wenn meine Zeit gekommen ist. Keine Habseligkeiten, keine Besitztümer. Nur die Erfahrungen, die ich in diesem Leben gesammelt habe. Ich hab das Gefühl, das werden verdammt viele sein 😉

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