Vorfreude auf die Sommersonnenwende

Dieses Wochenende war ich wieder mit den angehenden Kräuterpädagogen unterwegs. Neben botanischem Grundlagenwissen waren dieses mal die Korbblütler an der Reihe. Der Praxisteil fand an einem typischen Trockenstandort statt, wo zu meiner Freude sehr viel Johanniskraut wuchs! Johanniskraut ist eines meiner absoluten Lieblingskräuter, allein der Anblick erfreut mich! Es ist so lebendig und kräftig gelb, sieht ein bißchen aus wie ein Satellit (man denke an die Signaturenlehre…) und ist ein absoluter Sonnenanbeter. Wir verbanden das ganze mit einem Picknick und jeder brachte etwas selbst gemachtes mit. Ich hatte am Abend zuvor einen Kräuterfladen gebacken und ziemlich viel Knoblauch beigemengt, uhaaaa, aber lecker war´s trotzdem 😉 Wir setzten Kräuterliköre und Magenbitter an. Ich entschied mich für Rosmarin, Zitronenmelisse und Gundermann. Mein Beifusslikör ist derweil fertig und wir kosteten ihn vor kurzem – lecker 😉

Kräuterliköre

Jede/r von uns führte die Gruppe wieder ein kleines Stück und wir sollten das dieses mal unter der Vorgabe von „Begeisterung wecken“ tun. Wir sollten uns vorstellen, dass es einige gelangweilte Teilnehmer gab, die nur mitgekommen waren, weil sie mehr oder weniger mußten. Ich entschied mich für das Thema essbare Wildblüten am Beispiel der schneeweißen Taubnesselblüten. Da kann man einiges zu erzählen. Ich bin erleichtert, dass sich mein Sonnenbrand in Grenzen hält, denn wir waren wirklich den ganzen Sonntag in der prallen Sonne unterwegs. Die Stellen im Nacken und am Arm, die sehr rot waren, behandelte ich gestern Abend direkt mit Johanniskrautöl. Das interessante an den Kräutern ist immer, dass sie in beide Richtungen wirken können. Johanniskraut macht bspw. lichtempfindlich. Es hilft aber trotzdem, wenn man sich bereits einen Sonnenbrand geholt hat. Genauso verhält sich die Schafgarbe. Sie wirkt blutungsstillend, kann aber bei Überdosierung Nierenblutungen hervorrufen.

Dadurch, dass die Wissenschaftler und Pharmakologen die Pflanzenwirkstoffe isolieren und synthetisch nachahmen, können Sie die Dosierung ziemlich genau angeben, denn der Wirkstoffgehalt ist immer gleich hoch. Wer aber mit der ganzen Pflanze arbeitet, der weiß eigentlich nie so genau, wie hoch der Wirkstoff ist, denn dieser varriert von Pflanze zu Pfanze und auch Standort und Jahreszeit haben Einfluss darauf. Was man bei der Behandlung mit selbst gesammelten Pflanzen immer bedenken sollte, ist, dass man es hier mit einem Lebewesen zu tun hat. Für mich macht das den Unterschied zu herkömmlicher Arznei aus dem Labor aus. Alles aus der Pflanze wirkt auf uns ein, nicht bloß ein isolierter Wirkstoff. Um sich selbst mit Pflanzen behandeln zu können, bedarf es einfach auch eines gewissen Vertrauens und Umdenkens. Pflanzen wirken anders als ein Medikament aus der Apotheke, es sei denn, man bezieht getrocknete Pflanzenextrakte aus der Apotheke. Diese beziehen ihre Ware meist aus kontrolliert biologischem Anbau und können mit großer Sicherheit sagen, was drin ist. Das ist natürlich beim sammeln von Wildkräutern nicht der Fall und da geht es um all die Fähigkeiten der Kommunikation mit Pflanzen als Lebewesen, die wir modernen Menschen so sehr vernachlässigen. Wir legen unsere Gesundheit lieber in die Hände anderer.

Übrigens lernt man diese Art der Kommunikation in keinem mir bekannten Kurs. Auch in meiner eigenen Ausbildung wird dies fast belächelt. Menschen wie Wolf Dieter Storl erlauben uns, ihnen über die Schulter zu sehen, aber letztendlich muss der tiefe Wunsch nach echter Verbundenheit mit der Natur aus uns selbst heraus entstehen und ist er da, finden wir Wege, mit der Natur zu arbeiten, indem wir uns wieder als Teil davon erleben. Ich jedenfalls freue mich auf das kommende Wochenende, die Sommersonnenwende, die ganz im Zeichen von Kräutern und ihrer Magie stehen wird. Ich werde die Botanik und die Lehrbücher dann einmal beiseite schieben, und mir erlauben, einzutauchen in ein Reich aus Zauberei und Pflanzenseelen, grenzenlos und unfassbar schön.

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