Natternköpfe, Amulette und Spuk

An manchen Tagen vernehme ich einen Ruf. Ich sehe Symbole, oder habe das Gefühl, ich soll etwas bestimmtes suchen/herstellen/tun. Das letzte Mal ging der Ruf von einem Ort aus, und zwar vom Friedhof. Ich hatte dort Natternköpfe gefunden und sie für mein Herbarium gepresst und getrocknet und leider sind einige dabei verschimmelt, so dass ich sie entsorgen mußte. Ich träumte von gleichschenkligen Kreuzen im Kreis, das Symbol kennt ihr vielleicht. Ich sah sie gebunden aus Natternköpfen und diese sollten von einem Friedhof stammen und bei abnehmendem oder Scharzmond gesammelt werden. Manchmal bekommt man so explizite Anweisungen 😉 Ich machte mich jedenfalls auf zum Friedhof und suchte die Stelle, wo die Pflanzen wuchsen. Zu meiner großen Enttäuschung mußte ich feststellen, dass der Rasenmäher alles dem Erdboden gleich gemacht hatte.

Ich ging etwas betrübt weiter den Weg entlang und schaute beim Grab meiner Oma und meines Opas vorbei und wollte mich dort auf die schattige Bank setzen, doch diese war von Brennesseln überwuchert. Mhhh…was jetzt? Ich drehte um und suchte mir eine Bank am Grab eines bekannten Kabarettisten aus meiner Stadt und genoß die Stille. Es war früh am Abend, kaum noch jemand war dort, um Blumen zu gießen oder Gräber zu pflegen. Vor mir schwirrten zahllose Insekten durch die warme Sommerluft und erfüllten sie mit Leben. Sonnenstrahlen fiehlen durch das Blätterdach der alten Eichen und Schmetterlinge setzten sich auf die Blüten ringsum. Hinter mir raschelte es und als ich mich umdrehte sah ich ein im Gras geducktes Eichhörnchen sitzen. Es sah kurz auf und wetzte dann den Baumstamm empor, wo ein zweites Kerlchen schon wartete.

Ich konnte nicht aufhören, an die Natternköpfe und Symbole zu denken und bat im Stillen die Geister des Ortes, mir zu zeigen, warum ich hier sein sollte. Ich fühlte ein ziehen nach rechts und stand von der Bank auf, um ein paar Schritte zu gehen. Ich bog nach links ab und mein Blick wanderte über die Wiese und die Gräber, aber zu weit wollte ich nicht gehen, denn meine Handtasche lag noch auf der Bank. Ich lief nach rechts und mit einem Mal stolperte ich über einen Holzpfahl, der aus dem Boden ragte. Als ich aufsah, lag vor mir ein verwildertes Grab ohne Stein, übersäht mit hohen Disteln. In der Mitte des Grabes wuchs ein Natternkopf mit seinen blau-violetten Blüten. Das Gefühl, welches sich bei so einem Erlebnis einstellt, kann man schwer beschreiben, aber der helle Wahnsinn wäre recht passend! 😉 Ich lief zurück zur Bank und holte mein Messer, ging noch mal in mich, um sicher zu gehen, dass ich diese Pflanze von diesem namenlosen Grab nehmen durfte und schnitt sie dann etwa 20 Zentimeter über dem Boden ab. Natternköpfe haben ziemliche Stacheln und es piekst schon sehr, wenn man sie ohne Handschuhe anfasst. Ich goß etwas Wasser auf das Grab, als Dank und machte mich auf den Heimweg.

Zu Hause angekommen, nahm ich mir die Lokalzeitung vom Wochenende zur Hand, die eine Sonderausgabe enthielt, die Stadt früher und heute, denn ich hatte es bis dahin nicht geschafft, sie zu lesen. Meine Mutter hatte mich schon angesprochen, und gedrängt, dass ich diese Zeitung lesen soll, warum auch immer. Ich blätterte sie durch und las dann einen Artikel über eine Straße in der Altstadt, in der es spuken soll 😉 Acht Mieter sollen in kürzester Zeit von dort weggezogen sein, weil sie ständig Kutschen über das Kopfsteinpflaster fahren hörten und Pferdegetrappel, so wie aufgeregte Stimmen wahrnahmen. Wenn sie aus dem Fenster schauten, war niemand zu sehen. Nachts fiehlen Gegenstände herunter und Dinge verschwanden, um an einem anderen Ort wieder aufzutauchen. Der Verfasser des Beitrags war neugierig und besuchte die alte Gasse nachts, um sich selbst ein Bild zu machen. Ihm wurde wohl sehr mulmig, hatte das Gefühl, beobachtet zu werden und war froh, als er die helle Hauptstraße erreichte. Man kann denken, was man will, aber in dem Moment, wo ich den Artikel las, wußte ich, wozu ich das Kräuteramulett aus Natternkopf herstellen sollte, welches ich von einem namenlosen Grab geschnitten hatte.

Meine Mutter ist jedenfalls ganz versessen darauf, mit mir diese Gasse des Nachts zu besuchen und wie schon im Song „Rosenrot“ beschrieben paßt hier der Spruch „Sie will es und so ist es Brauch – was sie will, bekommt sie auch“. So ist das bei uns. Jedenfalls hat mich der Artikel bewogen, nach Spukhäusern in meiner Nähe zu suchen und oh weia, da gibt es einige. Ich erzähle das besser nicht meiner Mutter 😉 Ich höre schon meinen Vater reden und die Augen verdrehen – ob wir noch ganz normal sind, von wegen allein im Dunkeln herumlatschen – und ich sehe das Gesicht meines Freundes, der sich dann bereit erklärt, mit zu kommen, damit wir nicht allein sind. Ich überlege es mir noch. Nur aus purer Neugier wäre es wohl dumm. Wäre da nicht der Traum der letzten Nacht, der mich schon hingeführt hat.

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2 Gedanken zu “Natternköpfe, Amulette und Spuk

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