Lughnasad am Rhein

Gegen Mittag machten wir uns auf den Weg zum Rhein, wo wir unser diesjähriges Lughnasad feiern wollten. Die Sonne brannte vom stahlblauen Himmel herab, als wir in den kleinen Feldweg zum Rheinufer einbogen, vorbei an goldgelben Kornfeldern, die gerade gemäht wurden. Dort stellten wir das Auto ab und machten uns auf den Weg, den Kräuterbuschen zu sammeln, den wir später auch in das Ritual einbinden würden. Schnell hatten wir die Kräuter wie Schafgarbe, Johanniskraut, Königskerze, Wegwarte u.v.m. zusammen. Wir sammelten noch einige reife Brombeeren und merkten uns die Stellen, wo Holunder und Weißdorn nebeneinander wuchsen und ein Feentor bildeten. Am kommenden Wochenende werden wir noch einmal dorthin fahren und Dornen vom Weißdorn, sowie Holunderbeeren für so manche Hexerei sammeln, passend zum Vollmond im August.

Im Anschluß an unsere kleine Kräutertour fuhren wir ein Stück weiter, dorthin, wo das flache Rheinufer mit seinen Wiesen und seinem Kieselstrand zum picknicken einlud. Doch Pustekuchen – die schönsten Stellen waren überschwemmt und viele schattenspende Silberweiden standen im tiefen Wasser. Wir mußten ganz schön weit laufen, bepackt mit Grill und Kühltasche, bis wir endlich einen Platz fanden, der zwar schön war, den man aber nur erreichen konnte, wenn man einige Meter durchs Wasser watete. In der Ferne zogen bereits einige dunkle Wolken auf und der Wetterfrosch hatte auch Gewitter gemeldet, aber wir waren hungrig und vor allem durstig und dachten uns, das wird schon vorbeiziehen…Decken wurden ausgebreitet, der Grill aufgebaut und mit Kohle befüllt, die Opfergaben im Kies am Wasser ausgebreitet. Während die Kohle durchglühte, führten wir ein kleines Ritual für den Gott des Rheins – Rhenus – durch, gedachten der vielen Hochwasser vergangener Zeiten und der Macht des großen Flusses mit seinen tückischen Strömungen, seiner Geschichte und opferten selbst gebackene Kräuterfladen und Holunderwein für ihn und die Geister des Ortes.

Mittlerweile hatte sich der Himmel verdunkelt und die Farbe von blaugrau angenommen und das erste Donnergrollen war in der Ferne zu hören. Wir hatten gerade unsere Teller befüllt, als die ersten Tropfen auf dem Wasser zu tanzen begannen und dann ging es richtig los. Der Baum bot noch einige Minuten Schutz vor dem Regen, aber irgendwann wurde aus dem Regenguss ein wahres Unwetter. Der Sturm schüttelte trockenes Laub aus der Baumkrone und der Regen hatte alles, aber wirklich alles durchgeweicht. Die Kohle im Grill schwamm im Wasser, die Decke hatte sich vollgesaugt und sämtliche Taschen waren klatschnass, genau wie wir. Als wir endlich zu Hause waren, schmissen wir die Klamotten erstmal allesamt auf den Balkon und duschten (ich zum dritten mal an diesem Tag!) ausgiebig, denn wir waren nicht nur klatschnass, sondern hatten auch den halben Baum im Haar und der Sand klebte ebenfalls überall. Na wenigstens wurden wir nicht vom Blitz erschlagen. Wie schon erwähnt, werden wir bald wieder hinfahren und einiges für Magie und Ritual sammeln. Wir wollen diesen Besuch dann mit dem versunkenen Schloß in Baerl verbinden und uns ein wenig mehr mit der Magie des Rheins beschäftigen, dessen Lauf sich über die Jahrhunderte so oft verändert hat und dem man früher mehr als nur Brot geopfert hat, um ihn zu besänftigen. Auch die Wasserprobe, bei der festgestellt werden sollte, ob jemand, den man der Hexerei angeklagt hatte, schuldig war oder nicht, wurde am Rhein durchgeführt. Ganz zu schweigen von den Wassergeistern, die ihn bewohnen und von denen die Lorelei wohl die bekannteste ist.

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2 Gedanken zu “Lughnasad am Rhein

  1. Endlich komme ich auch mal wieder zu einer Blogrunde. Ja ja, da merkt man schon dass der Sommer vorbei ist und Aktivitäten doch wieder häufiger in den eigenen vier Wänden stattfinden. Schade… ich bin noch gar nicht bereit für den Herbst… Wie auch immer, ich wünsche Dir noch eine fruchtbare Erntezeit und Alles Liebe, bis bald!

    • Geht mir genauso, würde am liebsten das Jahresrad nochmal zurückdrehen auf Frühling! Aber wenn ich an buntes Laub und Kerzen denke, dann kann ich mich so langsam mit dem Herbst anfreunden. Ich wünsche dir auch eine gute Ernte und noch einige schöne, warme Spätsommertage.

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