Von Großmüttern und Kleinen Ahnen

Seit einiger Zeit läßt mich der Mythos um Frau Holle nicht mehr los. Die Vorstellung des Totenreiches als lichte Unterwelt, mit Apfelbäumen und Wildblumenwiesen, die Welt, die auf dem Kopf steht. Die weise, etwas unheimliche Alte, die sich um die Seelen der Verstorbenen kümmert und zugleich den Seelen auf die Welt hilft. Die Hebamme, die sieht, welche Seele da auf dem Weg ins irdische Dasein ist, die „Hebe-Ahnin“, die ihnen den Weg ins Diesseits ebnet und die Totenwäscherin, die den Seelen den Weg in die Anderswelt weist. Ich las, dass „Enkel“ die Bedeutung von „kleiner Ahne“ hat. Dann denke ich zurück an meine Oma, die wirklich eine weise Frau war. Sie hatte die Ruhe weg, wenn ich mit meinen Kusinen, im schlimmsten Pubertätsfieber, bei ihr übernachten durfte und sie uns erlaubte, auszugehen, immer mit ein paar wichtigen Regeln, die da lauteten – ihr bleibt zusammen und keine von euch kommt allein nach Hause. Ich erinnere mich an Abende, wo wir nicht loszogen, sondern zusammen mit ihr Wein tranken und bis fast zum Morgengrauen erzählten, was so schön war, dass wir kein Bedürfnis mehr nach Party hatten 😉

Im Nachhinein waren das richtige Frauenkreise. Meine Oma war eine sehr moderne Frau, die uns immer beigebracht hat, dass wir Mädchen was ganz besonderes sind. Sie besaß eine natürliche Autorität, kannte viele Geheimnisse und hatte eine Wahnsinnsgeduld. Man konnte nichts vor ihr verbergen, und Lügen hat sie gehaßt. Einmal hatten meine Kusine und ich uns an ihrem Rum bedient, den sie immer zum backen nutzte und obwohl es nur ein Schluck für jede war (der Hals brannte einfach zu sehr), kam meine Oma dahinter und die Hölle war los! Wenn wir aber gefragt haben, ob wir mal ein Glas Wein probieren dürfen, war das kein Thema. Sie erschuf einen schützenden Raum für uns Mädchen, ohne uns zu bevormunden und wies uns ganz automatisch den Weg. Ich muss im Moment sehr oft an sie denken und ich glaube, diese alte Göttin hat damit zu tun. Ich liebäugele derzeit mit einer kleinen Steinfigur, der Venus von Willendorf. Im Tarot begegnet mir öfter die Karte „die Ahnin“ und ich will gar nicht von der Macht und der Verbindung zu den 3 Nornen anfangen, denn das ist schon fast unheimlich geworden.

Keiner meiner Zauber war je so mächtig, wie die Runenzauber, bei denen die Macht der Nornen eine entscheidende Rolle spielte. Das seltsame dabei war immer, dass ich diese Zauber danach wirklich völlig vergessen habe, genauso wie die 3 Weisen selbst. Nur in Momenten allergrößter Dringlichkeit komme ich darauf, mich hilfesuchend an diese Schicksalsfrauen zu wenden. Wehe, die Naudiz Rune taucht auf, oha…ich bin, wie jeder weiß, der Göttinnenspiritualität gegenüber eher kritisch eingestellt. Aber das hier ist anders, es scheint wirklich meinem Verständnis von Ahnenkult zu entsprechen. Gestern abend kam mir der Gedanke, dass es kaum Alternativen zu christlichen Begräbnissen gibt. Wenn man keinen Pfarrer bestellt, kann man sich zwar einen Freiredner organisieren, aber für wirklich heidnische Begräbnisse gibt es meines Wissens nach in Deutschland keine Stelle, an die man sich wenden könnte. Mein Freund ärgerte mich schon wieder mit den Worten, ich könne ja umsatteln und ein Beerdigungsinstitut eröffnen, aber ich glaube nicht, dass ich das könnte. Andererseits macht mich der Gedanke nicht traurig, ich empfinde die Vorstellung in Bezug auf eine lichte Unterwelt als sehr tröstend.

Wenn ich mir meine Vergangenheit so ansehe, muss ich sagen, es wäre beinahe vorgezeichnet, sich in dieser Richtung mehr Gedanken zu machen. Was mich immer interessiert hat, war, Rituale für andere zu entwerfen, auch solche, die von Abschied künden. Ich will aber gar nicht wissen, das da rechtlich dran hängt. Im Moment tauche ich nur für mich selbst ein ins Thema und zwar mit all seinen Facetten. Es ist so weitläufig, das Thema Ahnenkult und es schließt Orakel ebenso mit ein, wie „Seelsorge“(?). Es tut richtig gut und ich genieße es erstmal, ohne gleich wieder Pläne zu schmieden. Vielleicht ist es auch ein Wink mit dem Zaunpfahl, dem vergrabene Thema zum geplanten und wieder verworfenen Ahnenkurs neues Leben einzuhauchen.

Auf ganz realer Ebene tut sich derzeit auch was, ich wurde gefragt, ob ich mir vorstellen könnte, einem Orchester beizutreten. Mein Gitarrenlehrer fragt mich jede Woche aufs Neue und ich bin mir nicht richtig grün. Es bedeutet, üben üben üben und ein weiterer Abend in der Woche mit festem Termin, so wie Auftritte an den Wochenenden. Die Auftritte halten sich zeitlich wohl noch in Grenzen, aber eigentlich wollte ich nicht mehr Zeit in ein Hobby investieren, sondern in „materielle Bedürfnisbefriedigung“. Wenn man von Luft und Liebe leben könnte, wäre ich gut versorgt 😉 Vielleicht läßt sich über die Gage verhandeln, hahaha, aber wohl eher nicht. In diesem Sinne, euch allen einen guten Start in die Woche.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s