Die Kirmes und der Monat September

Gestern Abend sahen wir das große Feuerwerk, welches das Ende der großen Kirmes bedeutete, die jedes Jahr im September in meinem Heimatstädtchen gastiert. Natürlich waren wir auch dieses Jahr wieder dort und das mit einer ziemlich bunt gemischten Truppe. Die Mutter meiner „Schwägerin in spe“ ist vor kurzem aus Brasilien angereist und der Geschäftspartner und Freund meines Onkels, der zur Zeit in Deutschland einen mehrmonatigen Sprachkurs macht, ist gebürtiger Thailänder und zog ebenfalls mit uns los. In das sowieso schon laute Treiben zwischen all den Fahrgeschäften und Attraktionen mischte sich unser eigenes Mischmasch aus Portugiesisch, Deutsch und Englisch. Mein Freund hat jedes Jahr aufs Neue den kalten Schweiß auf der Stirn stehen, wenn es um das Thema Fahrgeschäfte geht. Er haßt sie. Ich liebe sie. Zumindest die, welche sich nicht überschlagen. Unsere Gruppe war groß genug, um ein williges Opfer zu finden, welches mit mir das Magenumdrehen vollzog, so dass er fein raus war 😉 Dieses Jahr war die Kirmes etwas besonderes für mich, denn es war das erste Jahr, wo sie stattfand, ohne, dass ich zu der verdammten KölnMesse mußte, die ich so sehr hasse. Ich konnte mich einfach nur auf die Kirmes freuen, ohne den trübenden Gedanken an 16 Stunden Neonlicht, anstrengende und oft extrem arrogante Geschäftskunden am Stand meiner ehemaligen Firma, etc.

Die Kirmes liebe ich seit meiner Kindheit, sie fasziniert mich. Die lauten Ansagen und die Musik, das dichte Gedränge, das ich eigentlich eher meide, das Flair des Andersartigen. Ich habe früher oft davon geträumt, mit den Kirmesleuten von einem Ort zum anderen zu ziehen. Ihr zigeunerhafter Lebensstil und ihre Rolle als Außenseiter haben mich immer angesprochen. Früher fürchteten die Menschen die umherziehenden Jahrmarktleute und Schausteller. Sie standen in dem Ruf, die Kinder zu entführen und sich als Taschendiebe zu verdingen. Am meisten aber fürchteten die Menschen ihre Magie. Es ist die Magie der Zigeuner, die sie umgibt. Es mag seltsam klingen, aber ich erkenne die Kirmesleute in der Menschenmenge. Etwas schattenhaftes, verruchtes umgibt sie. Etwas dunkles und geheimnisvolles. Gerade der September ist für die Kirmes wie geschaffen. Der Monat, in welchem die Dunkelheit zur HerbsttagundNachtgleiche die Regentschaft übernimmt. Wenn die Geräusche verstummen und die Lichter nach und nach erloschen sind, dann legt sich die Dunkelheit wie ein Mantel über den Kirmesplatz. Ein Spaziergang über einen dunklen Kirmesplatz ist wie ein Spaziergang über einen Friedhof um Mitternacht. Die Kirmesleute ziehen weiter und ich blicke ihnen wie jedes Jahr mit einer unerklärlichen Sehnsucht nach.

Wenn ich mich auf den Blogs und Youtube umsehe, dann scheinen viele die Herbsttagund Nachtgleiche zu vernachlässigen und würden am liebsten gleich zu Samhain/Halloween hinüberwechseln. Mabon ist für mich das erste Jahreskreisfest, das ich je gefeiert habe und wird immer einen besonderen Stellenwert haben. Schon im Kindergarten liebte ich das Erntedankfest mit all seinen Gaben und der wunderschönen Deko. Am kommenden Wochenende ist definitiv die Herbstdeko dran! Mein Drache kommt wie immer an die Wohnungstür und ich meine, ich höre ihn unten im Keller in seiner Dekokiste aufgeregt zappeln…Mabon ist die Fülle und zugleich die Vergänglichkeit. Es ist die Zeit der Rot-und Goldtöne und ich trage diese Farben momentan auf Nägeln und Lippen. Jetz habe ich Lust auf einen köstlichen Hagebutten Tee bekommen 😉 Cheers!

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2 Gedanken zu “Die Kirmes und der Monat September

  1. Wie wahr, da kann ich ja – mit deiner Erlaubnis – meine Faun Albumrezension dran anschließen zum Thma fahrendes volk, Septmember und Dunkelheit.und nicht zuletzt deinen Beitrag. Zudem werde ich wohl wieder auf ein Erntedankfest fahren.
    Viele Demeter – Höfe tun das ja zum 20. hin.

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