Der verwundete Heiler

Ich lese in letzter Zeit auf verschiedensten abonnierten Blogs von Menschen, die immer wieder mit gesundheitlichen und psychischen Problemen zu kämpfen haben. Besonders Menschen, die sich mit Spiritualität befassen, scheinen sehr stark betroffen. Böse Zungen würden sagen, dass solche Menschen sich aus der Realität flüchten und Halt in der Spiritualität suchen, aber wer hier mitliest, wird bereits ahnen, dass ich diese Meinung nicht teile. Einige der besten Heilpraktiker, KartenlegerInnen und Physiotherapeuten, die ich kenne, sind eben dies geworden, nachdem sie vom Leben durchgeschüttelt worden waren. Manche so sehr, dass es zu Suizidgedanken und/oder Versuchen kam, bevor sie erkannt haben, welches Potenzial in ihnen schlummert.

Ich möchte eines klarstellen – nicht jeder Mensch mit einem Arschgebrechen (pardon) ist zum Heiler berufen. Aber ich kann auch die Meinung vieler Psychologen nicht teilen, die davon ausgehen, dass „Behaviourism“ das Unwort des Therapie-Jahrhunderts ist (kurze erklärt, man schließt von den eigenen Erfahrungen auf die der Patienten und verliert dabei seine Objektivität). Ich denke, die Voraussetzung für den Beruf des Heilers, Beraters oder Arztes ist eine hohe Sensibilität und Empathie. Ich habe mich mit einer Heilpraktikerin unterhalten, die eine Ausbildung zur Psychologischen Beraterin anbot und ich fragte sie damals, wie sie sich emotional von den Sorgen ihrer Patienten distanziert. Die Antwort hat mich sehr überrascht – gar nicht. Sie sagte, während der Sitzung ist man völlig involviert, man geht direkt neben dem leidenden Menschen her und die Grenzen heben sich auf. Die Kunst liegt darin, hinterher wieder zu sich selbst zu finden und sich abzugrenzen.

Spirituell eingestellte Menschen verfügen über diese Sensibilität. Lassen wir die schwarzen Schafe unserer „Szene“ einfach außen vor. In unserer Kultur ist kein Platz für Menschen mit einer solchen Begabung. In anderen Kulturen hingegen erkennen die Menschen oftmals frühzeitig, ob jemand die Veranlagung hat, Medizinmann, Schamanin oder ähnliches zu werden. Wo gibt es das bei uns? Echo….Im Schamanismus ist die Rede von der Einweihungskrankheit, die den zukünftigen Schamanen befällt und davon, wie er/sie Wege finden muss, um sich selbst zu heilen, bevor er andere heilen kann. Der Begriff Heiler wird hier von mir im weitesten Sinne verwendet, und ist nicht explizit auf die Heilkunde ausgerichtet. Auch Berater sind damit gemeint, ebenso wie Lehrer u.v.a. . Wir können weiter hinterfragen, ob unser Karma schlecht ist, oder die Sterne zum Zeitpunkt unserer Geburt ungünstig standen oder wir können uns entscheiden, unser Schicksal aktiv mitzugestalten, indem wir aus der Rolle des Opfers heraustreten und uns selbst „ermächtigen“. Jeder von uns verfügt über eine Palette voller Fähigkeiten, die uns selbst überraschen würde, wenn wir sie vor uns auf dem Tisch ausbreiten.

Es geht darum, sich nicht ständig den Boden unter den Füßen wegzuziehen, sich ständig selbst zu sabotieren. Was ich gar nicht genug betonen kann, ist dass es für diese Erkenntnis nie zu spät ist. Vielleicht denken viele, ich habe so viel Zeit verschwendet und richtet damit den Fokus auf die Vergangenheit, die wir nicht mehr ändern können. Aber diese Vergangenheit ist das Fundament, welches uns jetzt zur Verfügung steht, wir können uns kein Wunschkonstrukt herzaubern. Wer das akzepziert, der erkennt, dass wir jetzt(!) das Fundament für die Zukunft erschaffen.

Wir erkennen einander, wenn wir uns begegnen. Sei es Auge in Auge oder über hunderte und tausende Kilometer Entfernung, in unseren Schriften, Videos und Blogs. Ich freue mich, dass ich Teil dieser Gemeinschaft von Individuen sein darf.

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