Die Rauhnächte

Hier sind wir also, mitten in den Rauhnächten. Die Weihnachtstage sind vorüber, das neue Jahr liegt vor uns. Am Tage glitzert der frisch gefallene Schnee im Licht der neu geborenen Wintersonne und nachts im blassen Schein des Neumondes. Jede der 12 Rauhnächte steht stellvertretend für einen Monat des kommenden Jahres. Was man in diesen Nächten träumt, soll sich der Überlieferung nach im jeweiligen Monat ereignen. Die Rauhnächte entstehen durch die Differenz des Sonnen- und Mondjahres. Das Mondjahr mit seinen ca. 354 Tagen und das Sonnenjahr mit seinen 365 Tagen bilden die Grundlage für die Zeit zwischen den Jahren, in welcher allerhand Brauchtum zu finden ist.  20141228_115633_resized

Die Winterstürme, die typisch für diese Zeit sind, brausen nachts um die Häuser und es braucht nur ein wenig Fantasie, um sich vorzustellen, wie die Wilde Jagd dort draußen durch die Nacht fegt! Die verlorenen Seelen, angeführt von Odin oder Frau Holle, reißen die Unvorsichtigen mit sich, verheddern sich in der Wäsche (weshalb man zwischen Weihnachten und Neujahr keine Wäsche aufhängen soll) und sorgen für allerlei Spuk und Grusel. Die Menschen räuchern Beifuss, Wacholder und Harze, orakeln und beobachten das Wetter, um zu erahnen, wie das Wetter im nächsten Jahr wird. 20141228_115601_resized

Die Kerzen auf unserem Adventskranz sind heruntergebrannt, nur eine steht in der Mitte und symbolisiert die wiedergeborene Sonne. Eine wunderschöne Regenbogen Glaskerze. Die Nordmanntanne mit ihrer außen goldenen und innen roten Spitze bleibt uns noch bis ins Neue Jahr als immergrüner Hoffnungsträger erhalten. Auf dem Couchtisch habe ich einen kleinen Frau Holle Altar eingerichtet (ihren Ehrentag feiern wir am 06. Januar zum ersten mal anstelle der heiligen 3 Könige). Über der Eingangstür hängt die neue Mistel, geweiht an Heiligabend. Die Mistel als Zwischenwesen – zwischen Himmel und Erde. Die alte Mistel haben wir verbrannt und ihre Asche dem Fluss übergeben. 20141228_115521_resized

Ich hatte wunderschöne Festtage, interessante Begegnungen und ich habe viel neues ausprobiert. Man könnte auch sagen, ich bin zur Küchenhexe mutiert, aber das schon in der Vorweihnachtszeit. Wenn ich nicht gerade Salben gekocht oder Cremes gerührt habe, dann war ich mit Essen machen beschäftigt (der Festtagsbraten war dieses Jahr Ente in einer Senf-Honigkruste mit Orangensauce, Klößen und Apfelrotkohl – oh mein Gott – gut dass es Beifuss gibt, wenn man sich hoffnungslos überfressen hat!), habe Rotweinkräutersalze hergestellt, Halsbalsam, Kräuterliköre und Tinkturen angesetzt. Ich war auch viel an der frischen Luft, trotz Schneegestöber und Regen. Und ich habe tolle Bücher gelesen, bzw. bin dabei 😉 Storl´s „Die alte Göttin und ihre Pflanzen“, Früh´s „Rauhnächte – Märchen, Bräuche, Aberglaube“ und einige schöne Blogeinträge.

Heute Abend geht es zu einer Veranstaltung über die Rauhnächte, mitten im Wald, mit Räuchern, Ritualen und einer Nachtwanderung. Brrrrr… das wird schön kalt, wir haben jetzt schon -4°C ! Aber darauf freue ich mich total! Der Schnee wird unter unseren Füßen knirschen und wir werden mit Fackeln „bewaffnet“ die Dunkelheit erhellen. Dabei muss ich an die Kenaz-Rune denken. So wie es jetzt ist, ist es gut. Ich habe das Gefühl, 2015 wird ein aufregendes, wunderbares Jahr voller neuer Erfahrungen! Ich wünsche euch allen einen guten Rutsch!

 

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