Nachtwanderung in die Anderswelt

Ich war ja so fleißig 😉 Momentan gönne ich mir etwas Musik, Billy Talent`s Prisoners of today. Ich sitze bildlich gesprochen in einem Stapel aus Kräuterbüchern, Aktenordnern und bisher fertig gestellten Pflanzen-Monografien. Heute waren Beinwell, Johanniskraut und Holunder dran, alles für´s Herbarium. Ich liege gut im Zeitplan, das beruhigt 😉 Die Steckbriefe gingen schneller, aber das freie schreiben der Monografien geht mir so gut von der Hand, wie ich es vermutet hatte. Das ist ein gutes Gefühl, denn so kann ich sicher sein, dass das Wissen tatsächlich „sitzt“. Das Jahr hat definitiv begonnen und Fahrt aufgenommen, aber gehen wir ein paar Schritte zurück…

Ich hatte das Glück, an einer Veranstaltung zu den Rauhnächten teilnehmen zu dürfen. Mehr als das, ich habe endlich eine Gruppe von Leuten gefunden, mit denen ich wieder die Jahreskreisfeste feiern kann. Ich muss sagen, das Volk, was ich teilweise in den vergangenen Jahren getroffen hatte, trieb mir oftmals ein Schaudern über den Rücken.

Ich hatte schon fast aufgegeben, was das feiern in einer Gruppe Gleichgesinnter angeht. Im vergangenen Oktober allerdings machte ich bei einer Kräuterwanderung rund um meinen liebsten Eibenhain mit und die Kräuterfrau von damals war es auch, die für die Rauhnachtsveranstaltung verantwortlich zeichnete. Mit ein paar Tagen Verzögerung war es am Samstag Abend schließlich soweit. Der große Seminarraum war geschmückt mit vielen Kerzen und bunten Tüchern, in der Mitte auf dem Boden hatte man einen kleinen Altar gestaltet. Da die Teilnehmer aus der schamanischen Ecke kamen, fanden sich auf dem Altar traditionell die 4 Himmelsrichtungen und die 4 Elemente. Was mir besonders ins Auge fiehl war die Schlange, die sich um den Norden wandt – sie schließt die Feste Samhain, Yule und Imbolc ein. Letzteres feiern mein Freund und ich auch mit vielen Bezügen zu Schlangen, die um diese Zeit erwachen.

Es duftete herrlich nach Räucherwerk und wie wir später erfuhren, waren es Alantwurzel, Beifuss und Fichtenharz, mit denen unsere Nasen begrüßt worden waren. Wir sassen alle im Kreis und nach einer kurzen Einleitung begann ein wahrhaftig zauberhafter Abend. Vom kleinen Mädchen bis zum älteren Herrn waren die Teilnehmer eine bunt gemischte, fröhliche Truppe. Ich hatte meinen Freund und meine (sehr aufgeregte) Mutter mitgebracht. Wir hörten Geschichten über Wotan und Frau Holle, und es ist einfach etwas anderes, eine Geschichte aus dem Mund eines echten Menschen zu hören, als durch Lautsprecherboxen. Der Blick verlor sich irgendwann in den Flammen der Kerzen und die durchs Feuer befreiten Pflanzengeister begannen um uns zu tanzen.

Im Anschluß an diese gemütliche Runde wurde jeder Teilnehmer von 2 der anwesenden Helferinnen von Kopf bis Fuss abgeräuchert. Die beiden Frauen nahmen sich viel Zeit für jeden einzelnen Teilnehmer und man fühlte sich regelrecht umsorgt, obwohl man sich nicht kannte. Als ich dran war, hielt sie die Räucherschale für einen Moment auf Brusthöhe, nachdem sie fast fertig war und ich konnte die glühende Kohle darin sehen. Ich sah durch den aufsteigenden Rauch in die Augen meines Gegenübers und hatte das Gefühl, meine Augen würden ebenso glühen wie die Kohle. Manche Momente bedürfen keiner Worte, sie sind wie eine stillschweigende Übereinkunft, ein Wissen, ein Erkennen. Für das abräuchern verwendeten sie Myrrhe, Styrax und Rosenblüten – eine wahnsinnig entspannende und wohltuende Mischung, die ich zu Hause gleich auch mal ausprobiert habe.

Gut gerüstet hieß es nun, auf in die dunkle Nacht. Wir zogen uns unsere Jacken und Mäntel über und wurden darauf aufmerksam gemacht, dass wir den Weg schweigend gehen sollten. Es galt, in die Nacht hinein zu horchen, auf Zeichen zu achten. Bevor wir den Wald betraten, baten wir alle sichtbaren und unsichtbaren Wesen um ihren Schutz. Niemand trug eine Fackel, wie ich zuerst angenommen hatte. Stattdessen gingen wir in völliger Dunkelheit durch den Wald. Das einzige Licht kam vom runden Mond hoch oben hinter den Wolkenschleiern. Der Weg war extrem schlammig und mir blieb nichts anderes übrig, als auf meine übrigen Sinne zu vertrauen. Jeder Schritt wurde zu einer bewußten Handlung. Ich hatte an einer Stelle das Gefühl, als stünde ein Ehepaar am Wegesrand, das freundlich grüßte, sehr seltsam 😉 An einer Wegkreuzung hielten wir schließlich an und bildeten einen Kreis.

Alle sollten die Augen schließen und nachspüren. Bevor ich meine schloß, zählte ich die Teilnehmer – wir waren genau 13…es schien auf einmal, als brannte in der Mitte ein Feuer, als würde ich mich bewegen, tanzen, aber ich stand still. Überall war das herabtropfen der Regentropfen zu hören, wie ein elfenhaftes Windspiel. Als die Leiterin der Gruppe uns leise wieder ins Hier & Jetzt zurückholte, sah ich durch die Äste hinauf zum Himmel und ich hatte das seltsame Gefühl, als fehlte mir ein Stück Zeit. Wir gingen weiter durch die Nacht und mussten auf dem Rückweg ein Stückchen Straße passieren. Mein Freund hatte eine Taschenlampe dabei und machte die Autofahrer auf unsere Gruppe aufmerksam, was ihm später den liebevollen Titel des „Leit-Stiers“ beibrachte, des männlichen Beschützers (ich muss mir das seitdem jeden Abend anhören…) und als wir später im Kreis von unseren Erlebnissen auf der Kreuzung berichteten, sagte einer der Teilnehmer, dass ihm besonders gefallen habe, wie alle, obwohl einander fremd, aufeinander aufgepaßt hatten.

Ich kann in diesem Blogeintrag unmöglich alles wiedergeben, was an diesem Abend geschehen ist, aber ich hoffe, ich konnte ein wenig von dem Zauber weitergeben. Das nächste Treffen zu Imbolc ist übrigens schon fest geplant 😉

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2 Gedanken zu “Nachtwanderung in die Anderswelt

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