Imbolc Rituale – Die Natur aufwecken

In diesem Jahr habe ich Imbolc nicht allein, sondern mit einer Gruppe wilder Schamanen gefeiert 😉 Warum wild? Das werdet ihr gleich erfahren. Wie schon in den Rauhnächten, machte ich mich abends gegen 19.30 Uhr auf in Richtung eines meiner Lieblingskraftplätze in ca. 7 km Entfernung. Es war sehr kalt, aber sternenklar. Dort angekommen, parkte ich meinen Wagen vor dem Pavillion (zum Glück keiner aus Zeltplane, sondern ein richtiges, beheiztes Holzhaus) und schnappte mir meinen Korb mit Lebensmitteln für´s spätere, gemeinsame Essen. Drinnen brannten Kerzen und in der Mitte des Raumes auf dem Boden war bereits ein kleiner Altar mit kleinen Glas-Teelichthaltern und Birkenzweigen aufgebaut. Ich begrüßte die Teilnehmer, die ich schon kannte und stellte mich denen vor, die mir noch fremd waren, bevor ich mir einen Stuhl nahm und ein bißchen mit der Organisatorin des Ganzen plauderte.

Eine der Anwesenden hatte ihre beiden Zwergspitze dabei und warnte uns alle, dass wir sie nicht streicheln sollen…ich und Hunde (egal welche Größe), das ist sowieso so ein Thema 😉 Ich liebe sie – sie hassen mich! Nach und nach trudelten alle ein und wir begannen mit einem Räucherritual zur Reinigung. Manche bevorzugten Salbei, doch die meisten, ich eingeschlossen, entschieden sich für Beifuss. Im Anschluß an das Räuchern hatten alle die Gelegenheit, bezugnehmend auf die Vorgänge draußen in der Natur, etwas persönliches zu erzählen. Mir viel beim Gedanken an den erneuten Frosteinfall eine Sache ein, die mir gezeigt hat, dass in meinem eigenen Leben erst wieder die Sonne scheint, wenn eine alte Rechnung beglichen wird. Genau das ist auch passiert, denn ich bekam einen unerwarteten Anruf, der mir nach anderthalb Jahren, in denen ich dachte, eine bestimmte Sache hinter mir gelassen zu haben, noch einmal die Möglichkeit gab, mich zu „rehabilitieren“. Jetzt, wo ich mit absoluter Sicherheit sagen kann „ich hatte Recht!“, ist der Weg frei, ist alles bereinigt und der Frühling, das Neue, kann kommen.

Es folgte eine geführte Meditation, eine Reise zum inneren Kind und auch zu unserem zukünftigen Alten Ich. Mein altes Ich erstaunte mich, denn sie war erfüllt von Güte und Zufriedenheit und sie schien mir schelmisch zuzunicken und sagte irgendwann „Du wolltest doch nichts bereuen 😉 “ Darüber denke ich noch immer nach. Es war wie ein Hinweis, dass ich mein Leben leben muss, wie ich es für richtig halte, auch wenn der Rest der Welt es anders sieht. Dann, auf dem Totenbett, möchte ich sagen können, ich habe alles getan, was ich tun wollte…die Meditation war für alle sehr ergreifend und ich mußte wirklich ein paar Tränen schlucken (vor anderen heulen geht für mich gar nicht). Jetzt ging es erst mal richtig los. Wir fuhren vom Pavillion aus gemeinsam einige Kilometer weiter ins Moor. Zuerst führte ein schmaler Pfad in den Wald, dem wir bis zu einer weiten, offenen Wiese folgten, auf der wir schließlich einen Kreis bildeten. G. zog einen Schutzkreis um alle, vermutlich mit Weihwasser (die heidnische Variante davon), dem plätschern nach zu urteilen. Es war dunkel, aber der aufgehende Mond und die Sterne tauchten die Wiese in ein geheimnisvolles, stilles Licht. Mit der Stille war es schnell vorüber. Nachdem wir den Geist des Ortes begrüßt und die Tiere gebeten hatten, sich nicht zu fürchten, sollten wir uns vorstellen, wie in der Mitte des Kreises, tief unten in der Erde, die Göttin ihren großen Kessel mit der Lebenssuppe rührt. Alle Ängste, Emotionen, negativen Gefühle, sollten wir in ihren Kesse geben, denn für sie ist alles Energie.

Für mich war sie die Cerridwen, wie sie im Druidcraft Tarot abgebildet ist. Wir bewegten uns im Kreis, stampften mit den Füßen auf, weckten die Erdgeister, die Schlangengötter, den Frühling. Cerridwen nahm alles auf. Wir wurden aufgefordert, mehr zu tun, als zu stampfen, zu schreien, zu spucken, zu fluchen und ehe ich mich versah, war ich Teil eines Sabbaths nach meinem Geschmack. Die Energie, die sich im Kreis aufbaute, war fast zu viel für jemanden, der alles in sich aufsaugt, wie ein Schwamm. Die kleinen Zwergspitze bellten und sprangen umher, die Nacht war erfüllt von einer alten Wildheit, wie sie die Kleriker im Mittelalter gefürchtet haben müssen. Die Leute streiften das Gewand der Anpassung ab und ließen die Maske der Täuschung fallen. Ich stelle mir vor, wie wir auf einen armen Förster gewirkt hätten, der ahnungslos vorbei gekommen wäre. Nach und nach beruhigten sich alle und fanden sich wieder ein, um noch eine Weile den Mond und die Sterne zu bewundern, bevor der Kreis aufgehoben wurde. Doch wir waren noch nicht fertig. Der Weg führte nun wieder durch ein Waldstück, bis wir zu einer Brücke kamen, die über eine morastige Sumpflandschaft führte. Wir hatten das eingangs erwähnte Moor erreicht. Dort erhielten jede/r von uns ein Stück Birkenrinde und ein Teelicht, welches wir anzündeten und vorsichtig aufs Wasser setzten.

Ich lag übrigens um ein Haar mit im Wasser, weil ich gestolpert bin und konnte mich gerade noch an der Brücke festhalten. Die Kerzen symbolisierten unsere Wünsche und Hoffnungen für das kommende Jahr. Oben auf der Brücke konnte man auf einer Seite in die Dunkelheit des Moors blicken. Von dort kamen seltsame Geräusche. Die andere Seite war vom Mondlicht hell beschienen und wirkte freundlicher. Die meisten entschieden sich für eine Seite, doch ich fühlte mich in der Mitte der Brücke am wohlsten. Wir bildeten wieder einen Kreis und summten leise als Dank für die Wesen, die hier residierten. Das Summen war wunderschön, und wir hielten uns dabei an den Händen. Man konnte das Vibrieren im Ganzen spüren, als seien wir ein großes, summendes Wesen.

Wieder zurück im Pavillion erzählten wir uns unsere Erlebnisse und ich war sehr traurig, weil es mittlerweile zu spät für mich war, um am Essen teilzunehmen. Mein Wochenende hatte nämlich erst begonnen und ich mußte am nächsten Morgen fit sein für mein Prüfungsvorbereitungsseminar mit den angehenden Kräuterpädagogen. Ich hoffe, ich konnte ein Wenig von dem Zauber dieser Nacht beschreiben, und freue mich, jetzt endlich die Zeit zu finden, von euren Imbolc Erlebnissen zu lesen.

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