Herbstliche Reise durch die Nacht

Während die Sonne langsam hinter dem Horizont versinkt, sitze ich an den Ufern des mächtigen Flusses in Siegfrieds Heimat und denke an das Rheingold, das vielleicht in seinen Tiefen begraben liegt. Die Hochwasser bedrohten die Menschen der alten Zeit stets und sie ergriffen drastische Massnahmen, um den mächtigen Rhenus zu besänftigen. Knochen, eingelassen in die Fundamente der Häuser, lassen Archäologen heute vermuten, dass man dem Fluss einst Menschen geopfert hat. Rheinufer Xanten

Es wird kühler und ich wärme meine Hände an einer Tasse Café mit Blick auf die kräuterreichen Wiesen und das Wasser. Langsam wird es Zeit, den Heimweg anzutreten. Vorbei am versunkenen Dorf, auf die Landstraße Richtung Heimat. Ich trage zwei Jacken übereinander und trotzdem pfeift der Fahrtwind so sehr, dass vor meinem inneren Auge ein heisses Bad auftaucht 😉 Aber das wird noch dauern, denn allzu schnell kann ich nicht fahren – auf diesen Landstrassen muss man stets mit Wildwechsel rechnen. Ich fahre durch ein Waldgebiet und sehe, wie die Wipfel der Bäume sich rabenschwarz vor dem blauen Sternenhimmel abheben. Ab und zu zweigen schmale Pfade von der Straße in den Wald ab. Man sieht nur wenige Meter weit, bevor die samtene Schwärze alles verschluckt. Ich widerstehe dem Wunsch, anzuhalten und diesen dunklen Pfaden hinein ins Herz der Wälder zu folgen.

HerbsternteEine kurvenreiche Strecke liegt jetzt vor mir, gesäumt von alten Friedhöfen und Kirchen, aber leider auch Rollsplit. Im Scheinwerferlicht vor mir tauchen Fledermäuse aus dem Nichts auf und ich hoffe, dass ihr Sonar funktioniert, denn sonst kleben sie mir am Helm Visier. Die kleinen Flugkünstler haben aber gar kein Problem mit mir und meinem Zweirad und weichen geschickt aus, jagen Insekten und verschwinden wieder in der Dunkelheit. Die Lichter der Stadt kommen langsam näher und meine Zähne klappern von der klammen Kälte. Endlich bei der Garage angekommen, habe ich das Gefühl, alle Gelenke sind steif gefroren, aber es ist geschafft.

Der Herbst ist da und mit ihm steigen die Nebel auf den Feldern hoch, werden die Tage langsam kürzer und flirren Spinnweben durch die Luft. Die Hersbttag- und Nachtgleiche liegt schon hinter uns und wir haben sie mit Feuer und Ernte gefeiert. Eicheln und Kastanien zieren mein Zuhause, die letzten Kräuter hängen zum trocknen in der Küche und auf meinen Streifzügen nehme ich jetzt öfters einen Regenschirm mit. Die Kraft der Pflanzen zieht sich in die Wurzeln zurück, die Samen sind reif und bald beginnt die Ahnenzeit. Nie ist das Licht so schön wie im Herbst, denn wir spüren, dass es uns bald verläßt…Herbstdeko

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