Landgeister

In manchen Nächten, wenn der Mond günstig steht und die Welten nah beieinander liegen, ist es möglich mit den Geistern des Ortes zu kommunizieren. Einst stand ein Baum vor unserem Haus, dessen weisse Blüten im Frühjahr das Auge ebenso erfreuten, wie seine roten Beeren im Herbst. Eines Tages wurde ich von lauten Geräuschen geweckt und dachte mir zuerst nichts dabei. Als ich später aufstand, und aus dem Fenster sah, da blickte ich ins Nichts. Wo sonst die Krone des Baumes emporragte, war jetzt nur Leere. Kein Vogelgezwitscher mehr in den Ästen, kein saftiges Blattgrün, nur am Boden war noch der abgesägte Stamm zu sehen. Der Baum war fort und mit ihm alles Leben, das ihn bewohnte hatte.

In einer der letzten Nächte lag ich lange wach und las mich durch viele Blogbeiträge über Animismus und die Geister des Ortes und urplötzlich konnte ich spüren, was in letzter Zeit in meinem Leben gefehlt hatte. Es waren die Dinge hinter dem augenscheinlichen. Ich legte das Smartphone beiseite und fragte in die Stille der Nacht hinein, ob die Genii Loci mich hören können. Das erste innere Bild war das der vor Monaten gefällten Eberesche, dann entzündete jemand draußen ein Feuerwerk. Es musste eine dieser Selbstschuss Kisten gewesen sein, aber für mich war es mehr als das und dieses Gefühl sollte sich bestätigen. Kein Schutz, keine Grenzen – stattdessen lud ich den Spirit ein, zu mir zu kommen, doch er nahm mich mit zu sich.

Über die Hecke, in die Anderswelt, die ganze Nacht lang, bis zum frühen Morgen. Ich habe viel lernen dürfen und Dinge erlebt, für die Worte in menschlicher Sprache nicht ausreichen. Man gönnte mir ab und zu Pausen, damit mein kleiner, menschlicher Geist das alles verarbeiten konnte. Leider ging mir der Großteil der Erinnerungen verloren, da ich keine Möglichkeit hatte, meine Erlebnisse am Morgen niederzuschreiben, dafür sorgte ein Anruf, der schlechte Nachrichten brachte.

Nachrichten überbringen – das war ebenfalls ein Stichwort. „Botschafter“ schoss mir durch den Kopf…lass nicht zu, dass du gewisse Anteile deiner Persönlichkeit verbergen musst, nur um zu gefallen. Das war so eine Sache in letzter Zeit, denn ich bekomme mehr und mehr Aufträge von offizieller Stelle und so manches mal hadere ich mit meinem Blog, mit meinen Anichten und wie man diese mit dem „Weltlichen“ in Einklang bringen soll. Wirkt das, was ich schreibe oder tue abschreckend? Warum buchen die mich – haben die was übersehen? 😉 Ich denke, solange ich nicht hingehe und versuche, andere von etwas zu überzeugen, dass sie selbst nicht sehen können oder wollen, kann ich mir das gleiche Recht zugestehen.

Ich denke auch, dass die „“offizielle Stelle“, die ich im Hinterkopf habe, sehr wohl ihre Hausaufgaben gemacht hat – außerdem hat sie mich live erlebt. Da war ein wenig Subtext in unserer gemeinsamen Planung 😉 ich mag es, intelligente Leute um mich zu haben, die vielleicht auf den ersten Blick nicht die herzlichsten und umgänglichsten Menschen sind, auf den zweiten aber dafür zuverlässig und tolerant. So mache ich also weiter mit einem Blog über Kräuterkunde, Hexenwerk und Animismus. Nach meinem letzten, nächtlichen Unterfangen wäre alles andere auch unmöglich 😉

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5 Gedanken zu “Landgeister

  1. Ja, mache weiter! Ich habe oft die gleichen Gedanken, aber eigentlich genieße ich es auch, anders zu sein und von anderen (eventuell!) schief angeguckt zu werden. Wenn man dieses vielleicht zunächst unangenehme Gefühl zulässt, merkt man, wieviel Wahrheit und Weisheit in einem steckt. Und natürlich Mut!

    • Absolut. Manchmal ist es auch, als entzündet man in anderen ein kleines Licht, das einst gelöscht worden war. Manche Leute kämen vielleicht mit bestimmten Themen nie in Berührung. Ich habe hier einige Leser, die eher zufällig über meinen Blog gestolpert sind oder jemand sagt mir, „das hätte ich nie von Ihnen gedacht!“ aber mit positiver Betonung. Man ist vielleicht nie wirklich fertig, was den Prozess des mutig seins betrifft. Man muss sich immer wieder aufs Neue hinaus in die Welt wagen 😉

  2. Wir Hexen sind alle „anders“ als andere. Welch ein Glück!😄geh z.B. mal nur in einen Buchladen und frag nach entsprechender Lektüre. Frau sieht praktisch, wie sich in „umherstehenden Gesichtern“ das buchstäbliche Grauen ausbreitet, hehe. Ja, nur Mut!

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