Das Wilde Heer & die Rauhnächte

Die Rauhnächte haben begonnen. Der kürzeste Tag und die längste Nacht des Jahres bilden astronomisch gesehen den Beginn der Zeit zwischen den Jahren. Ich kam abends spät nach Hause, als der Wind aufkam. Das Wilde Heer erhob sich… Vom Parkplatz bis zur Haustür waren es nur wenige Meter, doch als ich die Tür endlich erreicht hatte, war der Wind zu einem heulenden Tosen herangewachsen, in welchem sich Schatten zu bewegen schienen. Das Schloss klemmte. Mir stand jedes Haar auf den Armen zu Berge, während sich hinter mir in der Dunkelheit die Schatten verdichteten. Dreh dich nicht um…

Eine Nacht danach liege ich um Mitternacht wach und starre an die Decke. Zeit für einen Ausflug. Ich höre leise Musik über Kopfhörer und schließe die Augen. Es heisst, wir werden in der anderen Welt anders gesehen, als wir uns in dieser Welt sehen. Mein Gesicht ist schwarz und verändert sich, ich schüttele mich, als würde ich die Hülle abstreifen. Hinaus in die Nacht, jemanden besuchen. (Du musst dringend deinen Schutz verbessern…). Alles ist ruhig, kein Wildes Heer kreuzt meinen Weg. Ich hatte meine Chance am Abend zuvor. Aber ich kann ja nicht vor meiner Haustür zusammensacken – was sollen die Nachbarn denken?! 😉 Räucherschale

Die Rauhnächte sind wunderbar wild und magisch. Licht und Finsternis stehen im Mittelpunkt und wir können wählen, wie wir die Zeit verbringen möchten. Brennende Kerzen, duftendes Räucherwerk und die Frage nach den Ereignissen des kommenden Jahres begleiten uns. Heute wurde die Frage gestellt, wann denn nun die Rauhnächte beginnen und enden. In diesem Zusammenhang fällt mir ein guter Satz aus einem Podcast von Runesoup ein. Wir müssen wissen, dass wir geschichtliche Ereignisse im Kontext der geweiligen Epoche durch unsere heutige Linse sehen und oftmals missverstehen. Woher kommen denn die Rauhnächte? Sicher nicht aus der Zeit der festgelegten christlichen Feiertage. Sie entstammen einer Zeit, in der sich die Menschen an der Natur und den Gestirnen orientiert haben. Altar Jul

Ich freue mich auf lange Winterspaziergänge durch kahle Landschaften, wenn doch jede Knospe schon das Versprechen der Wiedergeburt in sich trägt. Wie in jedem Jahr werden wir unseren Schutz für Heim und Bewohner erneuern und den alten Fetisch dem Feuer übergeben. Eine Rauhnachtsveranstaltung wird es in diesem Jahr nicht geben und ich werde auch selbst keine besuchen. Ich brauche diese Zeit für mich und meine Familie. Wir igeln uns hier richtig ein, mit köstlichem Weihnachtsbraten, Wein und guter Musik, werden Filme gucken, auf jeden Fall viel räuchern und es uns einfach gut gehen lassen. Offiziell 😉 In diesem Sinne wünsche ich allen Lesern hier ruhige und entspannte Feiertage, Schutz und Licht, selbst in den dunkelsten Hexenherzen. Entdeckt die alten Bräuche, studiert die Immergrünen, lernt Misteln und Stechpalmen kennen oder orakelt das Wetter für´s kommende Jahr. Vergesst eure Ahnen nicht, bringt Kerzen zum Friedhof, denkt daran, dass die Stürme der Rauhnächte all jene mit sich reißen, die in diesem Jahr von uns gegangen sind. Ein wildes Heer der Seelen…und vielleicht fliegen eure Seelen durch den Kamin hinaus, um dem Treiben ein wenig beizuwohnen.

 

 

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6 Gedanken zu “Das Wilde Heer & die Rauhnächte

  1. Letztes Jahr hab ich am 21. mit den Rauhnächten angefangen, das fand ich verwirrend. Heute fang ich am 25. an. Passt auch zum Vollmond. Und so schön symmetrisch verteilt im alten und neuen Jahr. (Außerdem „darf“ ich dann länger putzen. 😀 )

    • Jaja, die Putzerei…ich hab heute große Reine gemacht, nur die Fenster sind noch fällig 😉 Würde am liebsten zwischen den Jahren gar nicht zum Lappen greifen, aber durch unsere Tiere ist das leider doch ziemlich oft nötig. Geniess weiterhin die magische Zwischenzeit!

  2. It seems like quite an experience! And the Rune soup podcast. Feeling the spirits of the place. Translator doesn’t translate Rauhnächte, could you explain its meaning?

    • Dear Antonio, the „Rauhnächte“ are the 12 nights between the years. Between means they are the gap between the sun and moon year if you follow the sun, moon and stars in your practise. The moon year is shorter than the sun year. These sacred nights start at winter solstice or – in case you follow our usual gregorian calender – at christmas eve. The Wild Hunt is believed to haunt the living during these nights with their army of spirits, demons, werewolfs, witches but also ancestors who died the very year. It is lead by Odin (Wotan depending on the area) or Frau Holle (Hel in older myhtology) and they must be given offerings to be appeased. There is a lot of beautiful and also frightening folklore around this time of year. We are right in the middle of the Rauhnächte 😉

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