Von sonnigen Tagen und sternenklaren Nächten

Manchmal frisst der Alltag einen auf. Mein Freund arbeitet wie ein Uhrwerk, ich selbst stehe immer unter Strom. Die Schreiberei ist wunderbar, aber sie kann nur Früchte tragen, wenn man sich nicht in ihr verliert und ab und zu auftaucht, Licht tankt. In meinem Fall das Licht von Sonne, Mond und Sternen. Wir haben das Wochenende damit zugebracht, die klare Januarluft zu nutzen und so viel Zeit wie möglich draussen zu verbringen. Eine liebe Freundin schrieb mir in einer email, sie fühle sich mehr wie ein Unkraut, als eine Topfpflanze und das kann ich sowas von bestätigen 😉 Unterwelt

Als es dunkel wurde, packten wir uns schön warm ein und machten uns auf den Weg zum Waldrand. Die gesamte Strecke beläuft sich auf etwa 5km, schon ein bisschen Fussweg für einen Spaziergang durch die Dunkelheit. Umso weiter wir uns von den Lichtern der Vorstadt entfernten, umso heller funkelten die Sterne am Firmament, jene Zeugen der Ewigkeit, die in stiller Geduld auf uns hernieder sehen und die Geschicke der Welt beeinflussen. Der Halbmond gesellte sich zu ihnen und tauchte die Wege in sein blasses, mystisches Licht. Der Gürtel des Orion ist mein Anker am Nachthimmel – habe ich ihn gefunden, kann ich mich orientieren und die übrigen Sternbilder leichter auffinden und bestimmen.

Auf einer Lichtung blieben wir stehen und lauschten hinein in die Stille der Nacht. Und dann tanzten wir…

Alte Rotbuchen knarrten und ächzten, Kiefern wogen sich sanft im Wind, aufgeschreckte Tauben flatterten und wir bestaunten die Schönheit der Nacht. Ich hätte so gern den Nachthimmel für euch eingefangen, aber meine Kamera ist dazu nicht in der Lage. Ich kann euch so einen Spaziergang in der Dunkelheit nur wärmstens empfehlen (natürlich nicht allein – leider ist die Welt kein sicherer Ort). Als wir zurück waren, wärmten wir unsere Glieder mit heißem Holunderblütentee auf und machten es uns bei einem Hörbuch auf dem Bett gemütlich – inmitten von Decken und Kissen, wie in einer Höhle 🙂 Winterfutter

Der Morgen kam und mit ihm der Schnee. Wie feiner Puderzucker lag er auf Wiesen und Dächern und glitzerte im Licht der Morgensonne. Gleich nach dem Frühstück hielt uns nichts mehr drinnen und wir liefen dieselbe Strecke wie abends noch einmal. Der Frost hatte die Pflanzen eingehüllt und sie erschienen wie gläserne Wächter am Wegesrand. Niemals möchte ich diese Fähigkeit, die Dinge wahrzunehmen, verlieren. Wir hatten Nüsse geknackt und Apfel geviertelt, Gaben für die Geister, Futter für die Tiere. Wir legten sie ab bei den alten Buchen und einiges davon ins das fest installierte Vogelhäuschen. Schnee knirschte unter unseren Füssen, ein paar Tränen wollten fortgeblinzelt werden, denn der Wind war kalt und trieb sie uns in die Augen.  Neukirchener Kanal

Am Nachmittag gab es heissen Kakao mit Nusskuchen, den mein Hobbykoch/bäcker gezaubert hatte und der Rest des Sonntags verlief ruhig und in Erinnerung an all die schönen Momente, die das Wochenende uns geschenkt hatte. Wenn ich eines weiss, dann dass wir uns die schönen Momente herauskerben müssen aus dem harten Holz der Zeit – und zwar, bevor es zu Stein erstarrt 😉

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