Von funkelnden Sternen & dunklen Wäldern

Kurz vor dem letzten Neumond machte ich mich auf in den nahe gelegenen Stadtpark. Ich stand dort am Ufer des kleinen Moersbachs und sah durch die Äste der alten Kopfweiden hindurch gen Himmel. Das Sternbild Orion war deutlich zu sehen, umringt von einzelnen, kleinen Schäfchenwolken, die sich vom samtschwarzen Nachthimmel abhoben. Um den Sternenhimmel besser beobachten zu können, lief ich Richtung Rodelberg, begleitet vom leisen Ruf eines Käuzchens. Dort oben, ganz allein in der Dunkelheit, fühlte sich alles ein wenig echter an, als sonst. Echt nach meiner eigenen Definition hat nur wenig mit rational zu tun 😉 Hier zu stehen und die Sterne zu beobachten, war wie Frieden in sich selbst zu finden. Es war nicht das bloße erstellen und deuten eines mathematisch anmutenden Radix, sondern eine tiefe Verbindung mit all jenen, die in der Vergangenheit die Sterne gedeutet haben und denen wir unser heutiges Wissen darüber verdanken. frost

Ich dachte nach über die ältesten Mythen von Sternengöttern, von den Ägyptern und Babylonieren bis zu Germanen mit ihrem Himmelsgott Tyr, (dem Nordstern) mit ihren 12 Götterpalästen, welche den 12 Häusern in der Astrologie so ähnlich sind und der germanischen Bezeichnung für den Gürtel des Orion „Freyas Rockn“. Ich dachte an die Bauten der Megalithkulturen und ihre Funktion, an die nahende Wintersonnenwende und an die gemeinsamen Ursprünge der Zivilisation. Der Neumond im Schützen war für mich mit sehr intensiven Gefühlen verbunden, vielleicht auch aus dem Grund, dass mein IC im Schützen liegt. Der IC im Horoskop bildet die Basis unseres Handelns und Strebens, ihm gegenüber liegt das MC, unsere Lebensausfgabe, die zugleich eine Herausforderung darstellt.

Ein IC im Schützen bedeutet, dass meine persönliche Grundlage der Glaube ist. Die Beschäftigung mit religiösen Themen und Philosophie, und ebenso ein immenser Wissensdurst. Vielleicht war es vorherbestimmt, dass meine Ausbildung zur Buchhändlerin ausgerechnet in einer Theologischen Fachbuchhandlung stattfinden sollte. Doch Fragen führen zu weiteren Fragen, Wissen führt zu noch mehr Wissen und irgendwann braucht der Geist etwas Ruhe. Meditation ist ein wichtiger Bestandteil meines Lebens geworden – nichts ist entspannender (und oftmals hilfreicher!), als meinen stets regen und plappernden Geist zur Ruhe zu betten 😉 kamper-wald-1

Am nächsten Morgen tauschte ich den Sternenhimmel gegen den lichtdurchfluteten Kamper Wald mit seinen verwunschen Pfaden und besonderen Energien. Hier sammelte ich einige Pilze, um mich tiefer mit der Materie und deren Bestimmung zu beschäftigen. Neben Pilzen wanderten auch Kiefernnadeln in den Sammelkorb, aus denen wir später einen köstlichen Wintertee mitten im Wald kochten. So hielt man die Kälte gut aus! Kiefernnadeln entfalten ein feines, zitroniges Aroma und so mitten im Wald gesammelt und genossen, war es eine echte Verbindung mit dem Land. Wir tranken den Wald und mit ihm den Genius Loci, den Geist des Ortes (ich sagte doch, IC Schütze, haha). Ein Tee aus Kiefernnadeln wirkt antibakteriell, schweißtreibend, erfrischend und enthält wertvolles Vitamin C. Alles Eigenschaften, die einen wunderbaren Erkältungstee ausmachen.

Jetzt sitze ich also hier, blicke zurück auf die vergangene Woche und bin voller Vorfreude auf das nahende Wochenende, wo wir schon den nächsten Berg für´s Sterne beobachten auserkoren haben 🙂 Einsame Bergspitzen, tiefe, dunkle Wälder, Orte, an denen man Geistern begegnen kann. Wie viele „naturspirituelle“ Leute habe ich kennen gelernt, die ihre Armada von Utensilien ausbreiten und Wesenheiten anrufen, über die sie in der neuesten Ausgabe ihres esoterischen Lieblingsverlags gelesen hatten. Anstatt ganz behutsam mit jenen in Kontakt zu treten, die da sind 😉 Für mich war das stets so unsinnig, wie die Vorstellung, ein Naturwesen im heimischen Wohnzimmer zu beschwören. Ich bin jetzt wieder woowoo und ein bißchen mutig – die Welt der Geister überlappt die unsere, die physische. Ihr findet sie IN DER NATUR! An menschenverlassenen Orten. Und nicht alle sind gut auf uns zu sprechen. Manche erfreuen sich aufs allerhöchste an einem unvorsichtigen Menschlein, das stolpert und sich die Knie blutig schlägt, dem roten Lebenssaft, der reichlich ins Erdreich sickert. Aber kaum jemand will diese Geister treffen 😉 kamper-wald-3

Ihr Kräuterweiber und Wurzelsepps da draußen, für euch war dieser Beitrag. Vielleicht fühlt ihr etwas tief in euch, das euch den Weg gewiesen hat. Vergeßt über die Inhaltsstoffe und Anwendungsmöglichkeiten von Pflanzen nicht ihren eigentlichen Zauber. Sammelt Heilkräuter unter den Augen der Sonne und Giftpflanzen in einer mondlosen Nacht. Erinnert euch an das Sternenlicht, das in euren Augen funkelt, die ältesten Lehrer! Um es mit den Worten eines meiner letzten Instagram Posts zu sagen: Iss und trink den Wald. Irgendwann wachsen Wurzeln aus deinen Füßen und Blätter aus deinem Mund. Vergiss deinen Namen, verlier den Verstand – lass dich „begeistern“!

 

 

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3 Gedanken zu “Von funkelnden Sternen & dunklen Wäldern

  1. Der letzte Satz wäre jetzt fast ein Grund, mich auf Instragramm umzusehen. Andererseits gibt es schon genügend Netzausläufer und alles weitere würde vom analaogen Leben abgehen.

    Gute Nacht und ein schönes Wochenende,

    Rabin

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