Wunderbare Welt der Pilze

Immer, wenn ich Pilze für den Eigenbedarf sammle, ernte ich Blicke aus weit aufgerissenen Augen und muss mir lustige Sprüche anhören 😉 In unseren Breiten herrscht eine wahre „Pilz-Phobie“ vor, die von Kind an genährt wird. Pilze sind gefährlich, giftig, tödlich! Hände weg, nur wahre Kenner können Pilze bestimmen und sammeln! Zugegeben, genau wie auch beim bestimmen von Kräutern muss man aufpassen, keine giftigen Exemplare mit essbaren zu verwechseln, aber dennoch geniessen die Wildkräuter einen viel besseren Ruf als ihre unterirdischen Nachbarn, die Pilze. Ja, sie sind wahre Bewohner der Unterwelt, mit ihren Mykälien, die sich in den Tiefen der Erde entlangziehen und ausbreiten, gitterartige Gewebe hinterlassen, auf die man manchmal im Wald stößt und die von den meisten Menschen mit verrottetem Laub verwechselt werden.

Echter Zunderschwamm Volksheilkundliche Anwendung als Mittel zur Blutungsstillung, seit der Steinzeit Verwendung zum Feuer machen, Alternative zu Räucherkohle

Echter Zunderschwamm
Volksheilkundliche Anwendung als Mittel zur Blutungsstillung, seit der Steinzeit Verwendung zum Feuer machen, Alternative zu Räucherkohle

Es gibt nur relativ wenige tödlich giftige Arten, die meisten giftigen Pilze bescheren einem Menschen mit normaler physischer Konstitution eher Übelkeit und Durchfall (oder, falls gewünscht, Halluzinationen, haha). Die tödlich giftigen haben die gemeine Angewohnheit, einigen beliebten Speisepilzen, wie dem Champignon, verdammt ähnlich zu sehen, so etwa der hochgiftige Knollenblätterpilz. Ein weit verbreiteter Irrtum zum Fliegenpilz ist, dass er ebenfalls tödlich giftig sei. Falsch, Fliegenpilze sind essbar, sie haben allerdings eine halluzinogene Wirkung und sind in den schamanischen Kulturen, z.B. Sibiriens gut bekannt.

Judasohr Speisepilz, kommt häufig auf Totholz vor, gern von Holunder

Judasohr
Speisepilz, kommt häufig auf Totholz vor, gern von Holunder

Was wir als Pilz bezeichnen, ist lediglich der oberirdische Fruchtkörper der Pilze, welcher zur Verbreitung der Sporen gebildet wird. Dreht man einen solchen Fruchtkörper heraus oder entfernt ihn von Totholz, kann man die hellen Pilzfäden, die Mykelien, deutlich erkennen. Diese feinen Fäden gehen teilweise Symbiosen mit den Wurzeln bestimmter, von der jeweiligen Art bevorzugter Bäume ein. Der Pilz verwächst mit den feinen Wurzelhärchen und liefert dem Baum wertvollen Stickstoff, während der Baum den Pilz im Gegenzug an seinen Zuckerreserven teilhaben läßt. So entsteht ein dichtes Geflecht, welches an das Nervensystem des menschlichen Körpers erinnert. Mehr und mehr wird in dieser Richtung geforscht – so ist die Vorstellung, dass mithilfe der Pilze die Bäume eine Art „Frühwarnsystem“ erschaffen haben, dass z.B. bei einem parasitären Befall die andere Bäume warnt, so dass diese rechtzeitig bestimmte Stoffe in der Rinde bilden können, um die Eindringlinge abzuwehren, keine reine Fiktion mehr.

Schmetterlings Tamete Volksheilkundliche Anwendung gegen Entzündungen, antibakteriell, antiviral, Einsatz in der Krebsbekämpfung

Schmetterlings Tamete
Volksheilkundliche Anwendung gegen Entzündungen, antibakteriell, antiviral, Einsatz in der Krebsbekämpfung

Pilze sind in besonderem Maße an der Zersetzung von Totholz beteiligt, was sie zu wichtigen Vertretern im Ökosystem macht. Wie immer, wenn die Natur aus dem Gleichgewicht gerät, ist auch ein starker Pilzbefall nicht gesund – weder bei Menschen, Tieren, oder Pflanzen. Andersherum entsteht ein solcher Befall meist erst, wenn es sich bereits um einen kranken Baum oder ein angeschlagenes Immunsystem handelt. Wenn ihr Lust habt, die Welt der Pilze selbst zu erkunden, empfehle ich euch zuerst die Tour mit einem erfahrenen Pilzkenner, ein gutes Bestimmungsbuch und viel Zeit 😉 Die Suche nach Pilzen und ihre Untersuchung läßt einen nämlich jegliches Zeitgefühl vergessen…

Parfum nach antikem Vorbild

Parfum Zutaten

Ein Parfum kann vieles sein, angefangen von einer reinen Wohltat für die Nase, bis hin zu einem subtilen magischen Werkzeug. Letzteres befindet sich gerade in einem Glas in der Küche und zieht gut durch. Im antiken Griechenland war der Trägerstoff für Parfums meist Olivenöl, während wir heute Alkohol benutzen. Der Aphrodite geweiht, hatten Düfte auch die Aufgabe, die Gläubigen in den Tempeln bei ihren Gebeten und Zeremonien zu unterstützen. Wir können uns heute wohl kaum vorstellen, welche angenehmen und unangenehmen Düfte die antike Welt einst beherrschten, von Schweiß und Fäkalien bis zu berauschenden Kompositionen, die den Geist in Ekstase versetzten.

Mir kam gestern beim räuchern von Copal, Anissamen und Rosenblüten die Idee, den Anweisungen aus einem Workshop zu folgen, dessen Leiterin sich intensiv mit dem Thema Parfums in der Antike auseinandergesetzt hat. Wer Interesse hat, der Workshop war in englischer Sprache:  http://blogs.getty.edu/iris/the-scent-of-love-ancient-perfumes/

 

Ich habe mich für Mandelkern süß als Trägeröl entschieden, denn es besitzt nur einen schwachen Eigengeruch. Die Basisnote ist Mhyrre, sowie ein Stückchen Kalmuswurzel. Darauf sitzt der süsslich vanillige Duft von Styrax und abgerundet wird die Komposition von Rosenblüten. Diese Mischung wird in ein Glas-oder Keramikgefäß gegeben. Man bringt jetzt Wasser in einem Topf zum kochen und nimmt den Topf dann von der Platte (alternativ nimmt man einfach den guten alten Wasserkocher). Das Glas mit dem Mazerat wird nun in das Wasserbad gestellt, was bewirkt, dass durch die Hitze die Duftstoffe gelöst und ins Öl abgegeben werden. Das Ganze muss nun mindestens 24 Stunden durchziehen und wird anschließend gut gefiltert und in einen schönen Flakon gegeben.

Das Parfum ist schwächer als ein modernes,auf Alkoholbasis angesetztes Parfum. Man muss näher an die Person herantreten, um es überhaupt wahrzunehmen, während man bei manchen Ladies im örtlichen Douglas den Eindruck hat, sie möchten ihre Mitmenschen einfach nur ersticken 😉 Wenn man die Sorte Parfum wie oben beschrieben auf die Stellen am Körper aufträgt, wo die Haut sehr dünn ist und die Blutbahnen dicht darunter laufen, wird der Duft dezent an die Umwelt abgegeben. Nur, wer direkt neben dir steht oder dich bei der Begrüßung freundschaftlich umarmt, wird es wahrnehmen.

Ein Parfum, welches für einen bestimmten Zweck mit sorgfältig ausgewählten Zutaten hergestellt und vielleicht noch rituell geweiht wird, wirkt sehr subtil. Die Person, der dieser Zauber gilt, wird vielleicht bewusst feststellen, dass die Trägerin angenehm duftet, aber unterbewusst wird einiges mehr ausgelöst. Natürlich kann man auch experimentieren und beobachten, wie solch ein Duft auf verschiedene Menschen wirkt und daraus seine Schlüsse ziehen. Die Welt der Düfte ist eine faszinierende Welt voller Sinnlichkeit und wir sollten die Wirkung auf Körper und Geist  nicht unterschätzen. Alles, was Düfte an positiver Heilkraft, wie beispielsweise in der Aromatherapie mit sich bringen, vermögen sie auch in entgegengesetzter Weise zu tun. Wer das Buch „Das Parfum“ von Patrick Süskind gelesen hat oder den Film kennt, kann sicher nachvollziehen, was gemeint ist, wobei die Arbeit, die Grenouille tut der einer Hexe wie Medea oder Circe in nichts nachsteht…

Die Signaturenlehre

Die Signaturenlehre ist die Zeichensprache der Natur. Auch der Kosmos mit seinen vielen Himmelskörpern und dadurch bedingt die Astrologie, werden in der Signaturenlehre mit einbezogen. Wie oben, so unten ist ein Leitsatz für diese ganzheitliche Sicht auf die Welt. Mikrokosmos und Makrokosmos fließen harmonisch ineinander. In der Praxis kann dies z.B. bedeuten,dass man Heilpflanzen einem bestimmten Organ zuordnet. Besonders die Astromedizin mit dem Abbild des sog. Astromenschen bedient sich dieser Herangehensweise. Form, Farbe, Geruch, Standort und andere Eigenschaften der Pflanzen werden ins Verhältnis gesetzt mit typischen Krankheitsbildern oder Körperteilen. So sagt man der Walnuss aufgrund ihrer Form eine heilende Wirkung auf den Kopf (Gehirn) nach oder der Bohne eine heilende Wirkung auf die Niere. Die eng an der Sprossachse entlang wachsenden Blätter des Beinwells sind ein Hinweis auf seine zusammen haltenden Eigenschaften und der Beinwell (Gebein/wallen=zusammenwachsen) gilt in der Volksheilkunde bis heute als wertvolle Heilpflanze bei Knochenbrüchen, Der gelbe Saft des Schöllkrautes gilt als Indiz für ein Lebermittel und man kann die Liste schier endlos fortsetzen.

Wissenschaftlich erwiesen ist die Signaturenlehre nicht, denn bei manchen Heilpflanzen kann man trotz der Ähnlichkeiten keine Wirkung nachweisen. Die Signaturenlehre an sich ist jedoch eine faszinierende Möglichkeit, Pflanzen einmal aus einem völlig anderen Blickwinkel zu betrachten. Bei einem Spaziergang in der Natur kann man die Wahrnehmung auf all die kleinen Pflänzchen und bunten Farbtupfer richten, die bereits jetzt vom Übergang des Winters zum Frühling sichtbar sind. Wer sich auf die Signaturenlehre einläßt, der taucht ein in eine andere Welt und sieht diese auch aus einem neuen Blickwinkel. Gerade weil hier kaum wissenschaftlich nachweisbaren Ergebnisse vorliegen, kommt es meiner ganz persönlichen Meinung nach sehr auf die jeweilige Person an, welche diese Lehre nutzt und die Signaturen interpretiert. Da kommen wir schnell in Bereiche wie das Tarot, wo es immer die weissen und die schwarzen Schafe gibt 😉

Wer nach einem tieferen Zugang zur Natur sucht und bisher nicht so recht wusste, wie er anfangen sollte, der ist gut beraten, jetzt im Frühling zu starten und intuitiv und mithilfe der Signaturenlehre und einem guten Pflanzenbestimmungsbuch bewaffnet erste Schritte zu machen. Ich weiß aus eigener Erfahrung, wie sich die Wahrnehmung verändert, wenn man plötzlich nicht mehr nur „grün“ rechts und links sieht, sondern die Vielfalt entdeckt, die einem zuvor gar nicht aufgefallen ist. Ich freue mich immer sehr, wenn ich das auch von anderen Menschen höre, mit denen ich Streifzüge durch Wald und Wiesen unternommen habe. Calcit2

Wer mehr zum Thema lesen möchte, der sollte was die Signaturenlehre angeht, ruhig in den alten Schriften von Paracelsus oder Giambattista della Porta suchen, denn diese umgibt noch ein ganz eigener Zauber. In meinen Kräuterführungen hat die Signaturenlehre einen festen Platz. Um niemanden zu überfordern, gebe ich immer eine kleine Einführung zum Thema und beschränke mich auf die Planetenkräfte in den Pflanzen. In zwei Stunden kann man schlecht jemanden zum Astrologen ausbilden 😉 Die Astrologie selbst ist so weitläufig und komplex und für viele Menschen auch „weit weg“. Vielleicht liegt das auch daran, dass wir hier in Europa immer nur auf Babylon, Griechenland und Ägypten schielen, wenn wir von der einstigen Verbundenheit zwischen Astrologie UND Astronomie sprechen. Der Bezug zu unseren eigenen Sternensagen ist nur mit ein wenig Mühe auffindbar. Calcit1

Wieder liefert die Edda Sammlung Hinweise zu den Sternensagen der nordisch-gemanischen Mythologie. Hier können wir etwas über die Vorstellung der Entstehung des Firmaments aus der Schädelplatte des Riesen Ymirs lesen, erfahren, wie aus den Augen des Adlers Tjatse ein Sternbild wurde oder aus Aurvandils eingefrorenem Zeh. Leider ist nicht immer überliefert, um welche Sternkonstellation es sich handelt, bei der in Sachsen gefundenen Himmelsscheibe von Nebra gilt allerdings als gesichert, dass es sich hier um die Plejaden handelt! Ein Volk von Seefahren wie das der Vikinger muss über astronomische Kenntnisse verfügt haben, allein um navigieren zu können! Endlich haben Forscher nun auch den berühmten Sonnenstein gefunden, mit dem es den Vikingern möglich gewesen ist, auch bei bewölktem Himmel den Stand der Sonne zu ermitteln. Und ich kann euch versichern, es funktioniert!

Bei dem Stein handelt es sich um Calcit, auch Doppelspat genannt. Doppelspat deshalb, weil er das Licht so bricht, dass man doppelt sieht, wenn man ihn vor ein Objekt hält. Mit ein bisschen Übung kann man bei bewölktem Himmel tatsächlich die Sonne finden, und zwar, indem man den Stein so lange dreht und ausrichtet, bis eben nur noch EIN gebündelter Strahl zu sehen ist. Nur als kleine Zusatzinfo: Auch Mineralien tragen eine kosmische Signatur. Der leider 2014 verstorbene Michael Gienger hat auf dem Gebiet der Heilsteine viel Wissen zusammen getragen, zuletzt besonders die Kristallstrukturen betreffend. An dieser Stelle bleibt es euch überlassen, wie tief ihr in die Signaturenlehre eintauchen wollt. Mein Favorit ist sie aus einem ganz einfachen Grund – sie läßt die Wildnis wild bleiben und macht aus uns Menschen neugierige Beobachter. Sie verbindet Theorie und Praxis und viele fantastische Einzeldisziplinen.