Flugsalben

Wer hat nicht schon von den geheimnisvollen Flugsalben gehört, mit deren Hilfe die Hexen zum Blocksberg fliegen konnten, um ihre verbotenen Rituale abzuhalten? Es ist noch nicht 100%ig geklärt, ob diese Salben wirklich von damaligen Hexen benutzt worden sind, wobei man in alten Grimoires des öfteren auf das ein oder andere Rezept stößt, so z.B. in Giambattista della Porta´s im Jahre 1558 erschienen Werk „Natürliche Magie“.

Doch die Belege für die Nutzung von Flugsalben gehen weit zurück in die vorschristliche Zeit und findet sich in antiken römischen und griechischen Schriften wie etwas bei Homer 800 vor Christus und Lucius Apoleius 160 vor Christus. Und noch weiter zurück, ca. 10.000 Tausend Jahre …Reste von Atropa Belladonna, Bilsenkraut und Wermut fanden sich an alten Kultplätzen vorwiegend in Form von Samen, so dass die Vermutung nahe liegt, dass bereits im Neolithzeitalter die Wirkung dieser psychoaktiven Pflanzen bekannt war, auch wenn man nicht nachweisen kann, dass diese in Salben Verwendung fanden.

Man warf später den Hexen des Mittelalters vor, sie würden Kräuter im Fett getöteter Kinder ansetzen, doch genutzt wurde mit größerer Wahrscheinlichkeit Tierfett von Schweinen und Bienenwachs.

Die Kräuter der Hexen

Die meisten Flugsalben enthalten Kräuter aus der Familie der Nachtschattengewächse, wie Atropa Belladonna, Stechapfel, Bilsenkraut und Mandragora. Nachtschattengewächse enthalten die Tropan-Alkaloide Atropin, Hyoszynamin und Scopolamin und können oral angewandt u.a. zu Erblindung und Herzstillstand führen. Die äußere Anwendung, z.B. als Salbe, ist weniger gefährlich und stellt den Aspekt des Halluzinogens in den Vordergrund.

Moderne Flugsalben

In Esoterikshops findet man öfter mal eine Flugsalbe, die aber mit der echten rein gar nichts zu tun hat. Die traditionellen Giftpflanzen fehlen natürlich völlig, weil diese zumeist verschreibungspflichtig sind und oftmals allein der Besitz strafbar ist (geschweige denn jemand die Verantwortung für die Anwendung übernehmen würde).

Eine echte Flugsalbe kann hingegen ein Schlüssel zu den Toren der Anderswelt sein und die Barrieren unserer Wahrnehmung aufheben. Nicht umsonst spricht man von bewußtseinserweiternden und psychoaktiven Pflanzen. Die Gefahr der Flucht aus der Wirklichkeit (welcher?) ist definitiv gegeben und die Risiken im Umgang mit Giftpflanzen liegen auf der Hand. Und dennoch – durch die Jahrtausende hindurch fanden diese Pflanzen Verwendung in Magie und Ritual und somit sind sie ein Teil der Geschichte der Hexen…

Die Anderswelt in der Mythologie

Die Hagazussa=Hexensitzerin war in der Vorstellung der frühen Kulturen Alt Europas ein Wesen, halb Mensch, halb Dämon, das auf der Hecke zwischen der diesseitigen und der jenseitigen Welt saß. Die Hecke widerum trennte die zivilisierte Welt der ersten seßhaft gewordenen Menschen vom dunklen Wald mit all seinen Gefahren, wie wilden Tieren und schaurigen Geistern. Auch heute noch steht der Wald in Verbindung zum Unterbewußtsein und ist auch für moderne Menschen oftmals mit Unwohlsein/Gefahr etc. verbunden.

Wie die meisten wissen, wurde der Hexenbegriff höchstwahrscheinlich vom Wort Hagazussa abgeleitet. Der Begriff der Heckensitzerin und ihre Fähigkeit in die jenseitige Welt (Jenseits!) zu reisen führt uns nun zum Jenseits-Begriff als solchem. Jenseits, Zwielicht und Anderswelt sind im Grunde Begriffe, die je nach Religion/Weltanschauung eine Welt beschreiben, die wir nur durch bestimmte Techniken bereisen können.

Ich glaube, dass die Anderswelt Teil unserer Welt ist und wir durch Bewußtseinserweiterung in der Lage sind, sie zu sehen, hören, fühlen, etc. Sie ist Heimat unseres Unterbewußtseins und Heimat der Götter & Naturwesen und Ahnen, der Ort, von dem aus das Wissen in die Welt gelangt, das die Hexe von ihren Reisen mit in unsere Welt bringt. Sie durchwebt unsere Welt, doch wir sind ihrer nicht immer gewahr, denn unser menschliches Gehirn filtert aus, was für uns nicht relevant ist oder was sich schlichtweg unserer Aufmerksamkeit entzieht.