Warum Kessel & Kerze?

Hallo ihr Lieben, ich hoffe, euch geht es gut! Ich weiss…ich habe lange nichts von mir hören lassen…wo war ich also in der Zwischenzeit? Na hier, am Niederrhein 😉 Beschäftigt mit kleinen Naturforschern und Kräuterwanderungen, Baumbegegnungen und Tierspurdetektiven 🙂 Aber natürlich ist das nicht der einzige Grund für die lange Abwesenheit im Blog, denn auch mein Privatleben hat einige Veränderungen erfahren. So habe ich zwischenzeitlich geheiratet und trage seit einigen Monaten einen kleinen Kräuterkrümel im Bauch herum 😉 Manche Outdoor Aktivität muss ich nun etwas einschränken, während mein Fokus wieder mehr auf der Erwachsenenbildung und zukünftig auch wieder auf Online Beratungen liegen wird. Ab August werde ich eine Pause bis zum kommenden Frühjahr einlegen und mich in dieser Zeit ganz der neuen Aufgabe widmen, Mutter zu sein (puh, wischt Schweißperlen von der Stirn!)

Heilstein Trio für Darm, Leber & Nieren: Smaragd, Serpentin & Prehnit

Um wieder hier im Blog anzuknüpfen, dachte ich, ich erzähle euch einfach, wieso meine Seite überhaupt Kessel & Kerze heißt. Da ist ja nix mit Kräutern drin (ha! aber…) Wer hier länger mitliest, der weiss, dass ich neben meiner Arbeit als Kräuterpädagogin auch Themen wie Astrologie und Heilsteine mit einbinde. Die Astromedizin hat es mir auch angetan, aber im Titel versteckt sich eigentlich ein uraltes, magisch-mystisches System, welches jahrtausendelang all diese wundervollen Einzeldisziplinen miteinander verknüpft hat – die Alchemie! Im Kessel der Verwandlung werden die Dinge durch Erhitzen (z.B. Kerzen-Flamme) getrennt, vermischt und neu zusammen gesetzt. Alchemie ist Männersache – so höre ich es oft von Teilnehmerinnen meiner Kräuterführungen. Das stimmt nicht so ganz – die erste Alchemistin soll eine Frau gewesen sein. Ihr Name war Maria und sie wirkte im alten Ägypten.

Der pflanzliche Teilbereich der Alchemie nennt sich Spagyrik (nach Paracelsus) und eine Besonderheit der spagyrischen Mittel ist die Anfertigung nach astrologisch berechneten Gesichtspunkten, sowie die Herstellung und Zugabe von pflanzlichen Kristallen, welche man durch den Kalzinationsprozess gewinnt. Diese stehen für das stofflich-körperbetonte Prinzip in der Alchemie und fehlen in den meisten herkömmlichen Präparaten. Spagyrische Medizin heilt auf allen Ebenen, der körperlichen, der geistigen und der seelischen Ebene. Die Alchemisten reden dann neben dem Sal noch vom Merkur und Sulfur. Neben der Arbeit im Labor (oder der eigens dazu umfunktionierten Küche) ist den Alchemisten aber vor allem der innere Prozess der Verwandlung wichtig. Außenstehende mögen denken, die Alchemisten wollten nur Blei in Gold verwandeln oder suchten ständig den Stein der Weisen (ich suche meine Heilsteine öfters, aber das liegt daran, dass meine Stubentiger sie so gern unters Bett kicken). Doch im Grunde ist die Alchemie ein Weg zur Selbsterkenntnis und Heilung. Und die meisten Kräuterbegeisterten, die ich kenne, sind selbst den Weg der inneren Heilung und Verwandlung gegangen, bevor sie sich entschieden haben, andere an ihrer Begeisterung teilhaben zu lassen.

Orte in der Natur sind oft schon heilsam, wenn man bloß still an ihnen verweilt

Jetzt wisst ihr also, warum es hier im Blog so still war. Wenn ich euch mit dieser kleinen Einführung neugierig gemacht habe, könnt ihr mir gern eure Fragen in die Kommentare schreiben. Und wenn ihr Interesse an mehr Information habt, schreibt mir, wie ihr euch einen Kurs oder eine Einzelberatung vorstellen würdet. Vielleicht wäre ein ebook auch eine Option? Ich wünsche euch einen herrlich grünen, sonnigen und nach Blüten duftenden Mai! Bis bald!

Die Reise in die inneren Welten

In meinem Teil der Welt haben die Herbststürme das farbenprächtige Laub von den Bäumen geweht und der Regen webt Schleier aus feinen Tröpfchen. Schleier sind das Thema im November, wenn das Zeichen Skorpion herrscht und dessen Giftstachel die Sonne lähmt, so dass sie nicht mehr die Kraft hat, hoch über dem Horizont aufzusteigen. Wir sprechen dann davon, dass die Schleier zwischen den Welten dünner werden. Am 23. November trat die Sonne in das Tierkreiszeichen Schütze ein. Alles Leben in der Pflanzenwelt hat sich in die Erde zurück gezogen und träumt mit den Steinen. 

Die Schütze Zeit ist die Zeit der größten Dunkelheit und der größten Sehnsucht nach dem Licht. Tief unten in der Erde ruht das Leben und träumt von seiner Wiedergeburt. Wir können Kerzen anzünden, uns Geschichten vorlesen und mit Kräutertees und Heilsteinen in unseren inneren Welten zurück ziehen. Alte Mythen wie die des germanischen Lichtgottes Baldur und der griechischen Persephone lehren uns die Notwendigkeit einer Reise in die Unterwelt. Alles Leben verläuft in Zyklen und unser nächster Zyklus ist die Winterzeit mit ihrer Stille und Kälte.

Die Immergrünen Pflanzen sind es jetzt, die uns daran erinnern, dass das Leben nie ganz erlischt. Kiefern und Fichten als ätherische Öle in Badewasser und Duftlampe oder als köstliche Vitamin-C Lieferanten in Tees, Kräutersalz und Kräuterzucker kräftigen unsere Abwehr, während Anis und Zimt Gewürze die Vorfreude auf die Wintersonnenwende und Weihnachten bringen. Zugleich sind es auch diese typischen Weihnachtsgewürze, die uns dabei helfen, die üppigen Speisen in diesem Zeitraum besser zu verdauen und beruhigend auf die Nerven einwirken 😉 

Auch, wenn das Wetter nicht mehr so einladend erscheint, lohnt sich ein Spaziergang durch die schlafende Natur. Die Geister des Ortes können uns besonders in der Vorweihnachtszeit lehren, wo unser innerer Ruhepol zu finden ist. Jetzt, wo die Bäume ihre kahlen Äste gen Himmel strecken und uns die frühe Dunkelheit den klaren Sternenhimmel offenbart, sehen wir das Wesentliche.

Bei uns am Niederrhein bekommen wir jedes Jahr Besuch aus Skandinavien und Sibirien – die Wildgänse nutzen die milderen Temperaturen in unserer Region, um hier zu überwintern, Das abendliche „Gänselauschen“ in den Rhein Auen ist immer ein kleines Spektakel! So findet sich in jeder Region eine Besonderheit, die es einem ermöglicht, sich auf vielen Ebenen mit dem Land und der Natur zu verbinden. 

In dieser dunklen Jahreszeit war es unseren Vorfahren besonders wichtig, sich gegen die Unholde des Winters, gegen Geister und Krankheitsdämonen zu schützen. Geister sind hier nicht bloß in Bezug auf die Seelen Verstorbener zu deuten, sondern auch wir Lebenden erschaffen Geister, die uns in Form von schlechten Gewohnheiten oder dem Stau des Lebensflusses begegnen können. Vielleicht stecken wir in einem Teil unseres Lebens fest, so als würde uns jemand dort gefangen halten.

Für solche Fälle gibt es schöne Rituale der Heilung. Hämatit (Rohstein) als Stein des Blutes mit seinem hohen Eisengehalt kann über einen Zeitraum von 7 Tagen in Wasser gekocht und der Absud getrunken werden. Ein solches Dekokt hat oft durchschlagenden Erfolg und vertreibt, wie wir aus vielen alten Überlieferungen wissen, böse Geister. Vielleicht liegt es an der Farbe des Lebens, dem leuchtenden Rot oder auch der Verbindung zu Mars, der wiederum mit unserem Blut und der Lebenskraft in Verbindung steht. Eisen erdet ungemein – schließlich finden wir es im Innern der Erde und es macht uns zu Erdgebundenen 🙂

 

 

Wie finde ich das passende Heilkraut?

Wer kennt die folgende Situation? Man möchte nicht länger ausschließlich auf chemische, pharmazeutische Medikamente zurück greifen, sondern die eigene Gesundheit mit natürlichen Mitteln wieder herstellen. Am Beispiel von Kopfschmerzen würden die meisten Menschen deshalb wie folgt vorgehen – anstelle einer Kopfschmerztablette trinkt man nun Weidenrindentee. Zu der Erkenntnis, dass Weidenrinde schmerzlindernd wirkt, kommt man häufig durch einfaches suchen im Internet oder nachschlagen in entsprechenden Büchern. Unter Stichpunkt Kopfschmerz tauchen Kräuter wie Baldrian, Mädesüss, Lindenblüten, Weidenrinde u.v.m. auf. 

Diese Methode kann funktionieren, muss aber nicht. Wer nach einer halben Stunde noch immer von Kopfschmerzen geplagt wird, der denkt entweder, ok – ich probiere ein anderes Kraut aus – oder – Kräuter wirken vielleicht doch nicht oder sind zu schwach.

Aber warum wirkt der Weidenrindentee bei Person A und nicht bei Person B? Sehen wir uns zuerst an, wie viele Gründe es für Kopfschmerzen geben kann (Liste ist nicht vollständig):

  • Stress
  • Muskelverspannung
  • zu wenig Schlaf oder schlechte Schlafqualität
  • Nahrungsmittel Unverträglichkeiten
  • Hormonelles Ungleichgewicht (PMS)

Ein großer Unterschied zwischen der Schulmedizin und der Kräuterkunde besteht im Ansatz. Die Schuldmedizin behandelt symptombezogen. Kräuterkunde versteht den Menschen als ein komplexes Individuum und betrachtet ihn ganzheitlich. Der ganze Mensch mit seiner Konstitution, seinen Gewohnheiten und seinem Umfeld wird betrachtet. Ich werde immer wieder gefragt, welches Kraut ich wofür empfehle und ernte des öfteren hoch gezogene Augenbrauen, wenn ich antworte „so einfach ist das nicht“. Heilung ist viel komplexer als ein Pflaster auf eine Wunde zu kleben. Aber ich mache absolut niemandem einen Vorwurf, denn die mangelnde Aufklärung und unser reduktionistisches Denken liegen der Situation zugrunde. Die meisten Menschen wissen nicht einmal mehr um die wundervollen Möglichkeiten einer ganzheitlichen Kräuterkunde. 

Während wir weiter oben nach den Gründen für das Symptom Kopfschmerz gesucht haben, sehen wir uns nun den Menschen hinter dem Symptom an. Person A könnte folgende Eigenschaften besitzen:

  • Leicht reizbar
  • Laute Stimme
  • Trockene Haut
  • Wacht nachts oft auf
  • Treibt exzessiv Sport

Person B besitzt vielleicht folgende Eigenschaften:

  • Tagesmüdigkeit
  • Fettiges Haar
  • Kann sich nur schwer für neues begeistern
  • Spricht leise und sehr langsam
  • Bewegt sich wenig

Person A und B sind hier in unserem Beispiel sehr unterschiedlich beschreiben – A würde man in der 4 Elementelehre als warm und trocken einordnen, B bei kalt und feucht. Genau diese Einteilung von kalt, warm, trocken und feucht finden wir auch in den Pflanzen. Hier geht es allerdings nicht um eine messbare Temperatur, sondern um das empfinden, welches der Genuss der Pflanze in uns auslöst. Eine Gurke wird ganz andere Empfindungen auslösen, als eine Pepperoni, ein Melissentee ganz andere als ein Tee mit Ingwer. Verbinden wir nun die Qualitäten in den Pflanzen mit der Konstitution im Menschen, wird es uns viel leichter fallen, ein Kraut zu ermitteln, welches mit viel größerer Genauigkeit nicht bloß zu unserem Symptom paßt, sondern zu uns als Mensch.

Die 3. Säule dieser Heilmittelerkenntnis finden wir, indem wir unterscheiden, ob unsere Symptome akuter oder chronischer Natur sind. Wie lange habe ich schon diese Beschwerden? Ist es nur die alljährliche Erkältung, die mich erwischt hat oder bestehen die Beschwerden schon länger? In aktuten Fällen greifen wir wohl eher zu einem Kraut, welches genau entgegen wirkt, d.h. wir suchen uns ein Kraut mit den Eigenschaften kalt und feucht, wenn wir hohes Fieber und trockene Haut haben. Bei chronischen Beschwerden können wir nicht immer so vorgehen – hier gilt oftmals der Ansatz, dem die Homöopathie folgt – gleiches heilt gleiches. 

Die antike Elementelehre zeigt uns auch die Wichtigkeit der Einbeziehung unserer Sinne an. Geruch und Geschmack von Kräutern sind essentiell – sind sie es doch, die uns erste Erkenntnisse zur innewohnenden Qualität liefern. Ihre Vervollkommnung fand diese alte Lehre jedoch erst in Verbindung mit der Astrologie zu Zeiten des Paracelsus. Hier verschmolzen die Methoden der Antike mit dem Wissen des fahrenden Volkes, der Kräuterweiblein und Bauern und mit neuen Erkenntnissen aus der Wissenschaft.

Schon während meiner Ausbildung zur Buchhändlerin zeichnete sich ab, was ich heute in meine Arbeit mit Kräutern integriere. Ein Teil meiner Prüfung bestand aus der Wahl von 3 Literatur Epochen, die detalliert abgefragt wurden. Ich wählte u.a. die Renaissance. Dort begegneten mir Agrippa von Nettesheim, Nicholas Culpepper und Paracelsus. Gelehrte an der Schwelle zu einem neuen Zeitalter – nicht davor zurück schreckend, das Wissen des Altertums zu bewahren und wie in einem alchemistischen Prozess zu einer wundervollen Heilkunst zu verbinden. Obwohl mein Hauptaugenmerk damals auf der Literatur lag, übten diese Menschen eine große Faszination auf mich aus und das bis heute. Sie hinterließen uns das Wissen von Pflanze, Mensch & Kosmos, sowie die antike Lehre von den Qualitäten in Menschen und Pflanzen. Wenn wir uns dieses Wissen wieder aneignen, eröffnet sich eine neue Art der Kräuterkunde.

Jeder Mensch ist ein kleines Universum.

Kräuter & Sterne – Videos!

Ich bin so gut wie fertig mit den Skripten für meinen Signaturenlehre Kurs, der Ende April beginnt. Viele der diesjährigen Veranstaltungen sind lange im Voraus geplant und „nach der Planung ist vor der Planung“, denn viele Institutionen müssen zum Teil ein Jahr im Voraus mit ihrer jeweiligen Planung beginnen. Man sagt im allgemeinen, dass eine selbständige Tätigkeit ab dem 3. Jahr so richtig in Schwung kommt – jepp, kann ich bestätigen. Jedenfalls sass ich gerade so da, nippte an meinem Kräutertee und dachte bei mir – die Blog Leser müssen denken, du bist in der Versenkung verschwunden! Schon länger kein Beitrag – und das, obwohl ich so fleißig war 😉

Vielleicht wissen einige von euch auch gar nicht, wo ich noch so zu finden bin – zum Beispiel auf Youtube! Eigentlich war immer das Ziel, dass auf der Homepage/dem Blog alle Fäden zusammen laufen – und dennoch habe ich hier irgendwie nie zu den Videos verlinkt. Das möchte ich jetzt mit diesem Post nachholen und deshalb bekommt ihr in einem Rutsch die Videos, die ich bisher in diesem Jahr gedreht habe. Außerdem werde ich zukünftig auch hier im Blog über neue Videos informieren. Also, viel Spaß bei meinen virtuellen Kräutererlebnissen! Los geht´s mit einem Pilz, dem Judasohr:

Die Säulen der traditionellen, westlichen Kräuterkunde

Im Laufe der Zeit haben sich in meiner Arbeit mit Kräutern Schwerpunkte heraus gebildet. Immer wieder komme ich zurück auf die Signaturenlehre, die Zeichensprache der Natur. Erstmals in allen Einzelheiten niedergeschrieben hatte diese der als „Grenzgänger“ bezeichnete Arzt, Astrologe, Philosoph und Naturkenner Paracelsus (1493 bis 1541 n. Chr). Doch was sind die Grundlagen dieser holistischen Lehre und was kann es uns heute bringen, sie anzuwenden? Habt ihr euch je gefragt, wie man am besten das passende Heilkraut für sich ermittelt? Warum wirken bestimmte Kräuter bei jemandem und andere nicht? Wäre es nicht großartig, wenn wir dazu in der Lage wären, Kräuter zur Erhaltung oder Wiederherstellung unserer Gesundheit selbstverantwortlich auswählen zu können – mehr oder weniger unabhängig von verwirrender Fachliteratur? imag1670

Um sich das vorstellen zu können, müssen wir gedanklich Abstand nehmen vom heutigen Modell der reinen Symptombehandlung. Der erste Schritt besteht darin, nicht (nur) auf das Krankheitssymptom zu schauen, sondern auf den  einzelnen Menschen. In diesem Artikel möchte ich die Säulen der traditionellen, westlichen Kräuterkunde vorstellen, die uns Einblicke in diese Form der Behandlung geben können.

Unsere Reise in die Vergangenheit beginnt zu Lebzeiten des griechischen Arztes und Philosophen Empedokles (492 bis 432 v. Chr.). Empedokles war es, der die Grundlage der 4 – Elemente – Lehre schuf. Er sprach damals noch von göttlichen Wurzelkräften. Erst Platon sprach später von den Elementen und sah diese bereits mehr im Sinne von Wirkstoffen, denn als beseelte Kräfte (der Weg zur Wirkstoffkunde, wie wir sie aus der modernen Medizin kennen, begann also in etwa während dieser Zeit). Polybos, ein Schwiegersohn des berühmten Hippokrates war es schließlich, der aus der Elementelehre wiederum die Säftelehre (auch bekannt als Humorallehre) entwickelte.

Polybos nannte 4 Körpersäfte, die in einem harmonischen Verhältnis vorherrschen müssen, damit der Mensch gesund sein kann – Blut, Schleim, gelbe Galle und schwarze Galle. Darüber hinaus teilte er den Menschen, wie auch den Pflanzen 4 sogenannte „Qualitäten“ zu, die da wären – warm, kalt, feucht und trocken. An dieser Stelle ein Beispiel aus der Praxis, wie man nun ein passendes Heilkraut aufgrund dieser relativ unkomplizierten Einteilung auswählen könnte. Jemand leidet beispielsweise unter Verdauungsbeschwerden, die sich in wässrigem Stuhl äußern. Diese Symptomatik würde man wohl am ehesten als kalt und feucht beschreiben. Der nächste Schritt ist die Qualität der Heilpflanze und diese kann am Geschmack festgestellt werden. Geschmackliches Empfinden ist sehr individuell, aber um bei unserem Beispiel zu bleiben, nehmen wir einfach mal den Ingwer.

Um das Ungleichgewicht von kalt und feucht wieder auszugleichen, wäre der Ingwer mit seinen Qualitäten von warm (scharf) und trocken ein geeignetes Heilmittel. Jetzt sind wir allerdings beim Symptom und rein physischen Empfindungen stehen geblieben. Gehen wir weiter, so landen wir schließlich bei Galenos von Pergamon (129 bis 200 v. Chr.), der die Säftelehre auf die geistige Ebene übertrug und damit als Begründer der Temperamentelehre galt. Das Temperament eines Menschen benannte er als entweder Sanguiniker (Luft), Choleriker (Feuer), Phlegmatiker (Wasser) oder Melancholiker (Erde) und man spricht in Anlehnung an den Begründer auch von „Galenik“. Die Säftelehre hielt Dioskurides in seinem Kräuterbuch „De materia medica libri quinque“ fest, in welchem er an die 600 Pflanzen, 100 Mineralien und Tiere mit ihren jeweiligen Qualitäten auflistete. Sein Werk galt bis zur Renaissance als Standardwerk. imag1968

Auch Paracelsus kannte und nutzte die Lehren der Antike, äußerte jedoch auch erstmalig Kritik an deren Dogmatismus. Für ihn waren die Systeme nicht erschöpfend, denn wo waren die Geister und Himmelskörper, die nach der Erkenntnis und Erfahrung dieses Kräuterkundigen einen erheblichen Einfluss auf das irdische Geschehen hatten? Paracelsus lernte nicht nur an Universitäten, sondern scheute sich auch nicht vor der Magie des einfachen Volkes, der „Hexenmedizin“ der Heiden! Seine Ideen zur ganzheitlichen Sicht auf Mensch und Natur hielt er schließlich in seinen Schriften zur Signaturenlehre fest.

Am Schnittpunkt all dieser Vorstellungen liegt das Geheimnis der Heilmittelerkenntnis verborgen. Wer mehr zu diesem faszinierenden Thema erfahren möchte, darf sich auf einen 3-teiligen Kurs im kommenden Frühjahr freuen. Mehr Infos und die genauen Termine erfahrt ihr rechtzeitig 🙂 Ich trinke jetzt jedenfalls Tee – schönen, heißen und scharfen Ingwertee – da hat der Text jetzt Lust drauf gemacht 😉 Für alle, die sich fragen, wie ein Tee die Qualitäten warm und trocken haben kann – hört in euch hinein und schaut, welche Empfindungen der Geschmack in euch hervorruft. Probiert es einfach aus, wenn ihr das nächste mal Kräuter „schmeckt“!

 

Die Angaben in diesem Artikel ersetzen nicht die Behandlung durch einen Arzt, Heilpraktiker oder das therapeutische Fachpersonal, sondern dienen der Information.