Feenhügel und die dunklen Kräfte des Winters

„I’ve bathed in sunshine
But cherished the fading light
And I heard my heartbeat faulter
On a winter’s night“ No Tears – James Blunt

Die dunklen Kräfte des Winters, sie warten im Verborgenen. Der Reisende Sigvatr Þórðarson beschreit ein Ritual aus dem Jahre 1018 zu ihrer Besänftigung, welches noch über der hohen Gastfreundschaft stand. Auf mehreren Höfen bat er um Einlass und Quartier für die Nacht, doch die Frauen des Hauses, die das Ritual leiteten, wiesen ihn ab. Es war das alfablót – das Opfer an die Elfen. In der nordischen Mythologie sind die Elfen sowohl Naturgeister, als auch Ahnengeister und es galt, sie während der dunklen Jahreszeit durch Opfergaben zu beschwichtigen.

Der eisige Atem der keltischen Göttin  Cailleach friert im Winter das Leben ein.

Wer schon einmal bei Nacht im Wald war, der weiss um die Bedeutung von Finsternis.  Man sieht die eigene Hand vor Augen nicht. Um einen herum erwachen die Schatten  zum Leben und eine Gänsehaut läuft den Rücken hinunter. Die Kräfte des Winters warten dicht unter dem dünnen Eis, das die Seen und Moore bedeckt (komm, es wird halten..) und sie schauen uns aus dem dunkelgrünen Efeu entgegen, welches die Bäume umrankt und manchmal auch erwürgt (iss mich, iss mich…ein Blatt schadet nicht)Dort wachsen die Stämme seltsam verdreht, oft sind unterirdische Wasseradern und Erdstrahlen die Ursache, Störzonen, die man mit Wünschelruten finden kann. 

Ausgerechnet Pflanzen aus solchen Störzonen kommen bei gesundheitlichen Problemen zum Einatz, wenn die Ursache sprichwörtlich im Dunkeln liegt. Ich habe ein Blättchen vom Efeu probiert, intuitiv (und impulsiv, ähm…), und hatte das Gefühl, einen leichten Reiz im Hals zu spüren. Ich kannte die Wirkung gegen Entzündungen der Atemwege, aber die homöopatische Anwendung fand ich noch interessanter. Man könnte sagen, das Mittel hilft bei Problemen des Bewegungsapparates, bei Steifheit und Schmerzen – wenn man sich fühlt, als wäre man im unnachgiebigen Griff dieser heimischen Lianenart! 

An solchen Orten sollten Menschen nicht zu lange verweilen, denn sie können krank machen. Man spürt, wie abweisend solche Plätze sind. Einen solchen „Spukort“ haben wir vor einiger Zeit besucht. Am Rande der Leucht, einem Waldgebiet zwischen Kamp-Lintfort und Alpen, findet man die Überreste von Hügelgräbern aus der Zeit der Becherkultur, ca. 2800 bis 2200 vor Christus. Je näher man diesen Hügelgräbern kommt, desto mehr Efeu umrankt die Bäume, desto bizarrer wird ihr Wuchs und desto mehr verstummt der Gesang der Vögel, bis es beinahe völlig windstill wird.

Wenn die Menschen vergangener Tage Rat bei ihren Vorfahren suchten, übernachteten sie manchmal auf den Hügelgräbern und hofften auf Eingebungen von der anderen Seite. Sie maßen ihren Träumen in solchen Nächten große Bedeutung bei. Begleitet von der Angst vor Widergängern harrten sie aus, bis das erste Licht des Morgens die Welt aus dem angstvollen Griff der Nacht befreite.

Hügelgrab in der Leucht

In Irland, wo der Feenglaube (nein, nicht Tinkerbell) noch lebendig ist, erzählt man sich die Geschichte der Sidhe (gesprochen Schie), einem Feenvolk, welches sich einst in die Hügel zurück gezogen hatte. Auf der grünen Insel ist einiges mehr an Wissen aus dem keltischen Kulturkreis übrig geblieben, als hier auf dem Festland, da dort die Christianisierung relativ friedvoll vonstatten ging. Heute sind sich Wissenschafter jedoch  einig darüber, dass viele der Bräuche und Rituale vom Festland hinüber gewandert waren und zu einem gewissen Teil auch das verlorene Wissen von Mitteleuropa beinhalten.

Mmmhh, das klingt doch mal nach einem Ort für eine Kräuterführung mit Schwerpunkt Mythologie 😉 Ich werde in diesem Jahr neben 2 Schreibprojekten auch wieder Kräuterführungen anbieten und freue mich schon darauf, euch persönlich oder hoffentlich ganz bald durch den Zauber des geschriebenen Wortes mit zu nehmen an verwunschene Orte. Und vielleicht inspiriert euch diese Beschäftigung mit Pflanzen und Mythen so, dass ihr euren eigenen Wohnort und eure Umgebung auf ähnliche Weise erkundet.

Quellen:

Emma Wilby „Cunning folk and familiar spirits“

Maria Kvilhaug „The old norse Halloween or Day of the Dead“ http://www.ladyofthelabyrinth.com

Paul Herrmann „Nordische Mythologie“

http://www.praehistorische-archaeologie.de

Margret Madejsky, Olaf Rippe „Heilmittel der Sonne“

 

 

Die Rückkehr zum Weltenbaum

Ich hoffe, ihr seid alle gut ins Neue Jahr gestartet und hattet Gelegenheit, zumindest symbolisch all das, was euch nicht länger hilft, im alten Jahr zu lassen. Wir haben dazu unser mit roter Wolle umwickeltes Ebereschenkreuz, das Schutzsymbol des vergangenen Jahres, von der Wand genommen und in einer mit Sand befüllten Feuerschale verbrannt. Alles, was wir in 2017 lassen wollten, wurde von den Flammen verzehrt. Beim Neujahrsspaziergang vergruben wir die Überreste neben dem alten Holunder im nahe gelegenen Wäldchen, so dass die Holle es hinab in ihren Kessel der Verwandlung ziehen kann. Der Holunder gilt als „Fahrstuhl der kleinen Leute“, als Eingang zur Unterwelt. So hat man in alter Zeit Krankheiten an den Baum gehangen, sie daran symbolisch abgestreift oder eben Dinge darunter vergraben. 

Die Stürme in den Rauhnächten, der magischen Zeit zwischen der Wintersonnenwende und Neujahr, hatten einen kleinen Dohlenschädel freigelegt. Wahrscheinlich war der Vogel einer Katze zum Opfer gefallen, so dass der restliche kleine Körper woanders lag. Der Schädel war bereits komplett „sauber“ und eine Nacht im Tiefkühlfach hat auch die letzten Keime abgetötet. Solche Funde rufen in manchen Menschen das „bah“ Gefühl hervor, aber für mich ist es ein besonderes Erlebnis, Knochen – vor allem Schädel (Sitz der Seele) zu finden, da man ihnen nachsagt, sie könnten uns einen Blick in die Unterwelt gewähren. Passend dazu lese ich zur Zeit das Buch „Der heilige Hain“ von Christian Rätsch und parallel dazu „Der Wald“ von Peter Wohlleben, welches mir eine liebe Bekannte vor Weihnachten geliehen hatte. Während einer Wanderung durchs Moor im Diersfordter Wald am 2. Weihnachtstag trafen wir auf ein Wildschwein – keine 20m entfernt und in freier Wildbahn. Eine Mischung aus Angst und Faszination! Wir tauften es Gullidborsti, das Schwein mit den goldenen Borsten, welches den Streitwagen des Wanengottes der Vegetation Frey zieht 🙂 

So traf ich wieder auf den Weltenbaum, der in so vielen Kulturen der Welt bekannt ist und dessen Wurzeln und Äste die Welten miteinander verbinden. Papa Legba, Esu, Heimdallr, die Schlange im Paradies und Odin – diese alten Götter stehen mit ihm in Verbindung. Sie bereisen die Ebenen des Baumes und gelten als Wächter zu den verschiedenen Eingängen, manchmal sind sie selbst der Weltenbaum, ein Abbild des Kosmos. Die Wurzeln des Weltenbaumes reichen tief hinab ins Erdreich, dorthin wo Pilze ihre Geflechte ausbilden, bevor ihre Fruchtkörper zusammen mit den Pflanzen aus der Erde erwachsen. Unsere Ahnen ruhen in dieser Erde und es heißt, erst wenn die Wurzel eines Baumes durch die Gebeine dringt, ist die Seele frei. Tiefer noch und wir stoßen vor ins Reich der Zwerge, das Reich der Steine und Mineralien. Noch darunter liegen die Frischwasservorräte, unterirdische Seen und Ursprung des Brunnens der Erinnerung. Niflheim, das Nebelreich der Toten, auch oft als Helheim bekannt, das Verhüllende, das Verborgene, liegt noch darunter – hierher reist kein Lebender mehr.

Die Äste des Weltenbaumes reichen hinauf zum Himmel mit seinen funkelnden Sternen und den himmlischen „Hallen“, den Wohnstätten der Götter oder derer, die den Tod, das Vergessen, besiegt haben und zu den Ewigen geworden sind. Hier werden die Sterne gedeutet, wird die Zukunft geschaut. Und wer etwas über die Zukunft wissen möchte, ist gut beraten, wenn er einen Blick in die Vergangenheit wirft. Die alten Germanen dachten sich hier auch das Reich der Lichtalben, der Elben oder Elfen, die bei genauer Betrachtung ebenfalls mit einem frühen Ahnenkult in Verbindung stehen. Der Stamm des Baumes und die erreichbaren Äste und Zweige bilden die Mittelwelt, unsere nach menschlichen Maßstäben erfahrbare Wirklichkeit. Hier kommt alles Wissen zusammen. In den Stamm des Weltenbaumes ritzten einst die Nornen (Disen, Parzen, Riesinnen, Valkyren…) die Runen – kosmische Kräfte in Form von Piktogrammen. Eine wunderschöne Mythologie, die ihre Entsprechung in unzähligen anderen Mythologien der Welt hat. Um die Mythen der Edda zu verstehen, ist es hilfreich, die alten Regeln der Dichtkunst germanischer Skalden zu kennen. Was uns wie eine nette Geschichte erscheint, hat mehrere Deutungsebenen und in vielen Übersetzungen fehlen die tatsächlichen Namen von Protagonisten und Orten, die alle wichtig sein können. Hier hat die norwegische Historikerin Maria Kvilhaug große Arbeit geleistet.

Meine Arbeit mit Kräutern, Mythologie, Heilsteinen und Astrologie folgt in vielerlei Hinsicht der Vorstellung vom Weltenbaum. Man kann viele Reisen unternehmen, in die Oberwelt und die Unterwelt. Man muss nur ihre Eingänge finden 😉 Früher ging man zu einer Wegkreuzung im Wald oder setzte sich auf einen Grabhügel (ganz mutige schliefen auch darauf), um den Weltenbaum zu bereisen. Man nannte es das Utiseti, das Draußensitzen. Auch einsame Berggipfel, Quellen und Ufer wurden dazu aufgesucht. Wenn ich jetzt weiter an der Planung meiner Angebote für dieses Jahr arbeite, habe ich jedenfalls all diese Dinge im Kopf – und vor allem im Herzen. Wer den Geistern des Ortes näher sein will, kann sich ihnen durch Kräuter, Steine und Bäume nähern, denn sie tragen noch die alten Geschichten in sich und warten nur darauf, sie uns erzählen zu dürfen 🙂

Die Reise in die inneren Welten

In meinem Teil der Welt haben die Herbststürme das farbenprächtige Laub von den Bäumen geweht und der Regen webt Schleier aus feinen Tröpfchen. Schleier sind das Thema im November, wenn das Zeichen Skorpion herrscht und dessen Giftstachel die Sonne lähmt, so dass sie nicht mehr die Kraft hat, hoch über dem Horizont aufzusteigen. Wir sprechen dann davon, dass die Schleier zwischen den Welten dünner werden. Am 23. November trat die Sonne in das Tierkreiszeichen Schütze ein. Alles Leben in der Pflanzenwelt hat sich in die Erde zurück gezogen und träumt mit den Steinen. 

Die Schütze Zeit ist die Zeit der größten Dunkelheit und der größten Sehnsucht nach dem Licht. Tief unten in der Erde ruht das Leben und träumt von seiner Wiedergeburt. Wir können Kerzen anzünden, uns Geschichten vorlesen und mit Kräutertees und Heilsteinen in unseren inneren Welten zurück ziehen. Alte Mythen wie die des germanischen Lichtgottes Baldur und der griechischen Persephone lehren uns die Notwendigkeit einer Reise in die Unterwelt. Alles Leben verläuft in Zyklen und unser nächster Zyklus ist die Winterzeit mit ihrer Stille und Kälte.

Die Immergrünen Pflanzen sind es jetzt, die uns daran erinnern, dass das Leben nie ganz erlischt. Kiefern und Fichten als ätherische Öle in Badewasser und Duftlampe oder als köstliche Vitamin-C Lieferanten in Tees, Kräutersalz und Kräuterzucker kräftigen unsere Abwehr, während Anis und Zimt Gewürze die Vorfreude auf die Wintersonnenwende und Weihnachten bringen. Zugleich sind es auch diese typischen Weihnachtsgewürze, die uns dabei helfen, die üppigen Speisen in diesem Zeitraum besser zu verdauen und beruhigend auf die Nerven einwirken 😉 

Auch, wenn das Wetter nicht mehr so einladend erscheint, lohnt sich ein Spaziergang durch die schlafende Natur. Die Geister des Ortes können uns besonders in der Vorweihnachtszeit lehren, wo unser innerer Ruhepol zu finden ist. Jetzt, wo die Bäume ihre kahlen Äste gen Himmel strecken und uns die frühe Dunkelheit den klaren Sternenhimmel offenbart, sehen wir das Wesentliche.

Bei uns am Niederrhein bekommen wir jedes Jahr Besuch aus Skandinavien und Sibirien – die Wildgänse nutzen die milderen Temperaturen in unserer Region, um hier zu überwintern, Das abendliche „Gänselauschen“ in den Rhein Auen ist immer ein kleines Spektakel! So findet sich in jeder Region eine Besonderheit, die es einem ermöglicht, sich auf vielen Ebenen mit dem Land und der Natur zu verbinden. 

In dieser dunklen Jahreszeit war es unseren Vorfahren besonders wichtig, sich gegen die Unholde des Winters, gegen Geister und Krankheitsdämonen zu schützen. Geister sind hier nicht bloß in Bezug auf die Seelen Verstorbener zu deuten, sondern auch wir Lebenden erschaffen Geister, die uns in Form von schlechten Gewohnheiten oder dem Stau des Lebensflusses begegnen können. Vielleicht stecken wir in einem Teil unseres Lebens fest, so als würde uns jemand dort gefangen halten.

Für solche Fälle gibt es schöne Rituale der Heilung. Hämatit (Rohstein) als Stein des Blutes mit seinem hohen Eisengehalt kann über einen Zeitraum von 7 Tagen in Wasser gekocht und der Absud getrunken werden. Ein solches Dekokt hat oft durchschlagenden Erfolg und vertreibt, wie wir aus vielen alten Überlieferungen wissen, böse Geister. Vielleicht liegt es an der Farbe des Lebens, dem leuchtenden Rot oder auch der Verbindung zu Mars, der wiederum mit unserem Blut und der Lebenskraft in Verbindung steht. Eisen erdet ungemein – schließlich finden wir es im Innern der Erde und es macht uns zu Erdgebundenen 🙂

 

 

Astrologie als Wegweiser

Hallenhaus Halde Norddeutschland

Hallenhaus Halde Norddeutschland

„Ein rastloser Wanderer kann stets innehalten und zu den Sternen aufsehen – dort findet er Rat und Richtung.“ CvZ

„Wenn ein bestimmter Planet am Horizont erscheint, tritt gleichzeitig oder zeitnah auf der Erde ein entsprechendes Ereignis ein. Die Planeten aber haben wenig direkten, materiellen Einfluss auf die Geschehnisse auf der Erde, sondern diese laufen lediglich zur gleichen Zeit ab. Sie sind durch die Gleichzeitigkeit schwingungsmäßig verbunden, nicht durch eine Beziehung von Ursache und Wirkung. Wir sprechen hier von Analogien und der Synchronizität der Zeit. Der Kosmos mit den wandelnden Planeten ist wie eine Uhr, von der wir die aktuellen Schwingungen ablesen können.“

Mit diesen Sätzen des Psychoanalytikers Carl Gustav Jung möchte ich meinen Ansatz zur Astrologischen Beratung aufzeigen. Wir hängen nicht wie Marionetten vom Sternenhimmel, sondern können entscheiden, ob wir dem Takt der kosmischen Synfonie unseres Geburtshoroskops folgen und danach tanzen möchten. Ich denke allerdings, dass diese Sätze auch dazu dienten, die Astrologie wieder salonfähig zu machen und sie für die Zweifler ein wenig glatt zu bügeln.

Der Sternenhimmel ist mehr als eine bloße kosmische Uhr – der Mond beeinflusst Ebbe & Flut, den weiblichen Zyklus und den Flüssigkeitshaushalt der Pflanzen. Die Sonne als gigantischer Feuerball sorgt für die Fotosynthese und die Umwandlung von Stoffen im menschlichen Körper – das Spektrum des Lichts hat sogar ganz massiven Einfluss auf das Befinden. Um Astrologie zu verstehen, müssen wir einen ganzheitlichen Ansatz finden.

Nie bleibt ein Lebensweg ganz und gar verschlossen – der Stand der Sterne zum Zeitpunkt der Geburt zeichnet eine Landkarte der Seele, auf welcher festgehalten wurde, welche Lebensthemen uns schwerer fallen als andere und welche Dinge uns quasi wie von Zauberhand zufallen. Es ist wie ein eingewebt werden ins Netz des Lebens, zu einem für uns bestimmten Zeitpunkt.

Was strengt uns an und fordert uns enorm heraus? Wo liegen unsere Begabungen und was begeistert uns in einem Maße, dass wir es beispielsweise in unsere Arbeit integrieren möchten? Behaltet stets vor Augen, dass ein Geburtshoroskop ALLE Planeten und Tierkreiszeichen enthält und folglich mehr Fokus auf die jeweilige Gewichtung gelegt werden muss. Wir reden nicht von Zeitungshoroskopen, die lediglich das „Sternzeichen“, sprich den Stand der Sonne berücksichtigen!

Einst galt die Astrologie als Königin der Wissenschaften und noch bis Ende des 19. Jahrhunderts konnte man Vorlesungen zum Thema an renommierten Universitäten besuchen. Dann jedoch kam die schöne neue Welt und mit ihr die Entzauberung. Wir Menschen des 21. Jahrhunderts, des beginnenden Wassermannzeitalters, haben die Anbindung an die jahrtausendealte Lehre von der Sterndeutung jedoch nicht vergessen, sondern sie wiederbelebt, angepaßt und auf unsere Bedürfnisse zugeschnitten.

Folgt mir auf eine Reise durch die Zeit, denn das ist es, was wir Sterndeuter tun, wenn wir zum Himmel hinauf sehen – wir reisen in die Vergangenheit und manchmal auch in die Zukunft.

Himmelstreppe Halde Norddeutschland

Himmelstreppe Halde Norddeutschland

Von Sternenkulten & gefallenen Engeln

Unsere Geschichte von Sternenkulten & gefallenen Engeln führt uns so weit zurück in die Vergangenheit, dass selbst die ältesten Überlieferungen sich ihrer nur erinnern. Wir stehen in einer kargen Landschaft, übersäht von Megalithbauten, wie Stonehenge und Pömmelte, im heutigen Gebiet des Iran. Wir befinden uns am Ende der letzten Eiszeit. Die steinernen Megalithbauten dienten als Stern Observatorien, ebenso als Begräbnisstätten mit einem lebendigen Ahnenkult. Die Menschen glaubten daran, dass ihre Ahnen die Gestalt von Raubvögeln annehmen würden und man ihnen auf einsamen Berggipfeln begegnen konnte. schwanenfederhuehnergott

Wir machen einen Zeitsprung und begegnen den im babylonischen Exil lebenden Juden, welche während ihres Aufenthaltes in Babylon ab ca. 539 v.Chr.  mit der Religion der Magi (etymoligische Wurzel des heutigen Wortes Magie…) in Berührung kamen. Die Priesterkaste der Magi verehrte himmlische Wesen von glänzender Gestalt, Lichter am Nachthimmel, Sterne die lehrten. Hinweise auf ein „himmlisches Konzil“ zeichnen Yahwe als ein einstmals bloßes Mitglied dieses himmlischen Konzils, einen Windgott, den anderen gleichgestellt. Aus diesen frühen Einflüssen des Judentums entwickelte sich später die christliche Religion des einen Gottes, der über die Engel herrscht und dem sie als himmlische Botschafter dienen.

Sonnenuntergang

Sonnenuntergang

In den Büchern Henoch  finden wir die Geschichte der gefallenen Engel. Diese als Wächter bekannten „Söhne Gottes“ erblickten die Töchter der Menschen und schlossen einen Pakt, demnach einer von ihnen, Shemhayza, die Schuld auf sich nehmen würde, sollte diese Verbindung je geahndet werden. Und sie wurde geahndet. Durch die Verbindung von Engeln und Menschen erblickten die Nephilim das Licht der Welt. Diese werden als riesenhafte Wesen beschrieben, mit besonderen Kräften ausgestattet und ihre Gräber glaubte man in den steinernen Ruinen der Megalithbauten zu erkennen. Die Nephilim brachten großes Leid über die Menschheit, woraufhin Gott die Sintflut schickte, um sie für immer vom Antlitz der Welt zu tilgen.

Die Wächter jedoch lehrten die Menschentöchter die Heilkunde, das graben von Wurzeln, die Kräuterkunde, das schmieden von Metall und die Herstellung von Kosmetik (Lidschatten aus geriebenen Mineralien). Sie lehrten sie ebenso die „dunklen und gefürchteten Künste“ (Abtreibung, schwarze Magie und die Weissagung mittels der Kunde vom Lauf der Gestirne – die Astrologie). Für dieses Vergehen wurde einer der Wächter, Azazeel kopfüber an einem Baum aufgehangen und seiner Seele beraubt – man warf diese an den Nachthimmel und dort sehen wir sie noch heute in Gestalt des Sternbildes Orion…

Hallenhaus Halde Norddeutschland

Hallenhaus Halde Norddeutschland

Die Beschreibung der Söhne Gottes mit einem Gewand, welches an Federn erinnert und dem Gesicht einer Viper erweckt den Eindruck einer anthropomorphen Gestalt. In den Büchern Henoch unternimmt besagter Henoch (ein von der Erde in den Himmel „Entrückter“) eine Reise in die 7 Himmelreiche, die aufgrund ihrer Beschreibung stark an den Seelenflug oder die Astralreise eines Schamanen erinnert. Auch hier begegnet uns das Bild eines „Mantels aus Federn“ (so beschreibt Henoch die beiden Engel am Fuße seines Bettes), wie ihn die Ahnen von Eingangs des Artikels getragen hatten, um in Gestalt eines Raubvogels ihre Seele ausfliegen zu lassen.

Der „gefallene“ Engel (sie gingen nieder am Berg Harmon -„aber wir werden sterblich wie Menschen und fallen wie einer der Prinzen“ Psaml 82) bezeichnet die Inkarnation himmlischer Lehrer in Fleisch und Blut. Der Fall ist nicht gleichzusetzen mit der anschließenden Strafe und Verbannung oder gar dem Höllensturz. Die „Strahlenden“ stürzten freiwillig.

Himmelstreppe Halde Norddeutschland

Himmelstreppe Halde Norddeutschland

Die Masse an Material zu diesem Blogbeitrag läßt nur einen kurzen Auszug zum Thema zu. Ich habe deshalb einige Quellenangaben für euch dagelassen, sollte jemand Lust auf eigene Recherchen haben. Wissen führt zu noch mehr Wissen und Fragen oft zu noch mehr Fragen. Was ich mit meinem Beitrag bezwecke, ist, zu zeigen, woher ich komme, was mein Ansatz für meine Arbeit ist und worauf alles fußt, was mich belebt und begeistert. Meine Angebote gründen auf Recherche, auf einer tiefen Liebe zur Mythologie und der Erkenntnis, das je weiter wir in der Geschichte der Menschheit und der Religionen zurück reisen, wir irgendwann zu einem gemeinsamen Ursprung finden. Jede Geschichte ist mehr als die Summe ihrer Teile und manchmal finden wir Antworten an Orten, an denen wir nie zu suchen geträumt hätten.

Quellen:

1. & 2. Buch Henoch

Die Bibel

Julia & Derek Parker „Astrologie kompakt“

Peter Grey „Lucifer Princeps“

Andrew Collins „From the ashes of angels – the forbidden Legacy of a fallen race“

Von funkelnden Sternen & dunklen Wäldern

Kurz vor dem letzten Neumond machte ich mich auf in den nahe gelegenen Stadtpark. Ich stand dort am Ufer des kleinen Moersbachs und sah durch die Äste der alten Kopfweiden hindurch gen Himmel. Das Sternbild Orion war deutlich zu sehen, umringt von einzelnen, kleinen Schäfchenwolken, die sich vom samtschwarzen Nachthimmel abhoben. Um den Sternenhimmel besser beobachten zu können, lief ich Richtung Rodelberg, begleitet vom leisen Ruf eines Käuzchens. Dort oben, ganz allein in der Dunkelheit, fühlte sich alles ein wenig echter an, als sonst. Echt nach meiner eigenen Definition hat nur wenig mit rational zu tun 😉 Hier zu stehen und die Sterne zu beobachten, war wie Frieden in sich selbst zu finden. Es war nicht das bloße erstellen und deuten eines mathematisch anmutenden Radix, sondern eine tiefe Verbindung mit all jenen, die in der Vergangenheit die Sterne gedeutet haben und denen wir unser heutiges Wissen darüber verdanken. frost

Ich dachte nach über die ältesten Mythen von Sternengöttern, von den Ägyptern und Babylonieren bis zu Germanen mit ihrem Himmelsgott Tyr, (dem Nordstern) mit ihren 12 Götterpalästen, welche den 12 Häusern in der Astrologie so ähnlich sind und der germanischen Bezeichnung für den Gürtel des Orion „Freyas Rockn“. Ich dachte an die Bauten der Megalithkulturen und ihre Funktion, an die nahende Wintersonnenwende und an die gemeinsamen Ursprünge der Zivilisation. Der Neumond im Schützen war für mich mit sehr intensiven Gefühlen verbunden, vielleicht auch aus dem Grund, dass mein IC im Schützen liegt. Der IC im Horoskop bildet die Basis unseres Handelns und Strebens, ihm gegenüber liegt das MC, unsere Lebensausfgabe, die zugleich eine Herausforderung darstellt.

Ein IC im Schützen bedeutet, dass meine persönliche Grundlage der Glaube ist. Die Beschäftigung mit religiösen Themen und Philosophie, und ebenso ein immenser Wissensdurst. Vielleicht war es vorherbestimmt, dass meine Ausbildung zur Buchhändlerin ausgerechnet in einer Theologischen Fachbuchhandlung stattfinden sollte. Doch Fragen führen zu weiteren Fragen, Wissen führt zu noch mehr Wissen und irgendwann braucht der Geist etwas Ruhe. Meditation ist ein wichtiger Bestandteil meines Lebens geworden – nichts ist entspannender (und oftmals hilfreicher!), als meinen stets regen und plappernden Geist zur Ruhe zu betten 😉 kamper-wald-1

Am nächsten Morgen tauschte ich den Sternenhimmel gegen den lichtdurchfluteten Kamper Wald mit seinen verwunschen Pfaden und besonderen Energien. Hier sammelte ich einige Pilze, um mich tiefer mit der Materie und deren Bestimmung zu beschäftigen. Neben Pilzen wanderten auch Kiefernnadeln in den Sammelkorb, aus denen wir später einen köstlichen Wintertee mitten im Wald kochten. So hielt man die Kälte gut aus! Kiefernnadeln entfalten ein feines, zitroniges Aroma und so mitten im Wald gesammelt und genossen, war es eine echte Verbindung mit dem Land. Wir tranken den Wald und mit ihm den Genius Loci, den Geist des Ortes (ich sagte doch, IC Schütze, haha). Ein Tee aus Kiefernnadeln wirkt antibakteriell, schweißtreibend, erfrischend und enthält wertvolles Vitamin C. Alles Eigenschaften, die einen wunderbaren Erkältungstee ausmachen.

Jetzt sitze ich also hier, blicke zurück auf die vergangene Woche und bin voller Vorfreude auf das nahende Wochenende, wo wir schon den nächsten Berg für´s Sterne beobachten auserkoren haben 🙂 Einsame Bergspitzen, tiefe, dunkle Wälder, Orte, an denen man Geistern begegnen kann. Wie viele „naturspirituelle“ Leute habe ich kennen gelernt, die ihre Armada von Utensilien ausbreiten und Wesenheiten anrufen, über die sie in der neuesten Ausgabe ihres esoterischen Lieblingsverlags gelesen hatten. Anstatt ganz behutsam mit jenen in Kontakt zu treten, die da sind 😉 Für mich war das stets so unsinnig, wie die Vorstellung, ein Naturwesen im heimischen Wohnzimmer zu beschwören. Ich bin jetzt wieder woowoo und ein bißchen mutig – die Welt der Geister überlappt die unsere, die physische. Ihr findet sie IN DER NATUR! An menschenverlassenen Orten. Und nicht alle sind gut auf uns zu sprechen. Manche erfreuen sich aufs allerhöchste an einem unvorsichtigen Menschlein, das stolpert und sich die Knie blutig schlägt, dem roten Lebenssaft, der reichlich ins Erdreich sickert. Aber kaum jemand will diese Geister treffen 😉 kamper-wald-3

Ihr Kräuterweiber und Wurzelsepps da draußen, für euch war dieser Beitrag. Vielleicht fühlt ihr etwas tief in euch, das euch den Weg gewiesen hat. Vergeßt über die Inhaltsstoffe und Anwendungsmöglichkeiten von Pflanzen nicht ihren eigentlichen Zauber. Sammelt Heilkräuter unter den Augen der Sonne und Giftpflanzen in einer mondlosen Nacht. Erinnert euch an das Sternenlicht, das in euren Augen funkelt, die ältesten Lehrer! Um es mit den Worten eines meiner letzten Instagram Posts zu sagen: Iss und trink den Wald. Irgendwann wachsen Wurzeln aus deinen Füßen und Blätter aus deinem Mund. Vergiss deinen Namen, verlier den Verstand – lass dich „begeistern“!

 

 

Ostern an den Externsteinen

In der vergangenen Woche spielten mehrere glückliche Zufälle zusammen und so war es uns möglich, ein verlängertes Wochenende im wundervollen Teuteburger Wald zu verbringen. Es war überfällig, ein paar Tage wegzufahren und den Alltag hinter sich zu lassen, denn erst, wenn man mal etwas völlig anderes sieht und einem ganz anderen Tagesablauf folgt, wird der Kopf frei für neue Gedanken. Unsere Pension war urig gemütlich, der Frühstücksraum glich eher einem Wohnzimmer mit dicken Teppichen, den vielen gerahmten Bildern an den Wänden, und dem Ofen in der Ecke. Unser Zimmer war klein und fein und die beiden Ladies, welche die Pension führten, verwöhnten ihre Gäste nach Strich und Faden 😉 Ich nahm am ersten Abend dort, nachdem wir die nähere Umgebung ausgekundschaftet hatten, meine Runen zur Hand und ging ein wenig auf Tuchfühlung mit dem Geist des Hauses. Er war eine Sie. Kein Wunder, denn dieser Familienbetrieb wurde über Generationen hinweg von Frauen geführt, zuletzt von 2 Schwestern. Vom Balkon aus konnten wir direkt auf einen großen See blicken, an dessen Ufer die Bäume in voller Blüte standen.

Externsteine2

Am nächsten Morgen ging es nach einem reichhaltigen Frühstück zu den Externsteinen. Ich wollte seit Jahren dorthin, hatte viel gehört und gelesen und meine Erwartungen waren dementsprechend hoch. Der Anblick der riesigen Felsen, wenn man das kurze Stück Waldweg vom Parkplatz aus zu den Externsteinen geht, ist schon sehr beeindruckend. Wir blieben erstmal stehen und ließen den Anblick auf uns wirken. Das Kassenhäuschen öffnete gerade und wir hatten noch nicht ganz bezahlt, da öffnete sich der Himmel und ein heftiger Schauer ging auf die Externsteine nieder. Wir hechteten in die nächste Felsspalte um uns unterzustellen und warteten den Guss ab. Ich nutzte die Gelegenheit und berührte die Felsen mit der Hand, versuchte, alle Gedanken und Erwartungen beiseite zu schieben und innerlich leer und empfänglich zu werden. Was ich spürte, war aber nicht der Zauber einer jahrtausende alten Kultstätte, sondern die Hektik einer Touristenattraktion. Was auch immer die Externsteine einst gewesen sein mögen, die Scharen von Menschen, die dort hinströmen haben diesem Ort jede Kraft genommen. Ich mußte teilweise wirklich gegen diese dunkle, vom Regen noch zusätzlich verstärkte Stimmung ankämpfen. ExternsteineBrücke

Ich dachte an Baldur, den germanischen Gott des Lichts, mit dem mich von je her etwas sehr tiefes verbindet und bat ihn, die Wolken beiseite zu schieben und uns etwas Sonne zu schenken. Als der Regen endlich aufhörte, stiegen wir auf den ersten Felsen hoch. Große Treppen, kurze Beine – meine Güte, war ich fix und alle, als wir endlich oben angekommen sind. Gleichzeitig mußte ich immer mal nach meinem Freund sehen, der tapfer seine Höhenangst besiegte und sich an den Felsen entlang gen Gipfel schob. Die Aussicht lohnte sich. Dort oben waren wir leider nicht eine Minute allein. Immer wieder kamen Leute hoch, meist irgendwelche Möchtegerntypen, und jeder hatte einen tollen, supercoolen witzigen Spruch auf den Lippen. Wie viel Schwachsinn mußten sich die Externsteine wohl in all den Jahren schon angehört haben? Ich betete, dass sie doch einfach die Klappe halten würden und diesem Ort den Respekt zollen mögen, der ihm gebührt. Was mich sehr gefreut hat, war die Art & Weise, wie die Kleinsten reagierten. Ihr Empfinden schien viel tiefgreifender zu sein, als dass ihrer Eltern. Selbst die größten Wildfänge unter den kleinen Jungs, die ein wahres Wettklettern veranstaltet hatten, wurden ganz still und schienen regelrecht in sich gekehrt, als ihr Blick über die Weiten des Landes streifte. Es besteht noch Hoffnung und Dummheit ist Gottseidank nicht vererbbar.

Wir stiegen auch auf den zweiten Stein und so langsam machten sich die Muskeln in den Waden bemerkbar. Vor allem beim Abstieg zitterten mir wirklich die Beine und ich mußte jede Stufe einzeln nehmen, auch weil es nass und entsprechend rutschig war. Ich hatte oben auf dem steinernen Altar meine Runen, mein Pendel und einige Heilsteine ausgelegt, aber wirklich Ruhe, um sie aufzuladen, hatte ich nicht. Nun, wenigstens waren sie die ganze Zeit über bei mir, wenn auch nur im Rucksack. Wir kehrten den Externsteinen den Rücken und liefen einmal um den See, bevor wir im Restaurant Felsenwirt einkehrten und auf unser 9-jähriges anstießen 😉 Wow, wir stellten fest, dass wir beide einen Orden verdienten, für all die Höhen und Tiefen, die wir während dieser 9 Jahre gemeinsam durchlebt hatten, grins…der Ausdruck „Fress-Koma“ beschreibt ziemlich genau den Ausgang dieses Besuchs und zurück im Hotel rief das Bett immer lauter nach einem ausgedehnten Mittagsschlaf. Wir hatten Urlaub, also was soll´s…

Zunderschwamm

Da es noch früh am Nachmittag war und wir möglichst viel sehen und erleben wollten, fuhren wir, dem Rat unserer Gastgeberinnen folgend, ins nahe gelegene Silberbachtal, um zu wandern. Man hatte uns gesagt, dieses Tal sei sehr mystisch, hinter jedem Stein und Baum könnte jeden Moment eine kleine Elfe oder ein Zwerg hervorhuschen. Und genau so war es auch. Das Silberbachtal ist eines der schönsten Naturreiche, welches ich bisher betreten habe. Der schmale, flache Silberbach windet sich seinem natürlichen Lauf folgend durch das Tal und der Wanderweg führt über hölzerne Brücken, dicke Steine und verzweigte Wurzeln. An den Baumstämmen wachsen Zunderschwämme, das sind Pilze, die man zum räuchern nutzen kann, anstelle von Kohle. Wir sammelten Harz von den Bäumen und bestimmten die Kräuter am Wegesrand, vom Wiesenschaumkraut bis zur Pestwurz. Wir sahen 2 Rehe, die nur wenige Meter von uns entfernt im Dickicht auftauchten. Es gefiehl uns dort so gut, dass wir am nächsten Tag den geplanten Besuch im Vogelpark ausfallen ließen und stattdessen wieder ins Tal fuhren, um auch den Rest dieser herrlichen Landschaft zu erkunden. Nun, irgendwann wurde uns klar, dass wir nicht mehr auf dem eigentlichen Rundweg liefen und irgendwie auf den Pfad mit dem Prädikat „anspruchsvoll“ gelandet waren.Silberbachtal2 Dieser Weg war auch nicht mehr wirklich ein Weg, sondern gestaltete sich zu einer Bergsteigertour. Es ging teilweise über den Bach, aber ohne Brücke – nur über die Steine, dann wieder führte der Pfad über nichts als Wurzelwerk steil den Hang rauf, um anschließend nicht weniger steil über dickes Geröll wieder ins Tal zu führen. Aber ganz ehrlich – so stell ich mir wandern vor! Ich mag nicht diese typischen Wege, die aus 2 Traktorspuren und einem Grünstreifen in der Mitte bestehen. Ich mag das Gefühl, als sei ich „mitten im Wald“, mitten drin in der wilden und wunderschönen Natur. Silberbachtal1

Als wir irgendwann wieder am Parkplatz ankamen, waren wir uns einig, dass es für heute reichte…wir fuhren zurück ins Hotel, machten uns frisch und kehrten am Abend im Restaurant ein. Nach dem Essen waren wir eigentlich k.o. aber da es der letzte Abend war, schlugen wir nochmal die Route ein, wo man Bäume aus aller Welt gepflanzt hatte. Die Route zog sich….egal 😉 Es war dämmrig geworden und der Nebel stieg auf den weiten Wiesen auf Nebel ist ein Schleier zwischen den Welten. Ich pflückte einige Wildblumen und legte sie am Fuße eines Wacholderstrauches ab. Wir machten Rast auf einer Bank, wo ich ernsthaft mit dem Gedanken spielte, das Wassertretbecken zu nutzen, aber da ich gerade erst eine heftige Grippe hinter mir hatte, ließ ich es doch bleiben. Wir verfiehlen in eine leichte Melancholie, redeten über Träume und Hoffnungen, Hindernisse und Mut und Angst. Ich dachte zurück an den Bach im Silberbachtal, an die Sorge, auf den Steinen abzurutschen, hinein zu fallen, mir was zu brechen oder zumindest triefend nass zu werden. Ich dachte daran, wie ich außen rumgehen wollte, und wie ich dann überlegt hatte, wie ich mich über mich selbst ärgern würde, weil ich mir dieses kleine Abenteuer versagt hätte. Mein Freund hatte gesagt „geh´einfach rüber – nicht nachdenken, einfach rübergehen!“ Ich bin rübergegangen und es ist nichts passiert. Ich denke immer zu viel nach, oftmals ist das gut, aber nur solange man nicht vom Planer zur Verplanten wird. Geh´einfach, denk nicht drüber nach – das ist das Motto für 2014. Ich wünsche Euch Frohe Ostern.