Die Planetenstunden und Wochentage

Unser Leben folgt gewissen Rhythmen. Sie geben uns eine Ordnung und regeln die „Zeit“. Ein solcher Rhythmus ist unsere 7 Tage Woche. Doch woher kommt diese Einteilung und warum ausgerechnet 7 Tage und nicht 8, 9 oder 10? Eine Antwort darauf geben uns die Planetenstunden, denn sie bilden die Grundlage für die 7 Tage der Woche.

Einst schauten die Menschen zum Himmel hinauf und beobachteten den Lauf der Gestirne, besonders jenen von Sonne und Mond. Man kann nach heutigem Kenntnisstand annehmen, dass bereits im alten Babylon ein System für die Planetenstunden entstanden ist. Der lichte Tag und die dunkle Nacht wurden in je 12 Teile geteilt, wobei diese Tag- bzw. Nacht“stunden“ keine 60 Minuten lang sein mussten, so wie wir es heute kennen. Tag und Nacht sind nur zu Frühlingstag- und Nachtgleiche (0° Widder), bzw. zur Herbsttag – und Nachtgleiche (0° Waage) jeweils gleich lang. Im Sommer dauern hingegen die Tagstunden länger als die Nachtstunden, im Winter ist es umgekehrt (in der nördlichen Hemisphäre).

Tag und Nacht zu den Äquinoktien

Man rechnet die Minuten von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang und teilt diese anschließend durch 12. Beispiel für Donnerstag, den 03. Mai 2019 in Moers: Sonnenaufgang 06:04 Uhr, Sonnenuntergang 20:58 Uhr = 774 Minuten : 12 Stunden = 65 Minuten (gerundet)

Tag und Nacht im Sommer

Die Zeit von 06:04 Uhr bis 07:19 Uhr ist die erste Planetenstunde des Tages. Heute ist Donnerstag, der Tag des Jupiter. Die erste Stunde gehört also Jupiter. Doch zurück zu den Stunden. Zur Zeit der Entstehung dieses Systems erkannte man am Himmel 7 „Wandersterne“ (die Planeten – wobei man Sonne und Mond ebenfalls dazu zählte, also Sonne, Mond, Merkur, Venus, Mars, Jupiter und Saturn) mit bloßem Auge. Diese 7 Planeten wurden den einzelnen Stunden des Tages zugeordnet. Man zählt nun nach der chaldäischen Reihe rückwärts und zwar nach der Geschwindigkeit der Planeten. Saturn ist der langsamste, der Mond der schnellste. Am Donnerstag wäre das dann Sonnenaufgang mit Jupiter und weiter geht es in absteigender Reihenfolge mit Mars,  Sonne, Venus, Merkur, Mond, Saturn. Absteigend dehalb, weil man die Kräfte hinab ziehen möchte, damit sie sich auf der Erde manifestieren.

Als ich auf Instagram dazu gepostet hatte, herrschte in den Kommentaren einige Verwirrung. Manche glaubten sogar, ein Papst hätte die Reihenfolge der Wochentage absichtlich geändert – diese Verwirrung entstand vielleicht durch den Siebenstern der Chaldäischen Reihe – den manche im Uhrzeigersinn ablesen. Hier hilft euch vielleicht der Link zur Planetenuhr des Deutschen Uhrenmuseums Die sieben Wochentage .

Jetzt, wo wir das System hinter den Wochentagen und Planetenstunden kennengelernt haben, ergibt sich die Frage, was wir damit tun können. Der Stundenherrscher beeinflusst zum Beispiel die Kraft einer Heilpflanze. In der Signaturenlehre ordnet man die Planetenkräfte den Pflanzen zu. Astrologie ist nicht ferne Theorie, sondern im irdischen verankert. Sie ist der Tanz der Elemente in ihren unterschiedlichen Formen, sie ist der Wandel der Jahreszeiten und alles Irdische trägt eine kosmische Signatur. Ernten wir eine Pflanze zu einer bestimmten Stunde, so ernten wir im Grunde auch eine Planetenkraft. Eine Sonnenpflanze mit Wirkung auf das Herz, gesammelt am Sonntag, dem Tag der Sonne, im Tierkreiszeichen Löwe (oder Mond im Löwe – für Fortgeschrittene: sofern keine hinderlichen Aspekte vorliegen), ergibt der alten Lehre nach eine kraftvolle Arznei für das Herz! Man stimmt sich ein in die kosmischen Rhythmen und Harmonien.

Alkoholische Pflanzenauszüge, hergestellt unter dem Einfluss der entsprechenden Planetenkraft

Ich hoffe, in diesem Blogbeitrag konnte ich euch eine kurze Einführung zum Thema geben, die vielleicht Lust auf mehr macht. Ausführlich gehe ich darauf in meinem Buch ein (ja, es ist wirklich in Arbeit…). Dort begegnet uns noch das System der Nachtstunden nach dem berühmten Astrologen Guido Bonatti aus dem 13. Jahrhundert. Seine Prognosen waren derart treffend, dass ihm Dante später einen zweifelhaften Ehrenplatz in seiner Göttlichen Komödie einräumte. In Dantes Inferno muss der „falsche Prophet“ mit dem Kopf nach hinten gedreht umherwandeln, damit er nie wieder einen Blick in die Zukunft wagen kann.

Wie finde ich das passende Heilkraut?

Wer kennt die folgende Situation? Man möchte nicht länger ausschließlich auf chemische, pharmazeutische Medikamente zurück greifen, sondern die eigene Gesundheit mit natürlichen Mitteln wieder herstellen. Am Beispiel von Kopfschmerzen würden die meisten Menschen deshalb wie folgt vorgehen – anstelle einer Kopfschmerztablette trinkt man nun Weidenrindentee. Zu der Erkenntnis, dass Weidenrinde schmerzlindernd wirkt, kommt man häufig durch einfaches suchen im Internet oder nachschlagen in entsprechenden Büchern. Unter Stichpunkt Kopfschmerz tauchen Kräuter wie Baldrian, Mädesüss, Lindenblüten, Weidenrinde u.v.m. auf. 

Diese Methode kann funktionieren, muss aber nicht. Wer nach einer halben Stunde noch immer von Kopfschmerzen geplagt wird, der denkt entweder, ok – ich probiere ein anderes Kraut aus – oder – Kräuter wirken vielleicht doch nicht oder sind zu schwach.

Aber warum wirkt der Weidenrindentee bei Person A und nicht bei Person B? Sehen wir uns zuerst an, wie viele Gründe es für Kopfschmerzen geben kann (Liste ist nicht vollständig):

  • Stress
  • Muskelverspannung
  • zu wenig Schlaf oder schlechte Schlafqualität
  • Nahrungsmittel Unverträglichkeiten
  • Hormonelles Ungleichgewicht (PMS)

Ein großer Unterschied zwischen der Schulmedizin und der Kräuterkunde besteht im Ansatz. Die Schuldmedizin behandelt symptombezogen. Kräuterkunde versteht den Menschen als ein komplexes Individuum und betrachtet ihn ganzheitlich. Der ganze Mensch mit seiner Konstitution, seinen Gewohnheiten und seinem Umfeld wird betrachtet. Ich werde immer wieder gefragt, welches Kraut ich wofür empfehle und ernte des öfteren hoch gezogene Augenbrauen, wenn ich antworte „so einfach ist das nicht“. Heilung ist viel komplexer als ein Pflaster auf eine Wunde zu kleben. Aber ich mache absolut niemandem einen Vorwurf, denn die mangelnde Aufklärung und unser reduktionistisches Denken liegen der Situation zugrunde. Die meisten Menschen wissen nicht einmal mehr um die wundervollen Möglichkeiten einer ganzheitlichen Kräuterkunde. 

Während wir weiter oben nach den Gründen für das Symptom Kopfschmerz gesucht haben, sehen wir uns nun den Menschen hinter dem Symptom an. Person A könnte folgende Eigenschaften besitzen:

  • Leicht reizbar
  • Laute Stimme
  • Trockene Haut
  • Wacht nachts oft auf
  • Treibt exzessiv Sport

Person B besitzt vielleicht folgende Eigenschaften:

  • Tagesmüdigkeit
  • Fettiges Haar
  • Kann sich nur schwer für neues begeistern
  • Spricht leise und sehr langsam
  • Bewegt sich wenig

Person A und B sind hier in unserem Beispiel sehr unterschiedlich beschreiben – A würde man in der 4 Elementelehre als warm und trocken einordnen, B bei kalt und feucht. Genau diese Einteilung von kalt, warm, trocken und feucht finden wir auch in den Pflanzen. Hier geht es allerdings nicht um eine messbare Temperatur, sondern um das empfinden, welches der Genuss der Pflanze in uns auslöst. Eine Gurke wird ganz andere Empfindungen auslösen, als eine Pepperoni, ein Melissentee ganz andere als ein Tee mit Ingwer. Verbinden wir nun die Qualitäten in den Pflanzen mit der Konstitution im Menschen, wird es uns viel leichter fallen, ein Kraut zu ermitteln, welches mit viel größerer Genauigkeit nicht bloß zu unserem Symptom paßt, sondern zu uns als Mensch.

Die 3. Säule dieser Heilmittelerkenntnis finden wir, indem wir unterscheiden, ob unsere Symptome akuter oder chronischer Natur sind. Wie lange habe ich schon diese Beschwerden? Ist es nur die alljährliche Erkältung, die mich erwischt hat oder bestehen die Beschwerden schon länger? In aktuten Fällen greifen wir wohl eher zu einem Kraut, welches genau entgegen wirkt, d.h. wir suchen uns ein Kraut mit den Eigenschaften kalt und feucht, wenn wir hohes Fieber und trockene Haut haben. Bei chronischen Beschwerden können wir nicht immer so vorgehen – hier gilt oftmals der Ansatz, dem die Homöopathie folgt – gleiches heilt gleiches. 

Die antike Elementelehre zeigt uns auch die Wichtigkeit der Einbeziehung unserer Sinne an. Geruch und Geschmack von Kräutern sind essentiell – sind sie es doch, die uns erste Erkenntnisse zur innewohnenden Qualität liefern. Ihre Vervollkommnung fand diese alte Lehre jedoch erst in Verbindung mit der Astrologie zu Zeiten des Paracelsus. Hier verschmolzen die Methoden der Antike mit dem Wissen des fahrenden Volkes, der Kräuterweiblein und Bauern und mit neuen Erkenntnissen aus der Wissenschaft.

Schon während meiner Ausbildung zur Buchhändlerin zeichnete sich ab, was ich heute in meine Arbeit mit Kräutern integriere. Ein Teil meiner Prüfung bestand aus der Wahl von 3 Literatur Epochen, die detalliert abgefragt wurden. Ich wählte u.a. die Renaissance. Dort begegneten mir Agrippa von Nettesheim, Nicholas Culpepper und Paracelsus. Gelehrte an der Schwelle zu einem neuen Zeitalter – nicht davor zurück schreckend, das Wissen des Altertums zu bewahren und wie in einem alchemistischen Prozess zu einer wundervollen Heilkunst zu verbinden. Obwohl mein Hauptaugenmerk damals auf der Literatur lag, übten diese Menschen eine große Faszination auf mich aus und das bis heute. Sie hinterließen uns das Wissen von Pflanze, Mensch & Kosmos, sowie die antike Lehre von den Qualitäten in Menschen und Pflanzen. Wenn wir uns dieses Wissen wieder aneignen, eröffnet sich eine neue Art der Kräuterkunde.

Jeder Mensch ist ein kleines Universum.

Grab in der Erde und greif nach den Sternen!

Die meisten von uns haben alle schon einmal den Satz „Wie oben, so unten“ gehört. Doch was steht eigentlich dahinter und woher stammt dieser Satz? Die Alechmisten beriefen sich wohl als erste darauf. Der sagenumwobene, ägyptische Gelehrte Hermes Trismegistos soll eine Smaragd Tafel besessen haben, auf der er seine wichtigsten Leitsätze eingemeißelt hatte. Der erste Satz auf dieser Tafel ist „Wie oben, so unten“. „Unser Vater die Sonne, unsere Mutter der Mond“ heißt es weiter. Wie ihr mittlerweile wisst, ist eine meiner größten Leidenschaften das bauen von Brücken zwischen den alten Mysterien und der modernen Herangehensweise in der Kräuterkunde. Bloße, seelenlose Stoffkunde war einfach nie meins, obwohl in mir auch eine neugierige Wissenschaftlerin lebt.

Die Mistel – ein Geschöpf zwischen Himmel & Erde – trägt deutliche Merkur Signaturen (Götterbote, der zwischen Himmel, Erde & Unterwelt hin- und herreisen konnte = sein nordisches Gegenstück wäre der Gott Odin). Nachweisliche Wirkung auf das Herz – Merkur regiert Lunge, Nervensystem und Rhythmen wie ein-und ausatmen, Herzschlag (Stichwort nervöse Herzbeschwerden)

 

Im Laufe der Jahre konnte ich eines dieser alten Wissensgebiete, nämlich die Astrologie, mit der Kräuterkunde verbinden. Wie oben, so unten. In diesem Beitrag möchte ich ein bißchen mehr darauf eingehen, wie man mithilfe der Astrologie weg vom Symptom und hin zum Menschen gelangen kann.

Die Frage, die ich immer wieder höre, sei es in Workshops, bei Kräuterführungen oder während eines Kurses, ist folgende: Welches Kraut kann ich für welches Leiden einsetzen? Und die Frage ist verständlich. Selbst die Kräuterfachleute, die wissen, dass sie nicht heilkundlich tätig werden dürfen, tappen in dieselbe Falle und denken eindimensional „Symptom xy = Kraut xy“ – und es ist verständlich. Verständlich, weil uns das fehlende Glied genommen wurde, um eine ganzheitliche Kräuterkunde zu erlernen. GANZheitlich. Hier kommt Astrologie ins Spiel, denn wenn man sich tiefgehend damit beschäftigt, erkennt man irgendwann, dass es sich tatsächlich um eine universelle Sprache handelt.

Die traditionelle, westliche Kräuterkunde kennt 4 sogenannte Qualitäten, welche sowohl im Menschen, als auch in der Pflanzen vorkommen: Warm, Kalt, Trocken und Feucht – diese 4 Qualitäten finden wir in den 4 Elementen Feuer, Erde, Luft und Wasser wieder. Auf psychischer Ebene sind es die Temperamente Cholerisch (Feuer), Melancholisch (Erde), Sanguinisch (Luft) und Phlegmatisch (Wasser). Als nächstes finden wir in der Astromedizin (im Zeitalter der Renaissance war es selbstverständlich, dass jeder Arzt zugleich auch Astrologe war!) eine Einteilung der 12 Tierkreiszeichen nach Körperregionen, sowie eine Zuordnung der sieben klassischen Planeten zu Organen und Organsystemen (Uranus, Neptun und Pluto wurden erst später entdeckt und gelten als sog. Generationsplaneten oder auch höhere „Solarbewusstsein“).

Wir finden diese Zuordnungen auch in den Pflanzen und können zum Beispiel durch Standort, Wuchsform, pflanzliche Inhaltsstoffe und Wirkungsweise Rückschlüsse auf die astrologischen Analogien/Gleichnisse ziehen – und umgekehrt! Das Geburtshoroskop eines Menschen ist Teleskop und ein Mikroskop in einem – es bildet den Himmel mit seinen Gestirnen zum Zeitpunkt unserer Geburt ab und ermöglicht uns zugleich einen Blick in die Tiefen unserer Seele und auch unseres Körpers (die Evolutionäre Astrologie arbeitet sogar mit dem Karma). Wir finden diese Herangehensweise auch in vielen anderen Traditionen wieder – z.B. im Ayurveda oder in der Traditionellen chinesischen Medizin. Warum üben diese Traditionen eine so große Faszination auf unsere westliche Kultur aus? Schlägt man ein Buch über Ayurveda auf, dann springt man nicht gleich bei den Inhaltsstoffen rein, nein – man erfährt etwas über die Schöpfung, die Entstehung der Welt – die Seele – in diesen Systemen ist Platz für Spiritualität!

Die westliche Kultur, die Traditionelle westliche Kräuterkunde – sie hat (hatte) ebenso Platz für diese Ebene. Wir finden sie in den alten Mysterienschulen, bei den Alchemisten (Stichwort Spagyrik), in der Kabbalah und in der Astrologie. Wir müssen uns nur trauen, sie wieder zu entdecken.

 

Die Säulen der traditionellen, westlichen Kräuterkunde

Im Laufe der Zeit haben sich in meiner Arbeit mit Kräutern Schwerpunkte heraus gebildet. Immer wieder komme ich zurück auf die Signaturenlehre, die Zeichensprache der Natur. Erstmals in allen Einzelheiten niedergeschrieben hatte diese der als „Grenzgänger“ bezeichnete Arzt, Astrologe, Philosoph und Naturkenner Paracelsus (1493 bis 1541 n. Chr). Doch was sind die Grundlagen dieser holistischen Lehre und was kann es uns heute bringen, sie anzuwenden? Habt ihr euch je gefragt, wie man am besten das passende Heilkraut für sich ermittelt? Warum wirken bestimmte Kräuter bei jemandem und andere nicht? Wäre es nicht großartig, wenn wir dazu in der Lage wären, Kräuter zur Erhaltung oder Wiederherstellung unserer Gesundheit selbstverantwortlich auswählen zu können – mehr oder weniger unabhängig von verwirrender Fachliteratur? imag1670

Um sich das vorstellen zu können, müssen wir gedanklich Abstand nehmen vom heutigen Modell der reinen Symptombehandlung. Der erste Schritt besteht darin, nicht (nur) auf das Krankheitssymptom zu schauen, sondern auf den  einzelnen Menschen. In diesem Artikel möchte ich die Säulen der traditionellen, westlichen Kräuterkunde vorstellen, die uns Einblicke in diese Form der Behandlung geben können.

Unsere Reise in die Vergangenheit beginnt zu Lebzeiten des griechischen Arztes und Philosophen Empedokles (492 bis 432 v. Chr.). Empedokles war es, der die Grundlage der 4 – Elemente – Lehre schuf. Er sprach damals noch von göttlichen Wurzelkräften. Erst Platon sprach später von den Elementen und sah diese bereits mehr im Sinne von Wirkstoffen, denn als beseelte Kräfte (der Weg zur Wirkstoffkunde, wie wir sie aus der modernen Medizin kennen, begann also in etwa während dieser Zeit). Polybos, ein Schwiegersohn des berühmten Hippokrates war es schließlich, der aus der Elementelehre wiederum die Säftelehre (auch bekannt als Humorallehre) entwickelte.

Polybos nannte 4 Körpersäfte, die in einem harmonischen Verhältnis vorherrschen müssen, damit der Mensch gesund sein kann – Blut, Schleim, gelbe Galle und schwarze Galle. Darüber hinaus teilte er den Menschen, wie auch den Pflanzen 4 sogenannte „Qualitäten“ zu, die da wären – warm, kalt, feucht und trocken. An dieser Stelle ein Beispiel aus der Praxis, wie man nun ein passendes Heilkraut aufgrund dieser relativ unkomplizierten Einteilung auswählen könnte. Jemand leidet beispielsweise unter Verdauungsbeschwerden, die sich in wässrigem Stuhl äußern. Diese Symptomatik würde man wohl am ehesten als kalt und feucht beschreiben. Der nächste Schritt ist die Qualität der Heilpflanze und diese kann am Geschmack festgestellt werden. Geschmackliches Empfinden ist sehr individuell, aber um bei unserem Beispiel zu bleiben, nehmen wir einfach mal den Ingwer.

Um das Ungleichgewicht von kalt und feucht wieder auszugleichen, wäre der Ingwer mit seinen Qualitäten von warm (scharf) und trocken ein geeignetes Heilmittel. Jetzt sind wir allerdings beim Symptom und rein physischen Empfindungen stehen geblieben. Gehen wir weiter, so landen wir schließlich bei Galenos von Pergamon (129 bis 200 v. Chr.), der die Säftelehre auf die geistige Ebene übertrug und damit als Begründer der Temperamentelehre galt. Das Temperament eines Menschen benannte er als entweder Sanguiniker (Luft), Choleriker (Feuer), Phlegmatiker (Wasser) oder Melancholiker (Erde) und man spricht in Anlehnung an den Begründer auch von „Galenik“. Die Säftelehre hielt Dioskurides in seinem Kräuterbuch „De materia medica libri quinque“ fest, in welchem er an die 600 Pflanzen, 100 Mineralien und Tiere mit ihren jeweiligen Qualitäten auflistete. Sein Werk galt bis zur Renaissance als Standardwerk. imag1968

Auch Paracelsus kannte und nutzte die Lehren der Antike, äußerte jedoch auch erstmalig Kritik an deren Dogmatismus. Für ihn waren die Systeme nicht erschöpfend, denn wo waren die Geister und Himmelskörper, die nach der Erkenntnis und Erfahrung dieses Kräuterkundigen einen erheblichen Einfluss auf das irdische Geschehen hatten? Paracelsus lernte nicht nur an Universitäten, sondern scheute sich auch nicht vor der Magie des einfachen Volkes, der „Hexenmedizin“ der Heiden! Seine Ideen zur ganzheitlichen Sicht auf Mensch und Natur hielt er schließlich in seinen Schriften zur Signaturenlehre fest.

Am Schnittpunkt all dieser Vorstellungen liegt das Geheimnis der Heilmittelerkenntnis verborgen. Wer mehr zu diesem faszinierenden Thema erfahren möchte, darf sich auf einen 3-teiligen Kurs im kommenden Frühjahr freuen. Mehr Infos und die genauen Termine erfahrt ihr rechtzeitig 🙂 Ich trinke jetzt jedenfalls Tee – schönen, heißen und scharfen Ingwertee – da hat der Text jetzt Lust drauf gemacht 😉 Für alle, die sich fragen, wie ein Tee die Qualitäten warm und trocken haben kann – hört in euch hinein und schaut, welche Empfindungen der Geschmack in euch hervorruft. Probiert es einfach aus, wenn ihr das nächste mal Kräuter „schmeckt“!

 

Die Angaben in diesem Artikel ersetzen nicht die Behandlung durch einen Arzt, Heilpraktiker oder das therapeutische Fachpersonal, sondern dienen der Information. 

Sternschnuppen – Goldregen

Jedes Jahr um diese Zeit kreuzen wir auf unserer Umlaufbahn die Überreste des Kometen 109P/Swift Tuttle und seine Gesteinsbrocken verglühen in unserer Atmosphäre. In der Nacht vom 12. auf den 13. August erreichen die Perseiden Schauer in diesem Jahr ihren Höhepunkt mit bis zu 200 Sternschnuppen pro Stunde. Praktisch, dass dies von Freitag auf Samstag der Fall sein soll 🙂 Zwischen 00:00 Uhr und 03:00 Uhr früh können wir uns alle eine Menge wünschen!

Die Perseiden gelten als die Nachkommen des Perseus, einem Sohn des Zeus. Er wurde durch einen Goldregen gezeugt, nachdem sein menschlicher Großvater Akrisios, der König von Agros, seine Mutter in ein Verlies hatte sperren lassen. Das Orakel hatte dem alten Mann prophezeit, dass er durch die Hand seines Enkels sterben würde. Nach Perseus Geburt setzte Akrisios Tochter und Enkel auf offener See aus, doch beide wurden gerettet. Im weiteren Verlauf der Geschichte muss Perseus schließlich Medusa besiegen, welche allein durch ihren Blick jeden in Stein verwandelt.

The Wild Unknown Tarot 2nd edition

The Wild Unknown Tarot 2nd edition

Gut, dass der Junge überlebt hat – so können wir uns am Anblick seiner Nachkommen, einem neuen Goldregen, erfreuen! Doch woher kommt eigentlich die Vorstellung, dass Sternschnuppen Glück bringen und Wünsche in Erfüllung gehen lassen? Und ist diese Vorstellung überall verbreitet? Leider nein. In einigen Teilen der Welt gelten Sternschnuppen als Unglück. In der Mongolei bspw. deutet man sie als Seelen der Verstorbenen auf ihrem Weg ins Jenseits und man befürchtet wohl, durch diese Sichtung mitgerissen zu werden. Auch gibt es die Vorstellung, dass Sternschnuppen die Fackeln böser Geister darstellen, welche des Nachts Jagd auf Menschen machen.

Leider ist bisher nicht bekannt, warum in unserem Teil der Welt eine gefallener Stern als Glücksbringer gilt. Ich meine, ausgerechnet ein „gefallener Stern“…„Wie bistu vom Himel gefallen / du schöner Morgenstern? Wie bistu zur Erden gefellet / der du die Heiden schwechtest? Gedachtest du doch in deinem hertzen / Jch wil in den Himel steigen / vnd meinen Stuel vber die sterne Gottes erhöhen. Jch wil mich setzen auff den berg des Stiffts / an der seiten gegen mitternacht. Jch wil vber die hohen wolcken faren vnd gleich sein dem Allerhöhesten. Ja zur Hellen ferestu / zur seiten der Gruben.“ Lutherübersetzung 1545

Auf einen Berg will ich mich auch setzen, um die Sternschnuppen zu beobachten. Auf den „Blocksberg“ oder einen anderen, alten und verlassenen Berg. Fernab vom künstlichen Licht der Städte, in der Einsamkeit und Stille der Nacht. Vielleicht tut´s auch die Halde Norddeutschand mit ihrer Himmeltreppe 😉 Ich denke ja angestrengt über Führungen um Mitternacht nach…Vollmond Führungen und Mythologieführungen…die jeweiligen Sternbilder und ihre Geschichten. Warum sollte ich mich an einen „normalen“ Tag/Nacht/Arbeitsrhythmus halten?! Mal sehen, wie viele meiner momentanen Ideen letztendlich den Sprung in die Realität schaffen.

Wer die Perseiden im August verpasst, hat aber auch zu anderen Zeiten im Jahr noch die Chance, sich einen Wunsch erfüllen zu lassen, nämlich, wenn die Leoniden im November, die Geminiden im Dezember, die Quadrantiden im Januar und die Lyriden im April vom Himmel herab regnen 🙂 Ich wünsche euch allen einen klaren Nachthimmel und mehr Sterne, als ihr in einem Leben zählen könnt!

 

Die Signaturenlehre

Die Signaturenlehre ist die Zeichensprache der Natur. Auch der Kosmos mit seinen vielen Himmelskörpern und dadurch bedingt die Astrologie, werden in der Signaturenlehre mit einbezogen. Wie oben, so unten ist ein Leitsatz für diese ganzheitliche Sicht auf die Welt. Mikrokosmos und Makrokosmos fließen harmonisch ineinander. In der Praxis kann dies z.B. bedeuten,dass man Heilpflanzen einem bestimmten Organ zuordnet. Besonders die Astromedizin mit dem Abbild des sog. Astromenschen bedient sich dieser Herangehensweise. Form, Farbe, Geruch, Standort und andere Eigenschaften der Pflanzen werden ins Verhältnis gesetzt mit typischen Krankheitsbildern oder Körperteilen. So sagt man der Walnuss aufgrund ihrer Form eine heilende Wirkung auf den Kopf (Gehirn) nach oder der Bohne eine heilende Wirkung auf die Niere. Die eng an der Sprossachse entlang wachsenden Blätter des Beinwells sind ein Hinweis auf seine zusammen haltenden Eigenschaften und der Beinwell (Gebein/wallen=zusammenwachsen) gilt in der Volksheilkunde bis heute als wertvolle Heilpflanze bei Knochenbrüchen, Der gelbe Saft des Schöllkrautes gilt als Indiz für ein Lebermittel und man kann die Liste schier endlos fortsetzen.

Wissenschaftlich erwiesen ist die Signaturenlehre nicht, denn bei manchen Heilpflanzen kann man trotz der Ähnlichkeiten keine Wirkung nachweisen. Die Signaturenlehre an sich ist jedoch eine faszinierende Möglichkeit, Pflanzen einmal aus einem völlig anderen Blickwinkel zu betrachten. Bei einem Spaziergang in der Natur kann man die Wahrnehmung auf all die kleinen Pflänzchen und bunten Farbtupfer richten, die bereits jetzt vom Übergang des Winters zum Frühling sichtbar sind. Wer sich auf die Signaturenlehre einläßt, der taucht ein in eine andere Welt und sieht diese auch aus einem neuen Blickwinkel. Gerade weil hier kaum wissenschaftlich nachweisbaren Ergebnisse vorliegen, kommt es meiner ganz persönlichen Meinung nach sehr auf die jeweilige Person an, welche diese Lehre nutzt und die Signaturen interpretiert. Da kommen wir schnell in Bereiche wie das Tarot, wo es immer die weissen und die schwarzen Schafe gibt 😉

Wer nach einem tieferen Zugang zur Natur sucht und bisher nicht so recht wusste, wie er anfangen sollte, der ist gut beraten, jetzt im Frühling zu starten und intuitiv und mithilfe der Signaturenlehre und einem guten Pflanzenbestimmungsbuch bewaffnet erste Schritte zu machen. Ich weiß aus eigener Erfahrung, wie sich die Wahrnehmung verändert, wenn man plötzlich nicht mehr nur „grün“ rechts und links sieht, sondern die Vielfalt entdeckt, die einem zuvor gar nicht aufgefallen ist. Ich freue mich immer sehr, wenn ich das auch von anderen Menschen höre, mit denen ich Streifzüge durch Wald und Wiesen unternommen habe. Calcit2

Wer mehr zum Thema lesen möchte, der sollte was die Signaturenlehre angeht, ruhig in den alten Schriften von Paracelsus oder Giambattista della Porta suchen, denn diese umgibt noch ein ganz eigener Zauber. In meinen Kräuterführungen hat die Signaturenlehre einen festen Platz. Um niemanden zu überfordern, gebe ich immer eine kleine Einführung zum Thema und beschränke mich auf die Planetenkräfte in den Pflanzen. In zwei Stunden kann man schlecht jemanden zum Astrologen ausbilden 😉 Die Astrologie selbst ist so weitläufig und komplex und für viele Menschen auch „weit weg“. Vielleicht liegt das auch daran, dass wir hier in Europa immer nur auf Babylon, Griechenland und Ägypten schielen, wenn wir von der einstigen Verbundenheit zwischen Astrologie UND Astronomie sprechen. Der Bezug zu unseren eigenen Sternensagen ist nur mit ein wenig Mühe auffindbar. Calcit1

Wieder liefert die Edda Sammlung Hinweise zu den Sternensagen der nordisch-gemanischen Mythologie. Hier können wir etwas über die Vorstellung der Entstehung des Firmaments aus der Schädelplatte des Riesen Ymirs lesen, erfahren, wie aus den Augen des Adlers Tjatse ein Sternbild wurde oder aus Aurvandils eingefrorenem Zeh. Leider ist nicht immer überliefert, um welche Sternkonstellation es sich handelt, bei der in Sachsen gefundenen Himmelsscheibe von Nebra gilt allerdings als gesichert, dass es sich hier um die Plejaden handelt! Ein Volk von Seefahren wie das der Vikinger muss über astronomische Kenntnisse verfügt haben, allein um navigieren zu können! Endlich haben Forscher nun auch den berühmten Sonnenstein gefunden, mit dem es den Vikingern möglich gewesen ist, auch bei bewölktem Himmel den Stand der Sonne zu ermitteln. Und ich kann euch versichern, es funktioniert!

Bei dem Stein handelt es sich um Calcit, auch Doppelspat genannt. Doppelspat deshalb, weil er das Licht so bricht, dass man doppelt sieht, wenn man ihn vor ein Objekt hält. Mit ein bisschen Übung kann man bei bewölktem Himmel tatsächlich die Sonne finden, und zwar, indem man den Stein so lange dreht und ausrichtet, bis eben nur noch EIN gebündelter Strahl zu sehen ist. Nur als kleine Zusatzinfo: Auch Mineralien tragen eine kosmische Signatur. Der leider 2014 verstorbene Michael Gienger hat auf dem Gebiet der Heilsteine viel Wissen zusammen getragen, zuletzt besonders die Kristallstrukturen betreffend. An dieser Stelle bleibt es euch überlassen, wie tief ihr in die Signaturenlehre eintauchen wollt. Mein Favorit ist sie aus einem ganz einfachen Grund – sie läßt die Wildnis wild bleiben und macht aus uns Menschen neugierige Beobachter. Sie verbindet Theorie und Praxis und viele fantastische Einzeldisziplinen.