Von Wiedergängern & Wechselbälgern – Ein Halloween Post

Am Sonntag hatte ich meine Kräuterführung zum Thema Ahnenzeit. Schwerpunkt waren die Ursprünger von Halloween und Allerheiligen. Zwischenzeitlich wurde es recht düster und gruselig, besondern an der Wegkreuzung im Wald, unter alten Buchen. Die Menschen aus vergangenen Jahrhunderten begegneten ihren Ahnen einerseits mit Liebe und Respekt, andererseits mit Ehrfurcht und Angst. Wenn ein Mensch gestorben ist, traf man die nötigen Vorkehrungen, damit er den Weg auf die andere Seite fand und niemanden mit sich nahm. Manchmal jedoch kamen sie wieder…

Nach dem Tod wurden die Spiegel verhangen, die Uhren angehalten und die Totenwache mit Holunderblütentee und vielen Tabus belegt, begangen. Der Abtransport der Leiche unterlag strengen Regeln, so musste unbedingt darauf geachtet werden, dass der Tote mit den Füssen zuerst hinausgetragen wurde, da er sonst womöglich wieder zurückkehren konnte. Auf Türschwellen durfte niemals Halt gemacht werden, denn in diesen Zwischenräumen konnte sich die Seele des Verstorbenen möglicherweise verheddern und steckenbleiben. Doch wie kam es zum Glauben an die Wiedergänger, an lebende Tote?

Die Wissenschaft spricht von einem Phänomen, bei dem der Verwesungsprozess eines Leichnams stoppt, wodurch sich unter Ausschluss von Sauerstoff das Hautfett in eine Art Wachs umwandelt. Leichen, die schon längst verwest sein müssten, erscheinen noch „frisch“ im Vergleich zu denen, die den normalen Zerfallsprozess hinter sich haben. Trat nun eine solche Wachsleiche zutage, etwa, weil durch eine Überschwemmung der Sarg wieder zur Oberfläche getrieben wurde, dann stellten die Leute mit Entsetzen fest, dass es sich hier um einen Wiedergänger handeln musste. Ein Wesen, welches die Angehörigen heimsucht, Angst und Schrecken verbreitet und sie sowohl in ihren Träumen verfolgt, als auch in physischer Gestalt quält. IMG_1944

So, wie man keine natürliche Erklärung für eine Wachsleiche fand, hatte man auch keine für ein Kind, das nicht wuchs oder mit einer Behinderung zur Welt kam. Ein Neugeborenes sollte in eine Wiege aus Birkenholz gelegt werden, in welche man 3mal die Berkana Rune ritzte. Dies sollte das Baby vor dem Feenvolk schützen, welches ansonsten eines ihrer Kinder gegen das Menschenkind austauschen und selbiges in ihr Reich entführen würde. Man sprach bei diesen „Feenkindern“ von einem Wechselbalg. Ihr Schicksal war grausam, denn befand man ein Kind für ein Wechselbalg, wurde es ausgesetzt und dem Tode überlassen. Schon kurz nach der Geburt befand die Hebe-Ahnin (heute Hebamme – damals zumeist eine germanische Priesterin) ein Neugeborenes für lebensfähig und hob es auf oder befand es für zu schwach und kränklich, was das Aussetzen zur Folge hatte.

Samhain ist nicht nur Kürbis schnitzen und seichter Spuk. Es ist ein Totenfest. Machen wir nicht den Fehlern, es zu verniedlichen. Um es ganz zu erfahren, sollten wir uns erlauben, in seine dunklen Tiefen einzutauchen und uns gleichsam an seiner wilden Romantik erfreuen. Ich wünsche euch allen ein durch und durch gruseliges, wildes und berührendes Samhain.

 

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2 Gedanken zu “Von Wiedergängern & Wechselbälgern – Ein Halloween Post

  1. Super interessanter Beitrag, vielen Dank dafür! Habe ein paar Fakten gelernt, die ich bisher nicht kannte. Ich selber mag ja einerseits den Ami-Kitsch und die bunte-spooky Halloween-Tradition! Andersherum feiere ich natürlich für mich alleine oder mit spirituellen Freundinnen auch Samhain im herkömmlichen Sinne, mit den ehrwürdigen Aspekten, die es ausmachen.
    Dir wünsche ich eine gesegnete Ahnenzeit und eine magische Samhain-Nacht!

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