Naturverträgliches, nachhaltiges Wildsammeln

Kräuter, Bäume, Sträucher, Pilze, Moose und Farne – sie alle können nicht nur unseren Speiseplan bereichern, sondern auch unser körperliches Wohlbefinden. Der Frühling ist da und lockt uns Kräuterweiber und Wurzelsepps wieder hinaus in die Natur, wo essbare Wild- und/oder Heilpflanzen wachsen. Wir tun uns und der Welt jedoch keinen Gefallen, wenn wir wie Plünderer über das Angebot in Wald und Wiese herfallen. Um naturverträglich für den Eigenbedarf zu sammeln, ist es wichtig, dass wir dies immer mit dem Gedanken an Nachhaltigkeit tun. Aus diesem Grund habe ich einige Tips für Sammler zusammen gestellt, auf die ich auch in meinen Kräuterführungen immer eingehe. 20140809_123059_resized

  • Sicheres bestimmen & Standort

Es ist eigentlich selbstverständlich, aber der Vollständigkeit halber sei gesagt, dass nur jene Wildkräuter gesammelt werden sollten, die man auch sicher bestimmen kann, um die Gefahr einer Vergiftung auszuschließen. Direkt neben stark befahrenen Straßen oder nah an gedüngten Feldrändern sollte man besser nicht sammeln. Wie wirkt die Landschaft auf mich? Strahlt sie Fülle und Gesundheit aus? Sind die Pflanzen prall und grün oder wirken sie schwach und kränklich? Steht die Pflanze unter Naturschutz?

  • Das Gebiet

Bevor wir loslegen, sollten wir in Erfahrung bringen, in welchem Gebiet unsere Kräuter wachsen. Handelt es sich um Privatbesitz? In diesem Fall sollte immer die Erlaubnis des Besitzers eingeholt werden. Befinden wir uns in einem Landschaftsschutzgebiet oder einem Naturschutzgebiet? Welche Regeln muss ich hier beachten? Behörden, wie z.B. die Untere Landschaftsbehörde, können Auskünfte erteilen.

  • Die 1:20 Regel

Man erntet niemals die einzige Pflanze, die an einem Standort wächst. Die Natur braucht diese eine Pflanze an diesem Ort dringender, als wir. Mit der Entnahme dieser Pflanze verhindern wir die Vermehrung und sorgen dafür, dass an diesem Standort unter Umständen nie wieder diese Art vorkommen wird. 1:20 ist eine einfache Faustregel für das wildsammeln, die garantiert, dass die Population vor Ort gesichert werden kann.

  • Wie ernte ich?

Beim ernten der Pflanze sollten wir, wenn möglich, nur etwa die obersten 2/3 abschneiden. So kann die Pflanze ggf. noch einmal neu austreiben. Wenn wir Wurzeln benötigen, dann sollten wir diese vorsichtig ausgraben und die benötigten Mengen mit einem Messer abschneiden. Ein Teil der Wurzel sollte in der Erde verbleiben, denn so kann die Pflanze überdauern. Ein gutes Beispiel ist der Beinwell, der immer wieder auch aus kleinsten Wurzelstückchen hochtreibt.

Zu guter Letzt sei gesagt, dass man nur die Mengen sammelt, die man auch benötigt. Nichts ist trauriger und verschwenderischer, als feststellen zu müssen, dass die Augen größer waren, als der Magen, sprich, dass man zu viel gesammelt hat und Reste entsorgen muss. Von daher gilt es, die benötigten Mengen vorab gut abzuschätzen. Mit diesen wenigen, aber einfach umsetzbaren Tips tun wir einerseits uns selbst etwas gutes und begegnen andererseits unserer Umwelt mit Respekt, Verantwortung und natürlich Zuneigung. So passt der Mensch ins Bild 🙂

Wunderbare Welt der Pilze

Immer, wenn ich Pilze für den Eigenbedarf sammle, ernte ich Blicke aus weit aufgerissenen Augen und muss mir lustige Sprüche anhören 😉 In unseren Breiten herrscht eine wahre „Pilz-Phobie“ vor, die von Kind an genährt wird. Pilze sind gefährlich, giftig, tödlich! Hände weg, nur wahre Kenner können Pilze bestimmen und sammeln! Zugegeben, genau wie auch beim bestimmen von Kräutern muss man aufpassen, keine giftigen Exemplare mit essbaren zu verwechseln, aber dennoch geniessen die Wildkräuter einen viel besseren Ruf als ihre unterirdischen Nachbarn, die Pilze. Ja, sie sind wahre Bewohner der Unterwelt, mit ihren Mykälien, die sich in den Tiefen der Erde entlangziehen und ausbreiten, gitterartige Gewebe hinterlassen, auf die man manchmal im Wald stößt und die von den meisten Menschen mit verrottetem Laub verwechselt werden.

Echter Zunderschwamm Volksheilkundliche Anwendung als Mittel zur Blutungsstillung, seit der Steinzeit Verwendung zum Feuer machen, Alternative zu Räucherkohle

Echter Zunderschwamm
Volksheilkundliche Anwendung als Mittel zur Blutungsstillung, seit der Steinzeit Verwendung zum Feuer machen, Alternative zu Räucherkohle

Es gibt nur relativ wenige tödlich giftige Arten, die meisten giftigen Pilze bescheren einem Menschen mit normaler physischer Konstitution eher Übelkeit und Durchfall (oder, falls gewünscht, Halluzinationen, haha). Die tödlich giftigen haben die gemeine Angewohnheit, einigen beliebten Speisepilzen, wie dem Champignon, verdammt ähnlich zu sehen, so etwa der hochgiftige Knollenblätterpilz. Ein weit verbreiteter Irrtum zum Fliegenpilz ist, dass er ebenfalls tödlich giftig sei. Falsch, Fliegenpilze sind essbar, sie haben allerdings eine halluzinogene Wirkung und sind in den schamanischen Kulturen, z.B. Sibiriens gut bekannt.

Judasohr Speisepilz, kommt häufig auf Totholz vor, gern von Holunder

Judasohr
Speisepilz, kommt häufig auf Totholz vor, gern von Holunder

Was wir als Pilz bezeichnen, ist lediglich der oberirdische Fruchtkörper der Pilze, welcher zur Verbreitung der Sporen gebildet wird. Dreht man einen solchen Fruchtkörper heraus oder entfernt ihn von Totholz, kann man die hellen Pilzfäden, die Mykelien, deutlich erkennen. Diese feinen Fäden gehen teilweise Symbiosen mit den Wurzeln bestimmter, von der jeweiligen Art bevorzugter Bäume ein. Der Pilz verwächst mit den feinen Wurzelhärchen und liefert dem Baum wertvollen Stickstoff, während der Baum den Pilz im Gegenzug an seinen Zuckerreserven teilhaben läßt. So entsteht ein dichtes Geflecht, welches an das Nervensystem des menschlichen Körpers erinnert. Mehr und mehr wird in dieser Richtung geforscht – so ist die Vorstellung, dass mithilfe der Pilze die Bäume eine Art „Frühwarnsystem“ erschaffen haben, dass z.B. bei einem parasitären Befall die andere Bäume warnt, so dass diese rechtzeitig bestimmte Stoffe in der Rinde bilden können, um die Eindringlinge abzuwehren, keine reine Fiktion mehr.

Schmetterlings Tamete Volksheilkundliche Anwendung gegen Entzündungen, antibakteriell, antiviral, Einsatz in der Krebsbekämpfung

Schmetterlings Tamete
Volksheilkundliche Anwendung gegen Entzündungen, antibakteriell, antiviral, Einsatz in der Krebsbekämpfung

Pilze sind in besonderem Maße an der Zersetzung von Totholz beteiligt, was sie zu wichtigen Vertretern im Ökosystem macht. Wie immer, wenn die Natur aus dem Gleichgewicht gerät, ist auch ein starker Pilzbefall nicht gesund – weder bei Menschen, Tieren, oder Pflanzen. Andersherum entsteht ein solcher Befall meist erst, wenn es sich bereits um einen kranken Baum oder ein angeschlagenes Immunsystem handelt. Wenn ihr Lust habt, die Welt der Pilze selbst zu erkunden, empfehle ich euch zuerst die Tour mit einem erfahrenen Pilzkenner, ein gutes Bestimmungsbuch und viel Zeit 😉 Die Suche nach Pilzen und ihre Untersuchung läßt einen nämlich jegliches Zeitgefühl vergessen…

Verborgenes Wissen in der Edda

Wo soll ich anfangen? Die Edda ist eine Sammlung von Heldenliedern, Göttersagen und Spruchweisheiten der Nordischen Mythologie. Wenn wir heute von der Edda sprechen, meinen wir meist den Sammelband der älteren und der jüngeren Edda in einem Buch. Die ältere Edda war bereits mindestens 400 Jahre alt, als sie im Jahre 1643 dem isländischen Bischof übergeben und von diesem zum König von Dänemark geschickt worden war. Bis auf wenige fehlende Seiten war sie gut erhalten. Der dänische König Frederik nannte die Sammlung Codex Regius.

Ein Grund dafür, warum so wenige von uns spirituell Interessierten sich mit der eigenen, germanischen Mythologie beschäftigen, ist neben dem offensichtlichen Grund, namentlich der verklärten Nazi-Ideologie auch jener, dass man uns von Kindesbeinen an eingebläut hat, es handele sich hier lediglich um nette Geschichten, die man sich zum Zeitvertreib erzählt hat. In unserer heutigen Gesellschaft herrschen zumindest in der westlichen Welt zwei große Lager: Die Christen und die Atheisten. Die einen verteufeln die heidnischen Vorstellungen, die anderen belächeln sie.

Dem isländischen Gelehrten Snorri Sturlussen (1179 bis 1241), der im 13. Jahrhundert für den norwegischen König Hakon Hakonarson die Norwegischen Königssagen verfasste, haben wir es zu verdanken, dass das Wissen um die Dichtung der damaligen Zeit bewahrt werden konnte. Snorri zeigt auf, dass die Sprache der alten Völker voll von dichterischen Parabeln (Gleichnissen) steckte. Snorri lebte zu einer Zeit, in welcher die Fähigkeit der Deutung der alten Dichtkunst aus der Erinnerung des Volkes zu schwinden begonnen hatte. Kaum jemand wusste die Metaphern der altnordischen Dichtung noch zu interpretieren. Zitat: „Ich schrieb dieses Buch, damit junge Studenten der Dichtkunst das verstehen können, welches in Runen verborgen liegt“.

Sein Lehrbuch für Skalden (altnordische Bezeichnung für Dichter) teilt sich in 3 Teile, wobei die ersten beiden Teile den Fokus auf die Metaphern und Interpretationen alter Mythen und Sagen legt. Zusammenfassend sprechen wir also von der älteren Edda und meinen jene Sammlung alter Heldenlieder, Göttersagen und Spruchweisheiten, die wahrscheinlich zum ersten mal von Mönchen im 13. Jahrhundert gesammelt und aufgeschrieben worden waren, dann für 400 Jahre im Verborgenen gehalten wurden und im 17. Jahrhundert wieder aufgetaucht sind, während die jüngere Edda, Snorri Sturlussens Buch über die Interpretation alter nordischer Dichtkunst ist. EdelsteinThorhammer

Nach dieser kurzen Einführung möchte ich gern anhand eines Beispiels aufzeigen, was wir erst auf den zweiten oder dritten Blick erkennen (oder gar auf den vierten, denn die Regeln der Dichtkunst gehen bis in die vierte Ebene hinein). Es war einmal vor vielen Jahren…da diskutierte ich in einem Forum mit Gleichgesinnten über die Götter, zu denen wir eine besondere Verbindung spüren…als ich mit dem germanischen Baldur um die Ecke kam, erntete ich Gelächter (in Form von augenverdrehenden Smileys!) und Worte wie „Ausgerechnet Baldur! Der Blondgelockte Schönling!“ Es sollten Jahre vergehen, bis ich herausfand, warum „ausgerechnet Baldur“…

In der Edda erfahren wir, dass Baldur der Sohn Odins und seiner Frau Frigg ist. Was bedeuten diese Namen? Odin ist jener Gott, der den Menschen sowohl den Atem, die Dichtkunst, als auch den Wissensdurst geschenkt hat. Er ist verheiratet mit Frigg, der, „die alles weiss, aber nicht spricht“. Aus dieser Verbindung geht Baldur hervor, der „strahlende“, englisch „bold“ = tapfer. Sein Palast steht in Breidablik, was soviel bedeutet wie Weitblick. Wenden wir Snorris Wissen um die Interpreation altnordischer Dichtkunst an, so erkennen wir, dass Baldur als Sohn von Odin und Frigg für eine mutige, weltoffene Einstellung und das Lichte und Gute steht. Daran kann ich erstmal nicht schlechtes finden 😉

Doch Baldur stirbt durch die Hand seines blinden Bruders Hödur (Ignoranz und blinde Aggression), angestiftet wurde Hödur von Loki (der Leidenschaft in ihrem dunklen Aspekt). Dieses Ereignis ist der Anfang vom Ende und wird zu Ragnarök, dem Ende der Welt führen. Nach Ragnarök, so geht die Sage, wird Baldur wieder auferstehen. Allein die Geschichte um „Balders Drauma“ ist voll von Metaphern und Parabeln und ich weiss nicht, wie es euch geht, aber für mich ergeben sie Sinn. Einen tiefen Sinn, der sich mit einem animistischen Weltbild absolut vereinbaren läßt. Will ich mich mit Odin verbinden, höre ich auf meinen Atem, den Wind oder hauche Texten Leben ein. Will ich dasselbe mit Baldur tun, übe ich mich in Toleranz und Weltoffenheit und gehe mutig meinen Weg, alles helle, manchmal einfach das Licht selbst, ist Baldur.

Das hier war nur ein kleines Beispiel, ein einfaches für den Anfang. Etwas, auf das man so nebenbei stößt, wenn man recherchiert, alt-isländisch lernt und auf das eigene Bauchgefühl hört. Es ist auch als Ermutigung gedacht für jene, denen manchmal die Fakten oder die Worte fehlen und die doch innerlich fühlen, dass das, woran sie glauben, wichtig und wertvoll ist. In diesem Sinne – startet gut in die Woche 🙂

 

Der Alb, die Trud und die Schlafparalyse

Eine dampfende Tasse Tee steht vor mir. Es ist kurz vor Mitternacht, kurz vor der Geisterstunde, wie der Volksmund zu sagen pflegt. Traumkräuter schwimmen im Sieb, die da wären: Beifuss, das Kraut der Seherinnen, Schafgarbe für eine sichere Reise, und Baldrian, bekannt für seine beruhigende Wirkung auf die Nerven. Der Tee kann noch mit Lavendel und Melisse ergänzt werden und erhält in diesem Fall eine geschmackliche Aufwertung. Ich bin eine Traumwandlerin und gleich beginnt meine nächtliche Reise…

Die alten Germanen kannten auch schon Albträume, die sie um ihren wohlverdienten Schlaf brachten. Sie machten die Alben dafür verantwortlich, Wesen, die etymologisch wohl zum Volk der Zwerge gehörten, im Grunde aber zu den Elben gezählt werden konnten. Ein Alb setzt sich des Nachts auf die Brust des Träumenden und „drückt“ ihn oder sie, bis dieses unangenehme Druckgefühl zu eben jenen Schlafbildern führt, die uns Angst und Panik bescheren. An dieser Angst labt sich der Alb. Auch die Trud oder Drude konnte, klein wie ein Strohhalm, durch Schlüssellöcher oder Astlöcher ins Schlafgemach eindringen und die Menschen quälen, indem sie sie ritt. Noch heute kennen wir das Sprichwort „jemand sei vom Teufel geritten“, was seinen Ursprung in der Vorstellung der Drude hat. Johann_Heinrich_Füssli_053

Von der Drude sagte man, ihr Fussabdruck, der Drudenfuss, schütze als Symbol gegen die Drude selbst. Wir kennen dieses Zeichen heute auch noch in Form eines Pentagrams, meist mit der Spitze nach unten. Nach alter Vorstellung schrecken böse Geister vor ihresgleichen zurück – ein Grund für die Verkleidung an Halloween und die gruseligen Masken bei den Perchtenläufen. Die Bezeichnung Alb lebt heute noch im Wort Alptraum weiter. Ein älterer Begriff, heute noch im englischen Nightmare zu finden, war Mahr. Jede Kultur kennt und kannte dämonische Wesen, welche Menschen und auch Tiere im Schlaf das fürchten lehrten. Manche glaubten, die Drude sei eine verfluchte Frau, die ihre Hugr (ihr gesamtes nichtkörperliches Wesen) nachts abspalten muss, um dem Zwang, andere zu „drücken“ oder zu „reiten“ nachzugeben.

Wie kommt man im 21. Jahrhundert darauf, sich mit solchen Druckgeistern zu beschäftigen? Aufgrund einer Schlafstörung, der sog. Schlafparalyse. Die Wissenschaft spricht von einer Störung, die dafür sorgt, dass über die Aufwachphase hinaus der Schutzmechanismus im Gehirn, welcher uns daran hindert, Traumhandlungen körperlich auszuführen, bestehen bleibt. Das hat zur Folge, dass man aufwacht und keinen Finger rühren kann. Es fühlt sich an, als drücke eine Betonwand der Länge nach den gesamten Körper in die Matratze. Nur unter erheblicher Anstrengung und begleitet von Angstzuständen können sich Betroffene aus dieser Starre lösen. In diesem Zustand zwischen Schlaf und Wachsein berichten Leute davon, dass sie Dinge wahrnehmen, unschöne Dinge, wie eben eine dämonische Präsenz.

Nachdem mich der wissenschaftliche Erklärungsversuch nicht überzeugt hat, überzeugte mich die Erklärung aus dem Volksglaube umso mehr. Alles, was nicht wissenschaftlich erklärbar ist, wird auf Halluzinationen geschoben, der Zufall muss beständig herhalten und es gibt ja auch sonst keinen Beweis. Ich vertraue mir selbst mehr als einer These, die morgen wieder revidiert wird. Meine ganz persönliche Erklärung für die Schlafparalyse ist folgende: Die Hugr (oder auch Seele, Bewusstsein) kehrt zu schnell aus der Anderswelt oder auch Astralwelt zurück. Das muss man sich vorstellen, wie einen Taucher, der zu schnell zurück an die Oberfläche kommt – er ist desorientiert und hat erst einmal keine Kontrolle über seine motorischen Fähigkeiten. Die Seele muss quasi erst wieder an den Körper „andocken“ (unser Gehirn bietet die Schaltzentrale, über die es der Seele ermöglicht wird, den Körper zu nutzen). Ein Schreckerlebnis hat vielleicht dazu geführt, dass man regelrecht zurück gerissen wurde.

Irgendwann erzähle ich euch noch etwas mehr darüber, falls es euch interessiert. Dieses beängstigende Erlebnis, dass ich seit frühester Kindheit kenne, war einer der wichtigsten Gründe für meine heutige Beschäftigung mit Mythologie und (scheinbarem) Aberglaube.

Von Wiedergängern & Wechselbälgern – Ein Halloween Post

Am Sonntag hatte ich meine Kräuterführung zum Thema Ahnenzeit. Schwerpunkt waren die Ursprünger von Halloween und Allerheiligen. Zwischenzeitlich wurde es recht düster und gruselig, besondern an der Wegkreuzung im Wald, unter alten Buchen. Die Menschen aus vergangenen Jahrhunderten begegneten ihren Ahnen einerseits mit Liebe und Respekt, andererseits mit Ehrfurcht und Angst. Wenn ein Mensch gestorben ist, traf man die nötigen Vorkehrungen, damit er den Weg auf die andere Seite fand und niemanden mit sich nahm. Manchmal jedoch kamen sie wieder…

Nach dem Tod wurden die Spiegel verhangen, die Uhren angehalten und die Totenwache mit Holunderblütentee und vielen Tabus belegt, begangen. Der Abtransport der Leiche unterlag strengen Regeln, so musste unbedingt darauf geachtet werden, dass der Tote mit den Füssen zuerst hinausgetragen wurde, da er sonst womöglich wieder zurückkehren konnte. Auf Türschwellen durfte niemals Halt gemacht werden, denn in diesen Zwischenräumen konnte sich die Seele des Verstorbenen möglicherweise verheddern und steckenbleiben. Doch wie kam es zum Glauben an die Wiedergänger, an lebende Tote?

Die Wissenschaft spricht von einem Phänomen, bei dem der Verwesungsprozess eines Leichnams stoppt, wodurch sich unter Ausschluss von Sauerstoff das Hautfett in eine Art Wachs umwandelt. Leichen, die schon längst verwest sein müssten, erscheinen noch „frisch“ im Vergleich zu denen, die den normalen Zerfallsprozess hinter sich haben. Trat nun eine solche Wachsleiche zutage, etwa, weil durch eine Überschwemmung der Sarg wieder zur Oberfläche getrieben wurde, dann stellten die Leute mit Entsetzen fest, dass es sich hier um einen Wiedergänger handeln musste. Ein Wesen, welches die Angehörigen heimsucht, Angst und Schrecken verbreitet und sie sowohl in ihren Träumen verfolgt, als auch in physischer Gestalt quält. IMG_1944

So, wie man keine natürliche Erklärung für eine Wachsleiche fand, hatte man auch keine für ein Kind, das nicht wuchs oder mit einer Behinderung zur Welt kam. Ein Neugeborenes sollte in eine Wiege aus Birkenholz gelegt werden, in welche man 3mal die Berkana Rune ritzte. Dies sollte das Baby vor dem Feenvolk schützen, welches ansonsten eines ihrer Kinder gegen das Menschenkind austauschen und selbiges in ihr Reich entführen würde. Man sprach bei diesen „Feenkindern“ von einem Wechselbalg. Ihr Schicksal war grausam, denn befand man ein Kind für ein Wechselbalg, wurde es ausgesetzt und dem Tode überlassen. Schon kurz nach der Geburt befand die Hebe-Ahnin (heute Hebamme – damals zumeist eine germanische Priesterin) ein Neugeborenes für lebensfähig und hob es auf oder befand es für zu schwach und kränklich, was das Aussetzen zur Folge hatte.

Samhain ist nicht nur Kürbis schnitzen und seichter Spuk. Es ist ein Totenfest. Machen wir nicht den Fehlern, es zu verniedlichen. Um es ganz zu erfahren, sollten wir uns erlauben, in seine dunklen Tiefen einzutauchen und uns gleichsam an seiner wilden Romantik erfreuen. Ich wünsche euch allen ein durch und durch gruseliges, wildes und berührendes Samhain.

 

Krötenwanderung und die ersten Frühlingskräuter

Es ist Abend geworden und während wir es uns langsam auf der Couch gemütlich machen, geht es für manch andere Spezies erst richtig los 😉 Die Rede ist von Kröten. Ich bin vom zahlenden zum aktiven Mitglied im Naturschutzbund geworden und im Zuge dessen war ich heute zum dritten mal bei der Krötenwanderung dabei. Die Kröten wandern jetzt von ihren Winterquartieren zu den Laichgründen, wobei sie die ein oder andere Straße überqueren müssen. Ab einer Temperatur von 5°C zieht es die Tiere zu den nahen Gewässern. Damit diese Wanderung nicht in einem Massaker endet (auch heute haben wir eine platt gefahrene Kröte gefunden), helfen wir dabei, die Kröten entlang der Zäune aus den Eimern zu fischen und sie auf der anderen Straßenseite wieder auszusetzen. Entlang der Zäune sind Eimer in die Erde eingelassen, in die Löcher gebohrt wurden, damit Regenwasser ins Erdreich abfließen kann. Kröte auf Birke

Trotzdem sammelt sich manchmal Wasser in den Eimern und damit keine Maus in den Eimern ertrinkt, liegt in jedem ein dicker Ast, an welchem sie hochkriechen können. Die Kröten erreichen auf ihrer nächtlichen Wanderung die Zäune und weil sie dieses Hindernis nicht überwinden können, versuchen sie es zu umgehen und landen dabei in den Eimern. Früh morgens werden alle Eimer kontrolliert und die Kröten (auch Frösche und Molche) werden gezählt und statistisch erfasst. Dieses Jahr verschiebt sich die Wanderung aufgrund der langen Nachtfröste sehr nach hinten. Allein heute hatten wir insgesamt 77 Erdkröten und 1 Teichmolch in den Eimern; mal sehen, wie viele es morgen sein werden. Ich habe sehr viel über diese Tiere lernen können und finde sie seit meiner Kindheit absolut faszinierend. Kennt noch jemand die grünen Frösche, die es früher im Überraschungsei gab? Seitdem bin ich Amphibien-Fan!

GoldaugeDie kleinen Hexentiere mit den goldenen Augen haben sich dieses Jahr so richtig in mein Leben geschoben. Ich las in der Lokalzeitung bereits, dass der NABU Helfer sucht und wollte schon anrufen. Dann hatte ich sowieso ein Treffen mit der hiesigen Ortsgruppe, da ich jetzt als Kräuterpädagogin den Kräutergarten im Umweltschutzzentrum mitbetreue. Auf dem Gelände befindet sich auch ein Teich und einige Terrarien. Prompt sah ich dort Kröten, Frösche und Molche und aufgrund der Begeisterung für die Tiere fragte man mich, ob ich mithelfen würde. Mein Freund ist am Wochenende auch dabei und ist ebenso begeistert wie ich. Wenn man so eine Kröte auf der Hand hat und ihr in die kleinen, gold-glänzenden Augen sieht, hat man manchmal das Gefühl, als blicke man in den Spiegel. Vielleicht geht das auch nur den Hexen so 😉 Ich jedenfalls stelle mir vor dem einschlafen vor, wie so ein kleines Familiar nachts durch den dunklen Wald wandert, vielleicht bis zu einem Haus. Dort brennt ein Licht…und durch die Augen der Kröte siehst du ins Innere. Ihre Verbindung zu Nacht, Wald und Hexen macht die Tiere so faszinierend, wie ich finde. Buschwindröschen

Aufgrund der Krötenwanderung haben wir ein neues, wirklich märchenhaft schönes Waldstück entdeckt. Dort ist der Wald naturbelassen, er wird nicht aufgeforstet. Buschwindröschen und Sauerklee wuchsen neben Scharbockskraut und Knoblauchsrauke. Ich habe es geschafft, mich schön auf die Nuss zu legen, weil die Erde vom Regen so matschig war und dabei bin ich auch noch mit der Hand auf eine Brombeerranke gefallen. Oh, es ist schön, wenn der Schmerz nachläßt. Ab zum Gundermann, etwas davon in der Hand zerrieben (nachdem ich alle Dornen herausgezogen hatte!) und der brennende Schmerz ließ sofort nach.

SauerkleeAm Osterwochenende war ich mit einer Freundin Kräuter für die Gründonnerstagssuppe sammeln. Wir kochten sie mit Giersch, Brennessel, Gundermann, Löwenzahn, Knoblauchsrauke, Scharbockskraut, Taubnessel, Hirtentäschel und Vogelmiere. Zuvor hatte ich noch wilde Veilchen gesammelt und einen Sirup daraus gekocht. Dieser wird traditionell gegen Husten eingesetzt und schmeckt auch gut zu Eis. Davon gibt es jetzt eins 😉

Parfum nach antikem Vorbild

Parfum Zutaten

Ein Parfum kann vieles sein, angefangen von einer reinen Wohltat für die Nase, bis hin zu einem subtilen magischen Werkzeug. Letzteres befindet sich gerade in einem Glas in der Küche und zieht gut durch. Im antiken Griechenland war der Trägerstoff für Parfums meist Olivenöl, während wir heute Alkohol benutzen. Der Aphrodite geweiht, hatten Düfte auch die Aufgabe, die Gläubigen in den Tempeln bei ihren Gebeten und Zeremonien zu unterstützen. Wir können uns heute wohl kaum vorstellen, welche angenehmen und unangenehmen Düfte die antike Welt einst beherrschten, von Schweiß und Fäkalien bis zu berauschenden Kompositionen, die den Geist in Ekstase versetzten.

Mir kam gestern beim räuchern von Copal, Anissamen und Rosenblüten die Idee, den Anweisungen aus einem Workshop zu folgen, dessen Leiterin sich intensiv mit dem Thema Parfums in der Antike auseinandergesetzt hat. Wer Interesse hat, der Workshop war in englischer Sprache:  http://blogs.getty.edu/iris/the-scent-of-love-ancient-perfumes/

 

Ich habe mich für Mandelkern süß als Trägeröl entschieden, denn es besitzt nur einen schwachen Eigengeruch. Die Basisnote ist Mhyrre, sowie ein Stückchen Kalmuswurzel. Darauf sitzt der süsslich vanillige Duft von Styrax und abgerundet wird die Komposition von Rosenblüten. Diese Mischung wird in ein Glas-oder Keramikgefäß gegeben. Man bringt jetzt Wasser in einem Topf zum kochen und nimmt den Topf dann von der Platte (alternativ nimmt man einfach den guten alten Wasserkocher). Das Glas mit dem Mazerat wird nun in das Wasserbad gestellt, was bewirkt, dass durch die Hitze die Duftstoffe gelöst und ins Öl abgegeben werden. Das Ganze muss nun mindestens 24 Stunden durchziehen und wird anschließend gut gefiltert und in einen schönen Flakon gegeben.

Das Parfum ist schwächer als ein modernes,auf Alkoholbasis angesetztes Parfum. Man muss näher an die Person herantreten, um es überhaupt wahrzunehmen, während man bei manchen Ladies im örtlichen Douglas den Eindruck hat, sie möchten ihre Mitmenschen einfach nur ersticken 😉 Wenn man die Sorte Parfum wie oben beschrieben auf die Stellen am Körper aufträgt, wo die Haut sehr dünn ist und die Blutbahnen dicht darunter laufen, wird der Duft dezent an die Umwelt abgegeben. Nur, wer direkt neben dir steht oder dich bei der Begrüßung freundschaftlich umarmt, wird es wahrnehmen.

Ein Parfum, welches für einen bestimmten Zweck mit sorgfältig ausgewählten Zutaten hergestellt und vielleicht noch rituell geweiht wird, wirkt sehr subtil. Die Person, der dieser Zauber gilt, wird vielleicht bewusst feststellen, dass die Trägerin angenehm duftet, aber unterbewusst wird einiges mehr ausgelöst. Natürlich kann man auch experimentieren und beobachten, wie solch ein Duft auf verschiedene Menschen wirkt und daraus seine Schlüsse ziehen. Die Welt der Düfte ist eine faszinierende Welt voller Sinnlichkeit und wir sollten die Wirkung auf Körper und Geist  nicht unterschätzen. Alles, was Düfte an positiver Heilkraft, wie beispielsweise in der Aromatherapie mit sich bringen, vermögen sie auch in entgegengesetzter Weise zu tun. Wer das Buch „Das Parfum“ von Patrick Süskind gelesen hat oder den Film kennt, kann sicher nachvollziehen, was gemeint ist, wobei die Arbeit, die Grenouille tut der einer Hexe wie Medea oder Circe in nichts nachsteht…

Die Signaturenlehre

Die Signaturenlehre ist die Zeichensprache der Natur. Auch der Kosmos mit seinen vielen Himmelskörpern und dadurch bedingt die Astrologie, werden in der Signaturenlehre mit einbezogen. Wie oben, so unten ist ein Leitsatz für diese ganzheitliche Sicht auf die Welt. Mikrokosmos und Makrokosmos fließen harmonisch ineinander. In der Praxis kann dies z.B. bedeuten,dass man Heilpflanzen einem bestimmten Organ zuordnet. Besonders die Astromedizin mit dem Abbild des sog. Astromenschen bedient sich dieser Herangehensweise. Form, Farbe, Geruch, Standort und andere Eigenschaften der Pflanzen werden ins Verhältnis gesetzt mit typischen Krankheitsbildern oder Körperteilen. So sagt man der Walnuss aufgrund ihrer Form eine heilende Wirkung auf den Kopf (Gehirn) nach oder der Bohne eine heilende Wirkung auf die Niere. Die eng an der Sprossachse entlang wachsenden Blätter des Beinwells sind ein Hinweis auf seine zusammen haltenden Eigenschaften und der Beinwell (Gebein/wallen=zusammenwachsen) gilt in der Volksheilkunde bis heute als wertvolle Heilpflanze bei Knochenbrüchen, Der gelbe Saft des Schöllkrautes gilt als Indiz für ein Lebermittel und man kann die Liste schier endlos fortsetzen.

Wissenschaftlich erwiesen ist die Signaturenlehre nicht, denn bei manchen Heilpflanzen kann man trotz der Ähnlichkeiten keine Wirkung nachweisen. Die Signaturenlehre an sich ist jedoch eine faszinierende Möglichkeit, Pflanzen einmal aus einem völlig anderen Blickwinkel zu betrachten. Bei einem Spaziergang in der Natur kann man die Wahrnehmung auf all die kleinen Pflänzchen und bunten Farbtupfer richten, die bereits jetzt vom Übergang des Winters zum Frühling sichtbar sind. Wer sich auf die Signaturenlehre einläßt, der taucht ein in eine andere Welt und sieht diese auch aus einem neuen Blickwinkel. Gerade weil hier kaum wissenschaftlich nachweisbaren Ergebnisse vorliegen, kommt es meiner ganz persönlichen Meinung nach sehr auf die jeweilige Person an, welche diese Lehre nutzt und die Signaturen interpretiert. Da kommen wir schnell in Bereiche wie das Tarot, wo es immer die weissen und die schwarzen Schafe gibt 😉

Wer nach einem tieferen Zugang zur Natur sucht und bisher nicht so recht wusste, wie er anfangen sollte, der ist gut beraten, jetzt im Frühling zu starten und intuitiv und mithilfe der Signaturenlehre und einem guten Pflanzenbestimmungsbuch bewaffnet erste Schritte zu machen. Ich weiß aus eigener Erfahrung, wie sich die Wahrnehmung verändert, wenn man plötzlich nicht mehr nur „grün“ rechts und links sieht, sondern die Vielfalt entdeckt, die einem zuvor gar nicht aufgefallen ist. Ich freue mich immer sehr, wenn ich das auch von anderen Menschen höre, mit denen ich Streifzüge durch Wald und Wiesen unternommen habe. Calcit2

Wer mehr zum Thema lesen möchte, der sollte was die Signaturenlehre angeht, ruhig in den alten Schriften von Paracelsus oder Giambattista della Porta suchen, denn diese umgibt noch ein ganz eigener Zauber. In meinen Kräuterführungen hat die Signaturenlehre einen festen Platz. Um niemanden zu überfordern, gebe ich immer eine kleine Einführung zum Thema und beschränke mich auf die Planetenkräfte in den Pflanzen. In zwei Stunden kann man schlecht jemanden zum Astrologen ausbilden 😉 Die Astrologie selbst ist so weitläufig und komplex und für viele Menschen auch „weit weg“. Vielleicht liegt das auch daran, dass wir hier in Europa immer nur auf Babylon, Griechenland und Ägypten schielen, wenn wir von der einstigen Verbundenheit zwischen Astrologie UND Astronomie sprechen. Der Bezug zu unseren eigenen Sternensagen ist nur mit ein wenig Mühe auffindbar. Calcit1

Wieder liefert die Edda Sammlung Hinweise zu den Sternensagen der nordisch-gemanischen Mythologie. Hier können wir etwas über die Vorstellung der Entstehung des Firmaments aus der Schädelplatte des Riesen Ymirs lesen, erfahren, wie aus den Augen des Adlers Tjatse ein Sternbild wurde oder aus Aurvandils eingefrorenem Zeh. Leider ist nicht immer überliefert, um welche Sternkonstellation es sich handelt, bei der in Sachsen gefundenen Himmelsscheibe von Nebra gilt allerdings als gesichert, dass es sich hier um die Plejaden handelt! Ein Volk von Seefahren wie das der Vikinger muss über astronomische Kenntnisse verfügt haben, allein um navigieren zu können! Endlich haben Forscher nun auch den berühmten Sonnenstein gefunden, mit dem es den Vikingern möglich gewesen ist, auch bei bewölktem Himmel den Stand der Sonne zu ermitteln. Und ich kann euch versichern, es funktioniert!

Bei dem Stein handelt es sich um Calcit, auch Doppelspat genannt. Doppelspat deshalb, weil er das Licht so bricht, dass man doppelt sieht, wenn man ihn vor ein Objekt hält. Mit ein bisschen Übung kann man bei bewölktem Himmel tatsächlich die Sonne finden, und zwar, indem man den Stein so lange dreht und ausrichtet, bis eben nur noch EIN gebündelter Strahl zu sehen ist. Nur als kleine Zusatzinfo: Auch Mineralien tragen eine kosmische Signatur. Der leider 2014 verstorbene Michael Gienger hat auf dem Gebiet der Heilsteine viel Wissen zusammen getragen, zuletzt besonders die Kristallstrukturen betreffend. An dieser Stelle bleibt es euch überlassen, wie tief ihr in die Signaturenlehre eintauchen wollt. Mein Favorit ist sie aus einem ganz einfachen Grund – sie läßt die Wildnis wild bleiben und macht aus uns Menschen neugierige Beobachter. Sie verbindet Theorie und Praxis und viele fantastische Einzeldisziplinen.